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Die Königin der aphrodisischen Küche

Wo die Sylter Royal gezüchtet wird, ist Birgit Damer auf den Geschmack gekommen. Für ihr Buch Austern – Perlen des Meeres hat die Goldschmiedin aus Keitum Austernrezepte von internationalen Spitzenköchen gesammelt, Adressen von Restaurants und Märkten aus aller Welt zusammengestellt, die den guten Ruf der Schalentiere mehren. Damer kennt und nennt die Unterschiede der Arten und Züchtungsmethoden zwischen Arcachon und dem Golf von Mexiko, vom Limfjord bis nach Tasmanien. Gewissenhaft steuert sie den Leser durch die Kulturgeschichte der nahrhaften Mollusken, die dank ihres hohen Zinkanteils schon Casanova bei seinen erotischen Eskapaden beflügelten. Aufgelockert wird das fundierte Brevier durch Pierre Booms bunten Bilderreigen. Seine Fotos zeigen Fischer, Köche und schlürfende Gourmets. Und natürlich das gewisse Etwas, auf das es ankommt: zartes Innenleben unter rauer Schale. CS

Birgit Damer: »Austern – Perlen des Meeres«. Hädecke Verlag, Weil der Stadt 2008; 112 S., 14,95 Euro

Kunst am Berg

Mit dem Klischee, dass Gemälde von Berglandschaften kitschig sind, räumt Bettina Hausler auf und zeigt: Viele große Künstler haben sich vom Gebirge inspirieren lassen. Leonardo da Vinci betrieb dort naturwissenschaftliche Studien, Caspar David Friedrich fand sein Thema in einer Natur voller Symbolik, Paul Cézanne, Wassily Kandinsky oder Franz Marc richteten ihren Stil an Bergmotiven aus, und Andy Warhols Pop-Art knöpfte sich Neuschwanstein vor. Bettina Hausler fächert das ganze Repertoire auf. Mit Freude am Detail lotst sie durch romantische, fantastische, dramatische Szenerien, weist hin auf zeitkritische Anspielungen und ideologische Verbrämungen. Wolken dräuen, Eis gleißt, Menschen krabbeln über Abgründe. Kapellen stehen für Geborgenheit, Berge verwandeln sich in Fratzen, ein Adler thront auf dem Hakenkreuz. Die Geschichte der alpinen Kunst präsentiert sich als Geschichte der Emotionen. Und Hauslers Buch ist ein besonders schön anzuschauender Beleg dafür. Alb

Bettina Hausler: »Der Berg. Schrecken und Faszination«; Hirmer Verlag, München 2008; 220 S., 65,– €

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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