Musiksendungen Lass uns reden!
Das Radio kann besser werden, schon im kommenden Jahr
Vergangenen Donnerstag, morgens um halb elf, bekam der Hörfunkdirektor des Hessischen Rundfunks in Frankfurt, Heinz Sommer, Besuch von drei begeisterten Hörern. Sie wollten ihm sagen, wie toll sie finden, was sie hören, und weil sie sich nicht ganz sicher waren, ob er das auch versteht, haben sie ihm etwas zu lesen mitgebracht: ein Buch von 350 Seiten mit begeisterten Stellungnahmen und den Unterschriften 3000 begeisterter Hörer.
Wie sehr der Direktor sich gefreut hat! Anderthalb Stunden lang hat er mit den Besuchern angeregt diskutiert; ein wenig traurig wird er nur gewesen sein, dass er die Begeisterung über das von ihm Gesendete so gar nicht teilen kann. Deshalb wird das Programm ja nun auch geändert.
Es geht um die Stunde vor Mitternacht, in der am kommenden Sonntag die wöchentliche HR3-Sendung Der Ball ist rund von Klaus Walter zum letzten Mal zu hören sein soll. Die Sendung mit dem seltsamen Namen gibt es seit 24 Jahren, und Klaus Walter ist so etwas wie der deutsche John Peel, ein Radio-DJ mit Leidenschaft und Kenntnis, der sich für alles interessiert, was sich in der Musik so bewegt, und es einem schlaflosen Publikum zu später Stunde in wohlgewählten Worten zu vermitteln weiß.
Kenntnis und Leidenschaft? Da schüttelt es natürlich viele Chefs im Öffentlich-Rechtlichen. Gut, es gibt den Bildungsauftrag, es gibt Millionen an Gebühren, aber senden tut man auf den Popwellen Gedudel und Geplapper. Gerade erst hat der Hessische Rundfunk stolz verkündet, für HR3 zwei TV-Damen verpflichtet zu haben.
Bärbel Schäfer gümbelt: »Ich bin niemand, der erstarrt und sagt: Ogottogott, was mache ich jetzt? Hilfe!«
Andrea Ballschuh lässt es raus: »Meine Leidenschaft sind Crêpes mit Nutella.«
Nun zum Positiven. Es hat sich – nicht zufällig – in einem Bunker verschanzt. Der steht am Rande des Heiligengeistfeldes in Hamburg, und vom vierten Stock aus sendet seit nun fast einem Jahr ByteFM – ein Internetradio, das zwar keine Gebühren bekommt, aber einem Bildungsauftrag, nein, einer Bildungssehnsucht folgt: alle Musik zu senden, nicht nur die populärste. Und diese Musik den Hörern vorzustellen und nahezubringen. Der freie Journalist Ruben Jonas Schnell hat es gegründet, 80 Moderatoren und DJs arbeiten ihm inzwischen zu, 20 davon kommen aus der Sphäre der ARD, Klaus Walter ist auch dabei. 8000 Hörer täglich hat das Senderchen inzwischen, Tendenz steigend; das Medienecho ist überwältigend: endlich Musiksendungen, die nicht nur nicht doof sind, sondern Spaß machen.
Noch läuft alles ehrenamtlich, der Initiator schießt Geld aus eigener Tasche zu. Unterstützung kommt von der Firma Panasonic, die den Sendebetrieb zahlt, und von Jung von Matt, der großen Werbeagentur, die – angetan vom Projekt – von nun an für ByteFM die Trommel rühren will.
Fehlt jetzt nur, dass Ruben Jonas Schnell demnächst Besuch bekäme von begeisterten Hörern – mit Scheckbuch. Oder von Emissären der ARD mit einem Verhandlungsauftrag: Lass uns reden!
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- Datum 23.12.2008 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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... in Deutschland ist depremierend. Kein Sender mehr ohne "Guten-Morgen-Team" das einem ab früh 7:00 die Laune mit dümmsten Klamauk, Robbie Williams und nervigster Werbung verdirbt. Keine Themensendungen mehr, die irgendwas abseits von Pop spielen, Metal, Punk, Tekkno, HipHop gibts nur, wenn es zufällig in den kommerziellen Charts unter die TopTen geraten ist und dort gerät es natürlich immer seltener hin, weil es nie im Radio gespielt wird. Leider kein Unterschied mehr zwischen Privaten und Öffentlichen.
