Deutschlandkarte Wie haben sich die "Tafeln" vermehrt?

In welchen Städten Lebensmittel an Bedürftige verteilt werden, zeigt unsere Karte

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Deutschlandkarte – die Analyse

Soll man sich freuen, dass es inzwischen so viele von ihnen gibt? Oder soll man traurig sein, weil so viele nötig sind? Es fing an mit einer allerersten Tafel in Berlin im Jahre 1993, heute sind sie überall. Sie folgen alle derselben Idee: Wer kaum Geld für Lebensmittel hat, bekommt sie dort zu einem symbolischen Preis. Bürger spenden Geld, Geschäfte spenden überschüssiges Obst, Gemüse und Brot, das noch einwandfrei genießbar ist.

Die Idee entstand in den Metropolen, in denen sich die Armut ballt, inzwischen hat sie sich ausgebreitet übers Land, auch dort, wo man vor allem Millionäre vermutet: auf Sylt, in Starnberg und Garmisch. Die meisten Tafeln gibt es im südlichen Bayern und in Baden-Württemberg. Denn geholfen wird dort am meisten, wo es außer Armen auch noch genügend Reiche gibt, die den Armen helfen wollen. Die ärmsten Gegenden in Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt, so ungerecht ist das, sind auch am ärmsten an Tafeln.

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Redaktion: Matthias Stolz; Quelle: Bundesverband Deutsche Tafel e.V. (www.tafel.de); Stand Juni 2008

 
Leser-Kommentare
    • Zel
    • 28.12.2008 um 17:41 Uhr

    Wer kein Geld für Essen hat, bekommt es umsonst.

    Das wird gerne geschrieben, es stimmt aber nicht. Nahezu alle Tafeln nehmen von ihren "Kunden" einen "Unkostenbeitrag" von 1 bis 2 Euro. Das zeigt, dass selbst "Nächstenliebe" eine Kosten-Nutzen-Rechnung geworden ist. Traurig ist das deshalb, weil das dann eben genau keine "Spende" mehr ist, sondern eben ein schlichtes Geschäft.

    Bürger spenden Geld, Geschäfte spenden überschüssiges Obst, Gemüse und Brot, das noch einwandfrei genießbar ist.

    Auch das ist nur scheinbar so. Fakt ist-Tafel hin oder her-jeder normale Supermarkt jeden Monat mehrere Tonnen Lebensmittel einfach wegschmeißt. Da wird tatsächlich für die Tonne eingekauft. Wer da wirklich Spenden wollte, könnte auch Lebensmittel rausgeben, die noch frisch sind und kein abgelaufenes Haltbarkeitsdatum haben. Die Kunden kaufen doch in der Regel kein Produkt, dass weniger als 5 Tage haltbar ist, es sei denn, sie achten nicht auf das MHD. Trotzdem wird den armen Menschen Ware mit abgelaufenem MHD zugemutet.

    Das ist natürlich deshalb so, weil die Entsorgung von diesem Müll bezahlt werden müsste und sich das nicht immer rechnet, wenn man bestimmte Mengen überschreitet oder nicht erreicht. Diese Differenz wird dann in die Tafeln gekippt und der Kaufmann feixt sich eins. Der macht nämlich durch die gesparten Entsorgungskosten noch Gewinn. Den spendet er natürlich nicht der Tafel, die muss sehen, wie sie ihre laufenden Kosten bestreitet.

    Die laufenden Kosten werden wie oben erwähnt von den Bedürftigen bestritten, denn Wohltätigkeit auf eigene Kosten, dass können sich die Neo-Gönner von heute nun wirklich nicht mehr zumuten.

    Was ist nur aus uns geworden? Man hätte sich geschämt, wenn irgendwo in der Welt jemand Geld für die Verteilung von Lebensmittelabfällen gefordert hätte. Und ja, Frischeartikel wie Wurst, Milch und Obst über MHD schmeckt auch so, deshalb kaufen wir es ja auch nicht. Und es hält bei den armen Menschen auch nicht länger als bei uns. Wenn die einen riesen Beutel mit Obstabfällen bekommen, dann haben sie zwei Tage später eine Horde Fruchtfliegen und ungenießbaren Biomüll. Unsere Fürsorge ist selbst da schon zeitlich begrenzt.

    Offenbar halten wir in unserer wohlstandsverwahrlosten Selbstverliebtheit Arme generell für strunzdumm. Doch die wissen ganz genau, was ihnen da trotz vorhandener Alternativen vorgeworfen wird. Das reicht in der akuten Not für Dankbarkeit, manifestiert sich aber die Armut, dann schlägt das irgendwann in Wut um. Das wird noch spannende Effekte auf die Gesellschaft haben, wenn diesem Spuk nicht schnell ein Ende bereitet wird.

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  • Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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