Kirche Frohe Botschaften?
Was deutsche Geistliche nach dem Krisenjahr 2008 am Heiligen Abend predigen
Keine himmlische Rettung
»Fürchtet euch nicht« – ist das nicht ein gutes Wort in dieser Zeit? Es ist die Ouvertüre zu Gottes Auftritt auf der Bühne des Menschen. Er ist wie ein ehrlicher Makler oder wie ein ehrbarer Kaufmann, der darauf setzt, dass seine Ware den Kunden überzeugt, wenn er sie geprüft hat. Heiland heute bedeutet, den Spagat zwischen der Gegenwart und der besseren Welt als Herausforderung zu begreifen – im Blick das, was die Engel den Hirten als »große Freude« verkünden. Nehmen wir die Investmentbanker, die selbst ernannten
»masters of the universe«.
Sie hatten geglaubt oder sich und andere glauben gemacht, das Perpetuum mobile gefunden zu haben, den Dukatenesel, vorne mit Heu gefüttert, hinten Dukaten speiend. Eine Mordsgaudi – aber leider nicht die wahre, große Freude. Sie wähnten sich als Herren der Welt und vergaßen, was den wahren Herrn der Welt auszeichnet: das Wissen, dass es die Liebe ist, die die Welt zusammenhält. »Die Einschläge kommen näher«, sagte mir neulich jemand aus dem Umfeld der Autozulieferer. Uns rettet hier kein himmlisches Wesen, Krisen bleiben menschliche Angelegenheiten. Schönreden ist da fehl am Platz. Entscheidend ist, auf welchem Grund man steht.
Alexander von Öttingen,
60, Pfarrer der Evangelischen Erlöserkirche Bad Homburg von der Höhe
Verlassene Nester
Der Stall von Betlehem zählte ganz gewiss nicht zu den Traumimmobilien. Er wird eher eine Bruchbude gewesen sein, eine der ungezählten Arme-Leute-Behausungen dieser Welt. Und: Wer ging schon nach Betlehem?! Die Musik spielte in Jerusalem. Betlehem ist nur ein paar Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Aber es ist eine andere Welt. Heute schrecken Stacheldraht und Straßensperren ab. Touristen verirren sich immer weniger hierher, die Fenster werden zugenagelt, die Geschäfte geschlossen. Damals wird Betlehem kaum attraktiver gewesen sein. Sonst wären die Weisen aus dem Osten, die Könige, nicht schnurstracks nach Jerusalem gegangen, in den Regierungspalast von König Herodes. Zum Stall von Betlehem verirrt sich niemand so schnell. Es gibt zu viele davon, in den heruntergekommenen Vierteln, in den Slums, in den verlassenen Nestern auf dem Land, die schon fast aufgegeben werden, wo es keine Schule mehr gibt und keine Gemeindeschwester und wo der letzte Laden schon lange dichtgemacht hat. Wen zieht es schon nach Betlehem! Gott geht nach Betlehem.
Margot Runge,
45, Pfarrerin an St. Jacobi in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) und Diakoniepfarrerin des Kirchenkreises Eisleben
Factum est
Fakt ist doch, Weihnachten wird gefeiert, weil es Weihnachten gab.
Martin Luther übersetze Mt. 1,18: »Die Geburt Christi war aber also getan.« GOTT tut etwas an uns, darum ist auch zu übersetzen: »Ehre ist GOTT in der Höhe und Friede ist auf Erden.« Wir haben es hier mit einem Nominalsatz zu tun, also widersprich nicht den Engeln, das geht schon grammatikalisch schief. GOTT schafft Tatsachen, Fakten zu Weihnachten und beginnt mit der Zuordnung: Ehre ist GOTTES, also kein Ehrenhain auf Erden, keine Ehrennadeln am Jackett, keine Ehrenformation auf rotem Teppich, keine Ehrenworte weder in Finanzdingen noch Schuldfragen.
Die Ehre ist GOTTES – in der Höhe. Und Friede ist den Menschen auf Erden getan. Eine irreversible Tat GOTTES zu Weihnachten. Weihnachten heißt, diesen Frieden sehen. Sehen, was wir immer suchen, nehmen, wonach wir uns sehnen. Wer den Fakt dieses Friedens sieht, kann nie mehr so tun, als hätte es ihn nicht gegeben, wird glauben, was er singt: »Christ der Retter ist da, und »Christ ist erschienen, uns zu versühnen«.
Factum est.
