Stil
Unter Managern gibt es derzeit ein Handy, das sich außerordentlicher Beliebtheit erfreut und nicht leicht zu bekommen ist. Es wird nämlich nicht mehr hergestellt: das Nokia 6310. Es hat ein einfarbiges Display, Tasten, die man wirklich drücken muss, und es ist fast unmöglich, damit eine E-Mail zu empfangen. Dafür findet man es garantiert in jeder Tasche, wenn es klingelt. Es hat einen anständigen Tüdelüt-Klingelton und bellt nicht wie ein Hund oder scheppert wie ein Telefon aus den vierziger Jahren. Der Chef einer Schweizer Uhrenmarke gab neulich zu, dass er alte Modelle aufkaufen lasse, damit er sich nie wieder an ein neues Handy gewöhnen müsse.
Immer mehr Menschen sehen im Handy eine Art Fernbedienung fürs Leben, mit der sie ihre Termine koordinieren, ihre Mail-Korrespondenz abwickeln und Musik hören können. Apple ist mit dem iPhone zum drittgrößten Handyhersteller der Welt aufgestiegen und hat eine treue Anhängerschaft, die sich gegenseitig vorführt, welche neuen Programme man aus dem Netz saugen kann. Die Anhängerschaft nimmt dafür stillschweigend in Kauf, dass sie ihr Handy fast täglich neu laden muss.
Die Akkulaufzeiten des 6310 hingegen sind legendär. Immerhin muss der Akku nicht auch noch ein Satelliten-Navigationssystem, einen UMTS-Chip und eine Kamera mitversorgen. So sieht sich der iPhone-Besitzer gerne als Avantgarde, er ist aber längst der Mainstream.
Wer es sich leisten kann, der nimmt ein Handy, das demonstrativ nur zum Telefonieren da ist. Leider sieht die Plastikhülle des Nokia 6310 schnell schrammig aus. Es geziemt sich also für den Mobilfunkpuristen, ein Handy zu kaufen, das einen besseren äußeren Eindruck macht. Zu diesem Zwecke hat etwa die Nokia-Tochter Vertu eine neue Version des Luxushandys Signature auf den Markt gebracht. Der Korpus ist aus Leder und Metall gefertigt, nichts ist geklebt, und alles ist geschraubt. Die Tasten sind auf Rubinen gelagert wie die Zahnräder bei einer Uhr. Ansonsten bietet das Handy entspannend wenig. Als einzige Luxusausstattung gibt es den »Concierge«-Knopf. Er verbindet einen mit einem Callcenter in London. Das nun wieder soll alle möglichen Dinge für einen erledigen können, wie Karten bestellen oder Hotels reservieren. Oft, hört man, funktioniert das aber nicht. Besser, man ruft selbst an.
Vertu Signature
Tillmann Prüfer fragt: Soll ein Handy nur zum Telefonieren sein?
Einfacher kann man nicht telefonieren – aber viel teurer auch nicht. Das Einsteigermodell des neuen Vertu Signature kostet 9500 Euro
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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