Im Gedächtnis

Ulrich Schnabel: »Hauen ums Stechen«

Mit viel Interesse habe ich gelesen, wie schwierig es ist, eine »wissenschaftliche Erklärung« für die Wirksamkeit der Akupunktur zu liefern. Ich möchte ergänzend darauf hinweisen, dass die Anwendung der Akupunktur aus einer Zeit stammt, in der die Menschen in China ein anderes Verständnis von den das Leben bewirkenden unsichtbaren Kräften hatten, die dann zwecks »Verstehens« zu göttlichen Kräften mit entsprechenden Bildern und Mythen offenbart und so geglaubt und erfahrbar wurden.

Nicht vergessen werden sollte, dass das Wissen anfänglich nur persönlich tradiert wurde und sich von »Gedächtnis zu Gedächtnis« fortpflanzte. Die Aufzeichnung der Akupunkturpunkte ist daher als ein Schwinden der Gedächtniskräfte interpretierbar. Was vorher lebendiges Erfahrungsgut war, wird jetzt »Lehrbuchwissen«.

Durch eine Akupunkturbehandlung kann ich bestätigen, dass der Akupunkteur mit der Hand die Akupunkturpunkte ertastete und die Akupunkturtafeln nur als Gedächtnisstütze benutzte. Die Wirkung der Nadelung verspürte ich sofort. Am Ende der Behandlung wurde ich noch massiert, um die veränderten Körperempfindungen (Schmerzerleichterung) zu verstärken.

Meines Erachtens sollten daher die wissenschaftlichen Studien erweitert werden im Sinne der Ertastung der Akupunkturpunkte und der Massage.

Winfried A. Weitzel, Bad Vilbel

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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