Frieden ist die Voraussetzung zum Frieden, von IHM ist er getan, das heißt: Waffenexport gehört nicht zu den christlichen Werten. Schäme dich, Deutschland! Deinen Friedensbringer findest du nur ganz unten, ganz draußen, ganz elend, ganz schutzlos. Fakt ist, der Frieden ist in der Welt, zur Ausbreitung braucht er uns , die wir vom
est
des Friedens zu Weihnachten herkommen und diesem
est
die Kraft zur Verwandlung der Erde zutrauen.
Elfriede Begrich,
61, Pröpstin zu Erfurt-Nordhausen
All das Geschwätz
In meiner Predigt wird es um arme Schlucker gehen: um die Hirten aus der Weihnachtsgeschichte, die auf der untersten gesellschaftlichen Stufe standen. Dort kann man heute schnell landen. Aber ich möchte den Menschen nicht den aufgewirbelten Staub, der gerade in der Luft liegt, in die Nase pusten und über die Finanzkrise sinnieren. Vielmehr möchte ich zeigen, wie wichtig Wachsamkeit gerade in so dunkler Zeit ist. Die Hirten waren wachsam in der Dunkelheit – nur deshalb haben sie die Botschaft des Engels wahrgenommen. So wie Gott ihnen durch den Engel begegnet ist, kann er auch uns nur durch die anderen Menschen begegnen, durch jene, die neben uns sind. Dazu braucht es Vertrauen. Die Hirten vertrauen und wagen den Aufbruch. So können sie Gott finden. Die Freude darüber soll an Heiligabend auf die Menschen in meiner Kirche überspringen. Dazu kann die Predigt beitragen – aber sie ist nur ein Teil des Ganzen, der Liturgie. Seit der Reformation wird sie überbewertet, besonders von der evangelischen Kirche. Das geht leider auf Kosten jener wunderbaren Sprache, die unser Reden übersteigt: Symbole, Farben, Gesten, Musik. Das ist eine völlig gleichberechtigte Sprache – neben all unserem Geschwätz.
Jörg-Dietrich Gemkow,
48, Pfarrer der Evangelischen Nikodemus-Kirche Berlin-Neukölln, ausgebildeter Sänger
Wider die Idylle
Und wenn es wieder nicht so war, wie wir es erwartet haben? Von Weihnachten ist nicht viel übrig geblieben außer der Vorstellung, es müsse in irgendeiner Weise um die Familie gehen. Doch die im angeblich so atheistischen Osten Deutschlands religiös überhöhten, idealisierten Bilder einer Heiligen Familie im Stall und unter dem Tannenbaum wecken geradezu Fluchtinstinkte – denn Idyll und Wirklichkeit klaffen alle Jahre wieder auseinander. So kommen in meinen Gottesdienst in der Heiligen Nacht Menschen, die den Heiligen Abend hinter sich haben – in mehrfacher Hinsicht.
Ich möchte ihnen nicht noch einmal das Abziehbild der Heiligen Familie vorhalten. Im Matthäusevangelium wird die Geschichte von der Geburt Jesu mit irritierenden Brechungen erzählt. Aus königlichem, davidischem Geschlecht soll dieses Kind stammen – aber keineswegs aus einer über Generationen makellosen, heiligen Familie. Seine Vorfahren sind Ergebnis einer Vergewaltigung und eines Ehebruchs, sie stammen aus der Beziehung zu einer Prostituierten und einer arrangierten Ehe – von den Spannungen in der Herkunftsfamilie Jesu ganz zu schweigen. Josef trägt sich mit dem Gedanken, seine wie auch immer schwanger gewordene Verlobte stillschweigend zu verlassen. Und steht dann doch zu ihr, weil er im Traum die Stimme eines Engels gehört hat. Ein Vater wider Willen, ein Träumer, aber immerhin einer, der nicht wegläuft! Die Idylle von Vater, Mutter, Kind als Ergebnis höchst irregulärer Lebensläufe. Schurken und Helden, Huren und Heilige sind es, die Gott zur Welt bringen. Davon werde ich erzählen.
Kathrin Oxen,
36, Pastorin der evangelisch-reformierten Kirche in Mecklenburg-Bützow
Gesichter der Armut
Viele Familien, gerade auch bei uns im Ruhrgebiet, feiern dieses Weihnachtsfest in Sorge um ihren Arbeitsplatz, in Sorge um ihre Zukunft. Unsere globalisierte Welt ist in eine Krise geraten. Wir werden uns umstellen müssen: Mancher wird nicht mehr das zur Verfügung haben, was er bisher gewohnt war.