Hat sich eigentlich schonmal jemand über die extrem nervtötenden Jingles gewundert? Wisst ihr was der Grund ist? Ich verrate es euch: im Radio gibt es keine Einschaltquotenmessung, sondern lediglich eine jährliche Telefonumfrage. Und richtig, da wird gefragt, was man am häufigsten anhört und damit sich die richtige Antwort so RICHTIG in eure Windungen brennt, muss sie im 5-Minuten-Rhytmus runtergedudelt werden.
BITTE liebe Rundfunkdirektoren (oder wer immer das zu verantworten hat), BITTE baut eine vernünftige Einschaltquotenmessung auf, mit moderner Technik sollte das doch kein Problem mehr sein, oder? Aber das kann nur ein Anfang sein. Werbung hat im Öffentlichen genausowenig was zu suchen, wie der Öffentliche den Privaten Konkurrenz machen sollte. Was Privat abdecken kann, soll ruhig Privat abdecken, es läßt genug Ödland zurück, welches mit Gebührengeldern sinnvoll begrünt werden könnte. Das gilt nicht nur für Radio, sondern ebenfalls für TV.
Wenn es die freien Radios nicht gäbe, sowie die seriösen Sender wie den DLF, ich würde die Kiste gar nicht mehr anrühren. Beide werden auch von unseren Gebühren finanziert, sind allerdings (zumindest in ländlicher Gegend) viel schlechter zu finden und zu empfangen als der öffentlich/private Dudelfunk und kosten auch noch viel weniger. Selbiges beim Fernsehen, Platzhirsche wie das ZDF verschlingen den größten Gebührenteil und bringen doch am wenigsten Qualität, verglichen etwa mit arte. Womit ich bei meiner letzten Forderung bin: definiert endlich den Grundbedarf und zwar trennscharf. Die jährlichen Gebühren-Erhöhungen, bei gleichzeitigem Einbruch der Qualität sind einfach nicht hinnehmbar.
Mein Lieblingsradiosender ist ja Deutschlandradio Kultur. Auch ein ÖRA Sender, aber verglichen mit den monströsen Anstalten und ihren bürokratischen Wasserköpfen in ARD/ZDF Land ein echter Billigheimer.
DLF, DR Kultur, DW und DW-TV, arte, 3sat, BR alpha und die dritten Programme. Mehr öffentlich-rechtlich brauchts nicht. Der Rest kann privatisiert oder abgewickelt werden.
Eigentlich ;-)
ist eine der großartigsten Radiosendungen und der Grund, weswegen ich Sonntag Abends vor dem Radio sitze und nicht vor dem Fernseher. Die Kombination aus Dia-Show und Musik war immer kongenial, schade, dass der HR dieses Format nun absetzen will. Dabei ist man auch in der Musikredaktion mit Lidia Antonini wirklich gut besetzt und bringt immer wieder wirklich gute Leute ins Radio. Auch schade ist, dass Werner Reinke zu HR1 wechselt. Auch er bestach durch Kompetenz, Witz und hatte spannende Comoderatoren. Ich hoffe, dass dies bei HR1 weiterhin so bleibt.
es ist ein paar Jahre her. In der ZEIT war zu lesen dass alt sei, wem die Stücke im Radio schon noch gefallen. Der Alte aber die Interpreten nicht mehr kennt. Eines Tages war ich auch über dieses Stadium hinaus! Radio nervte nur noch! Frau Tücking lachte ihr Lachen wie vor 20 Jahren und stellte neue Gruppen vor ('die Jungs sind ja sooo süss') von denen bereits am nächsten Tag nichts mehr zu hören war.
Dazu die Musik die bereits in den 80'er lief und Moderatoren die breites pfälzisch sprachen.
Da der Fernsehr schon lange abgeschafft war (ich bekam Kopfschmerzen beim Versuch mich auf dieses Niveau runter zu denken) schlug die Stunde des DLF. Sendungen wie 'Klassik-Pop-et cetera' zeigten mir manch gute Gruppe und ungewöhnliche Musik (hier denke ich speziell an Conlon Nancarrow).
Bei byte.fm wurde ich Hörer der ersten Stunde! Radio (kann man einen Stream 'Radio' nennen?) wie es sein soll. Musik mit guten Worten, Hintergrundinformationen und tiefes Wissen! Für Nachrichten und 'Hingergrundgedudel' sind DLF und radio42 in meiner Playlist. Doch wenn Musik anspruchsvoll sein soll führt an byte.fm kein Weg vorbei! Den Machern sei weiterhin viel Erfolg gewünscht!
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