Ich habe einen Traum "Ich schreibe ein Buch für meine Kinder"
Seinen eigenen Traum hat sich der Schauspieler Hugh Jackman schon mit 28 Jahren erfüllt. Seine Wünsche gelten heute seinen beiden Adoptivkindern
Es gibt ein Foto von mir, auf dem ich vor dem National Theatre in London stehe. Ich war damals Schauspielschüler, 23 Jahre alt. Ich hatte die Augen geschlossen und die Hände gefaltet wie zum Gebet. Mein Gesicht sagte: Hoffentlich schaffe ich es eines Tages hierher.
Meine Mutter und mein Vater hatten sich getrennt, als ich acht Jahre alt war. Meine Mutter war zurück nach England gezogen. Viele Jahre lang pendelte ich zwischen England und Australien. Meine Eltern liebten beide das Theater. Seit ich ein kleiner Junge war, wusste ich, dass ich auf der Bühne stehen wollte.
Fünf Jahre lang hing dieses Foto über meinem Bett. Dann hatte ich meine erste Premiere am National Theatre. Es ist vielleicht etwas merkwürdig, wenn man 28 Jahre alt ist und der kühnste Traum schon in Erfüllung gegangen ist. Aber das hat mir die Freiheit für alles andere in meinem Leben gegeben. Alles, was danach kam, war Bonus, Überraschung, Vergnügen. Auf der Bühne im Westend zu stehen, in der Carnegie Hall zu singen, in Hollywood Karriere zu machen. Solche Dinge sind für mich unvorstellbar gewesen. Ich empfinde sie als Geschenk.
Träume können stark sein, aber sie können einen auch erdrücken. Wenn man von etwas träumt, lange darauf hinarbeitet, und dann nimmt der Traum plötzlich Gestalt an, kann das beängstigend wirken. Was wäre, wenn das, wovon man so lange geträumt hat, ein Desaster wird? Wahrscheinlich werde ich nie wieder in meinem Leben so nervös sein wie bei meiner ersten Premiere am National Theatre. Seither versuche ich einfach, den Dingen ihren Lauf zu lassen und zu sehen, wohin sie mich tragen. Ich versuche, mich freizumachen von Dingen, die ich in der Zukunft wollen könnte. Träume können einen auch beschränken: auf die eigene Vorstellungskraft.
Inzwischen träume ich mehr für meine Kinder als für mich selbst. Wir haben sie adoptiert. Das ist etwas, womit sie zurechtkommen müssen. Und ich muss ihnen dabei helfen.
Ich stelle mir vor, wie ihre Zukunft aussieht. Wie sie sein werden, wenn sie 21 Jahre alt sind. Um diese Gedanken festzuhalten, schreibe ich ein Buch für sie, in dem ich zu ihnen spreche, als wären sie erwachsen. Und ich werde es ihnen geben, wenn sie 21 Jahre alt sind. Es geht um ihr Leben, unser Verhältnis, was ich an ihnen liebe, was sie lernen und wie sie sich entwickeln. Ich stelle mir vor, wie sie sein werden, wenn sie durch schwierige Phasen gehen, wie sie unabhängig werden. Meine Frau und ich versuchen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie wissen, dass wir immer für sie da sein werden. Damit sie Vertrauen in sich und die Welt entwickeln.
Urvertrauen. Das ist so etwas wie der Heilige Gral.
Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke
Hugh Jackman, 40, Schauspieler, geboren in Sydney, studierte zunächst Journalismus und wurde dann Schauspieler. International bekannt wurde er durch die Comic-Verfilmung "X-Men". Mit seiner Frau Deborra-Lee Furness hat er zwei Kinder adoptiert. Im Kino ist Jackman derzeit in "Australia" zu sehen. Im Februar 2009 wird er die Oscar-Verleihung moderieren.
Zu hören unter www.zeit.de/audio
- Datum 23.12.2008 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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