Wir Deutschen haben in den letzten Jahren Großzügigkeit bewiesen. Gerne haben wir von dem abgegeben, was wir haben. Ich bin mir sicher, dass dieser Wille, mit denen zu teilen, die kaum etwas oder nichts haben, ungebrochen ist. Aber viele haben jetzt weniger finanzielle Möglichkeiten, müssen selbst Verzicht üben.
An Weihnachten feiern wir, dass Jesus Christus in unsere Welt gekommen ist, dass Gott uns seinen Sohn geschenkt hat. In den Gesichtern der Armen können wir Jesus Christus wieder erkennen, denn er selbst kam in einem Stall zur Welt.
Unter der Krise unserer globalisierten Welt leiden die Armen in den Ländern des Südens am stärksten. Ich wünsche mir daher, dass wir auch in der Krise die Armen nicht aus dem Blick verlieren und an Weihnachten mit ihnen teilen. Schenken bereitet Freude und bereichert unser Leben. Ich wünsche mir, dass durch dieses Teilen mit den Ärmsten viele Menschen in diesem Sinne bereichert werden.
Felix Genn,
58, ernannter Bischof von
Münster und Vorsitzender der Bischöflichen Aktion Adveniat
Kinder statt Knete
Schutzschirm und Rettungspaket – zwei in den vergangenen Wochen und Monaten viel gebrauchte Begriffe. Die Banken, die Autoindustrie, die Landwirtschaft – sie alle verlangen Geld vom Staat, sie alle fordern einen Schutzschirm. Dabei scheinen mir die in Vergessenheit zu geraten, die wirklich Schutz brauchen: die Kinder. Gerade zu Weihnachten sollten wir uns doch daran erinnern, schließlich ist Gott an Heiligabend selbst Kind geworden. Das Kind von Betlehem ist eine wirkliche Reform. Es braucht den großen Schutzschirm. Manchmal heißt es, Kinder seien ein Armutsrisiko. Das eigentliche Armutsrisiko jedoch ist es, keine Kinder zu haben. Die grassierende Kinderfeindlichkeit führt nicht nur zur Überalterung unserer Gesellschaft, sondern auch dazu, Kinder lediglich als spätere Steuerzahler zu betrachten. Wir müssen den Kindern wieder eine wahrhaft gute Krippe schaffen im Hier und Jetzt – mehr als Wohlstand gehört dazu Fürsorge. Und es gehört dazu, sie vor dem heutigen Optimierungswahn zu schützen. Es kann nicht nur um Leistung, Rankings und Ländervergleiche gehen. Jedes Kind verdient Achtung, Fürsorge und Zeit. Wenn wir dies investieren, wird es sich auszahlen. Das Geheimnis der Erziehung liegt darin, den Schüler zu achten.
Felix Kraus,
63, Kapuzinerpater der Basilika St. Anna und Wallfahrtskustos von Altötting
Brüche im Leben
Allzu lieblich und idyllisch wird sie gern dargestellt, die Heilige Familie: Josef und Maria und das Kind. Dieses Bild erzeugt auch Druck: So perfekt soll es zugehen am Heiligen Abend! Schauen wir genauer hin, sehen wir die Brüche. Josef und Maria müssen sich einlassen auf ein Leben, das sie so nicht geplant haben. Doch sie sind beide »empfänglich«, sind offen dafür, dass anderes, ja Überraschendes geschieht. Die Ausgangslage ist ärmlich, welche Perspektive soll ein Kind haben, das unter diesen Umständen geboren wird? Aber Maria singt ihre Hoffnung geradezu heraus, Josef stellt sich der Herausforderung. Die Hirten schauen vorbei, wie es steht um dieses Kind, – wir könnten sie als aufmerksame Nachbarn sehen, nicht unbedingt die Elite des Landes, aber mit wachem Auge. Und die drei Weisen, von denen Matthäus berichtet, sie sorgen für eine nachhaltige Ausstattung, ja eine Art Stipendium. Vielleicht ist das die zentrale Lektion: Gott kommt in eine nicht perfekte, vorläufige Welt, in der wir durch das Gotteskind Jesus ermutigt werden, nach unseren Möglichkeiten zu handeln. Gottvertrauen und der Blick auf das Miteinander sind die beste Grundhaltung auch mit Blick auf Brüche im Leben, angesagte Krisen und nicht vorhergesehene Umstände. Mich berührt, wie dieses Gottvertrauen aus der Krippenszene herausstrahlt bis heute.
