Liebeskolumne Muss an Weihnachten Einigkeit herrschen?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Muss ich seinen Christbaumschmuck schön finden?

Die Frage: Anton und Flora haben geheiratet und feiern zum ersten Mal Weihnachten zusammen. Beiden ist das Fest sehr wichtig und voller schöner Kindheitserinnerungen. Und Anton und Flora hängen gleichermaßen am Christbaumschmuck, der in ihrer Familie üblich ist. Sie stellen fest, dass ihre Vorlieben sehr verschieden sind. Flora will den Baum mit Äpfeln und Strohsternen schmücken, Anton will Lametta und blaue Metallkugeln. Nach heißen Diskussionen entscheiden sie sich dafür, zwei Weihnachtsbäume aufzustellen, einen mit dem Schmuck der Frau, einen mit dem Schmuck des Mannes. Als Freunde sie besuchen, machen sie sich lustig über das ungleiche Christbaumpaar im Wohnzimmer. Anton und Flora wissen nun selbst nicht genau: War ihre Entscheidung pragmatisch oder einfach nur unsinnig?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Viele Paare merken erst, was es bedeutet, das Singleleben aufzugeben, wenn sie versuchen, ein gemeinsames Leben zu gestalten. Solange man verliebt ist, füllen sich wie von selbst alle Eigenarten des Partners, von denen man nichts weiß, mit dem eigenen Spiegelbild. Weil es heute keine festen Rollen mehr gibt, in denen etwa immer die Frau entscheidet, wie festliche Räume geschmückt werden, und der Mann klärt, ob ein Rappe oder ein Schimmel die Kutsche zieht, gibt es Streit – oder parallele Welten, die etwas Komisches haben. Bei Anton und Flora gefällt mir, dass sie ihre Eigenarten ernst nehmen. Ökonomischer und nicht weniger tolerant wäre es aber, in geraden Jahren Anton, in ungeraden Flora den gemeinsamen Baum schmücken zu lassen. Wer weiß, ob nicht Strohsterne zu Metallkugeln passen?

Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten, von ihm erschien u.a. "Das Mobbing in der Liebe", Gütersloher Verlagshaus

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine E-Mail an liebeskolumne@zeit.de .

Welchen Problemen Wolfgang Schmidbauer in seiner täglichen Praxis begegnet, erzählt er im Interview mit ZEIT ONLINE.

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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