Er hat seine fünf Sinne beisammen

Marc Brost: »Der rätselhafte Herr Steinbrück«

»Wie reagiert die Regierung, wenn die Krise neue Löcher in die Bilanzen der Banken reißt?«, fragen Brost, Schieritz und Storn in der ZEIT Nr. 50. Die Antwort auf diese Frage steht noch aus, da niemand das Ausmaß der Finanzkrise abzuschätzen vermag. Auch der Kritik von Herrn Brost am Finanzminister ist damit die Grundlage entzogen. Die Tatsache, dass Frau Merkel sich aus wahltaktischen Erwägungen von Herrn Steinbrück absetzt, stellt ebenfalls keinen ausreichenden Beleg für die Unrichtigkeit seiner Position dar.

Wie die Vergangenheit zeigt (Schröders Agenda 2010 und sein Nein zum Irakkrieg), erweisen sich »unpopuläre« Entscheidungen oft als richtig, und die Nachfolger profitieren von der Weitsicht dieser »sturen« Minderheit. Der Schachspieler und Finanzminister hat bisher vernünftig gehandelt und ist Herrn Brost um ein paar Züge voraus, es sei denn, wir lesen in der nächsten ZEIT eine begründete Alternative zu jener von Peer Steinbrück.

Jürgen Rohlfshagen, Quickborn

Steinbrück ist nicht rätselhaft, sondern er hat seine fünf Sinne beisammen. Alle Welt will die Folgen hemmungsloser Schuldenmacherei durch noch mehr Schulden bekämpfen, nur Steinbrück und Merkel versagen sich dem Zug der Lemminge. Und warum sollen Entlastungen, die vor dem Konjunkturpaket beschlossen wurden, nicht mitgerechnet werden? Wer vorausschauend die Krise nicht hochkommen lässt, ist doch wohl besser beraten als einer, der ihr hechelnd hinterherrennt!

Ein Beispiel zur langfristigen Krisenvermeidung: Deutschland hat in den vergangenen 50 Jahren seine Industrie laufend erweitert und erneuert, wurde deshalb oft als gestrig verhöhnt, auch von Wirtschaftsexperten. England hat seine Industrie verkommen lassen, stattdessen einen Finanzzirkus aufgebaut und mit heißer Luft gehandelt, was von Wirtschaftsexperten mehrheitlich als zukunftsweisend gepriesen wurde. Jetzt ist die Blase geplatzt, und England möchte, dass Deutschland ziellos mit Milliarden um sich schmeißt. Da kann Steinbrück gar nicht stur genug sein. Natürlich muss man seinen Nachbarn helfen, aber dadurch, dass man ihnen den richtigen Weg zeigt (zum Beispiel Schulen renovieren, Kanalisation instand setzen), statt auf deren falschem Pfad mitzustolpern.

Rob Origer, Innichen, Italien

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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