Margot Käßmann,
50, Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover
Raum für Gott
In keinem Krippenspiel darf sie fehlen, die Herbergssuche von Maria und Josef in Bethlehem. Dabei steht von dieser Herbergssuche nichts in der Weihnachtsgeschichte. Aber sie gehört zum Geschehen Weihnachten wie die Engel, die Hirten und die drei Weisen aus dem Morgenland, die man in späterer Zeit mit einer königlichen Aura umgab. Zeichenhaft wird uns in den einzelnen Überlieferungen gesagt, Gott kommt uns Menschen ganz nahe. Gott will Raum bei uns finden, in unserem Leben, in unserem Alltag, in den täglichen Herausforderungen, die sich uns stellen. Dabei werden wir angefragt, ob Schwache Herberge und Geborgenheit bei uns finden. Wir werden angefragt, ob Fremde und Heimatlose bei uns Heimat finden. Wir werden angefragt, wie wir es mit den Mächtigen dieser Welt halten. Und wir werden angefragt, wie wir es mit dem Gottessohn, mit Gott selbst, halten. Fand der Sohn Gottes damals nur wenig Raum bei den Menschen, außer in einer Krippe, werden wir zu bedenken haben, ob Gott Raum bei uns findet. Weihnachten fordert uns heraus. Gott fordert uns heraus. Sein Raum muß ja nicht gleich eine Kathedrale sein, ein bescheidenes Dasein bei uns würde ihm wohl reichen, damit uns sein Wort erreicht, das Wort von seiner Liebe zu allen Menschen.
Klaus-Dieter Niedorff
, 64, Pastor auf der Hallig Hooge
Falsche Bilder
Wenn wir hören: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging...”, dann entsteht ein Bild vor unseren Augen: Der Stall, die Krippe, Maria und Josef, Hirten und Engel. Ich möchte unsere Bilder, die sich so selbstverständlich einstellen, hinterfragen. Es ist ja richtig: Der Evangelist Lukas erzählt in Bildern. Wie Josef unterwegs ist „mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger”, wie die Hirten eilend aufgebrochen sind, weil sie die Klarheit des Herrn geschaut haben. Die Krippe mit dem Kind, in Windeln gewickelt. Doch was geschah, als die Hirten an der Krippe eintrafen, wird nicht erzählt. Gerade die Szene, die wir alle vor Augen zu haben meinen, beschreibt Lukas nicht. Ob die Hirten das Kind angebetet oder Geschenke gebracht haben? Lukas lässt uns allein mit unseren Bildern. Es gibt für das Zentrum von Weihnachten kein
richtiges
Bild. Es gibt kein eindeutiges Bild von der Begegnung mit dem Göttlichen. Für das rechte Verhalten bekommen wir kein Vorbild. Schon an der Krippe sind wir gefordert, unsere eigenen Bilder immer wieder zu überprüfen. Sind wir bereit, uns auf diesen Gott einzulassen, der unsere Erwartungen und Bilder derart auf die Probe stellt?
Matthias Krämer
, 44, Pastor auf der Hallig Langeneß
Zusammengestellt von
Kati Thielitz
- Datum 23.12.2008 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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Das Weihnachtsfest ist Ausdruck einer nachträglichen Heiligungs-Symbolik zur Vergöttlichung eines hochmoralischen, bewusst kinderlosen(!), Weltuntergangs-Propheten, dessen Weltuntergansvorstellungen sogar hochakut waren, in diesem Aspekt sogar überzogen.
Hier nun aber der alljährliche Versuch, mit der Feier seiner Geburt, die Geburt von Kindern, die Gründung von Familien (heute, entgegen den zu Jesu Zeit geltenden jüdischen Moralvorstellungen, nun offenbar auch von außerfamiliär gezeugten Kindern) zu verbinden, und dies bisweilen, ja meist, im Sinne der Begrüßung der Fortsetzung des Lebens, der - irdischen!- Zukunft zu feiern, wie dies auch bei heidnischen Fruchtbarkeitsfesten der Fall war. Eigentlich ist dies ja ein Ding der Unmögichkeit, erinnert dies an die Vereinigung von Feuer und Wasser, keineswegs kann dies auf Dauer glaubhaft möglich sein, weil ja nur eines wirklich stimmen kann: Entweder kommt es zum Welt- bzw. Menschheitsuntergang in absehbarer Zeit, oder es kommt zur stete Weitergabe der menschlichen Gene bis zum kosmischen Geht-Nicht-Mehr oder gar für immer und ewig - und Jesus hätte sich in seiner zentralen Botschaft bzw. weltanschaulichen Positionierung also geirrt!
