Vergangenen Donnerstag, morgens um halb elf, bekam der Hörfunkdirektor des Hessischen Rundfunks in Frankfurt, Heinz Sommer, Besuch von drei begeisterten Hörern. Sie wollten ihm sagen, wie toll sie finden, was sie hören, und weil sie sich nicht ganz sicher waren, ob er das auch versteht, haben sie ihm etwas zu lesen mitgebracht: ein Buch von 350 Seiten mit begeisterten Stellungnahmen und den Unterschriften 3000 begeisterter Hörer.

Wie sehr der Direktor sich gefreut hat! Anderthalb Stunden lang hat er mit den Besuchern angeregt diskutiert; ein wenig traurig wird er nur gewesen sein, dass er die Begeisterung über das von ihm Gesendete so gar nicht teilen kann. Deshalb wird das Programm ja nun auch geändert.

Es geht um die Stunde vor Mitternacht, in der am kommenden Sonntag die wöchentliche HR3-Sendung Der Ball ist rund von Klaus Walter zum letzten Mal zu hören sein soll. Die Sendung mit dem seltsamen Namen gibt es seit 24 Jahren, und Klaus Walter ist so etwas wie der deutsche John Peel, ein Radio-DJ mit Leidenschaft und Kenntnis, der sich für alles interessiert, was sich in der Musik so bewegt, und es einem schlaflosen Publikum zu später Stunde in wohlgewählten Worten zu vermitteln weiß.

Kenntnis und Leidenschaft? Da schüttelt es natürlich viele Chefs im Öffentlich-Rechtlichen. Gut, es gibt den Bildungsauftrag, es gibt Millionen an Gebühren, aber senden tut man auf den Popwellen Gedudel und Geplapper. Gerade erst hat der Hessische Rundfunk stolz verkündet, für HR3 zwei TV-Damen verpflichtet zu haben.

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Nun zum Positiven. Es hat sich – nicht zufällig – in einem Bunker verschanzt. Der steht am Rande des Heiligengeistfeldes in Hamburg, und vom vierten Stock aus sendet seit nun fast einem Jahr ByteFM – ein Internetradio, das zwar keine Gebühren bekommt, aber einem Bildungsauftrag, nein, einer Bildungssehnsucht folgt: alle Musik zu senden, nicht nur die populärste. Und diese Musik den Hörern vorzustellen und nahezubringen. Der freie Journalist Ruben Jonas Schnell hat es gegründet, 80 Moderatoren und DJs arbeiten ihm inzwischen zu, 20 davon kommen aus der Sphäre der ARD, Klaus Walter ist auch dabei. 8000 Hörer täglich hat das Senderchen inzwischen, Tendenz steigend; das Medienecho ist überwältigend: endlich Musiksendungen, die nicht nur nicht doof sind, sondern Spaß machen.