Weil man den Weltuntergangs-Propheten nun zu dem neuen Gott machen wollte, weil man auch gesehen hatte, dass die Welt ja doch nicht akut untergegangen war, und weil man möglichst erfolgreich sein wollte, wegen der hohen Moral, da hat man in den Evangelien wohl versucht, die Göttlichkeit dieses Jesus schon bei seiner Abstammung klarzumachen - Gott, der Vater, hat ihn selbst gezeugt, also kein Mensch, das ist einer, dem man unbedingt glauben muss! Bei seinem Lebensende ist bzw. war es dann ähnlich - er kommt nochmal kurz als Lebender zurück aus einem nichtspürbaren Reich, obwohl er eigentlich ja schon gestorben war! Wie das? Das muss also wirklich selbst ein Gott, ein Gottessohn sein, dieser Jesus - und es muss auch wirklich eine andere Welt geben, außerhalb der unsrigen, und überhaupt einen allmächtigen Gott. Das war sozusagen der absoluten Gottes(sohn)-Beweis.
Entscheidend für die christliche Weltsicht kann hier dann aber dennoch nicht die Gottessohnschaft als solche sein, auch nicht das Postulat des Reiches Gottes, sondern es muss bzw. kann dies doch nur die Weltsicht, die Welterfahrung, die Botschaft dieses Menschen oder eben des Gottessohns Jesus sein. Und das war und ist nun eben vor allem die Weltuntergangsbotschaft verbunden mit dem Vorleben der bewussten Kinderlosigkeit aus diesem Grunde. Hinzu kommt hier dann noch die - dennoch - hohe Moralität, die sich hier daraus begründet, dass wir alle in eine schönes Nachlebens-Kapitel übergehen sollen und wollen - ja, das ist, bei "Gott" wohlgefälligem Lebenswandel aber nur, dann auch uns garantiert. Und sicher: Wer nichts Böses getan hat, muss auch - und dies für alle Zeiten - kein schlechtes Gewissen haben, gegenüber einem anderen, gegenüber einem postulierten (ewigen) Menschheits-Gewissen. Es kann und wird nur dann niemals jemanden geben, der einem ein solches machen kann! Hier zeigt sich, wenn man es unverschleiert, also modern, sieht, unsere hohe Selbstreflexivität und Moralität, alle die dieses freiwillig(!) akzeptieren, die dieses Gottesmodell hochhalten, die haben - von sich aus - eine hohe Moral! Die modernen Gesellschaften, die nur funktionieren können, wenn man sich an viele Regeln hält, die konnten nur mit einer solch hohen Moral funktionieren. Wenn die Herrschenden sich dieser Moral verpflichtet fühlen, und diese zur herrschenden Moral machen, dann kann man andere so sogar dazu zwingen - was irgendwo allerdings die Moral verletzt, wozu man dann halt auch Gewalt nutzte - und missbrauchte...!
Erst wenn ein jeder sich völlig freiwillig an diese Moral hält, dann haben wir soetwas wie das "Himmelreich auf Erden". Dies aber eben nur für eine kurze Zeit - da wir dann ja eben alle kinderlos sind.
Ein wirklicher Christ bzw. "Nachfolger" Jesu, kann also kaum das gewöhnliche Weihnachten feiern, weil bzw. wenn hier - wie dies allgemein üblich ist - die Kinderfreundlichkeit und Fertilität völlig unkritisch(!) ein wenn nicht gar der zentrale Teil des Festes ist. Nur Kindern, die später letztlich wie Jesus denken und fühlen werden (und können), könnte man hier feierlich die Zustimmung geben.
Jesus hat nicht gesagt: Feiert Weihnachten und feiert Eure Fruchtbarkeit, die "diese Welt" ja im Sinne des Wortes am Laufen hält - er sagte hingegen: Das Ende ist nahe, und: Mein Reich ist nicht von dieser Welt! Ein wahrer Christ wird also vor allem die weltanschaulich bewusste Kinderlosigkeit feiern, und in der Geburt Jesu eher etwas Nebensächliches sehen, dies nicht zum Anlass eines Personenkultes machen - entscheidend war und ist sein Vorbild und seine Botschaft, nicht sein Geburtstag.
Man muss die Kinderlosigkeit nun eben nicht feiern, Jesus hat ja auch nicht gesagt, das wäre ja pervers, dass der Welt- bzw. Menschheitsuntergang, oder seine Kinderlosigkeit, nun etwas schönes wäre, etwas, was man feiern soll. Insofern ist die Zeit des Jahres- bzw. Wintersonnenwechsels für Christen vor allem Zeit zur Ruhe und zum Nachdenken, zur Besinnung. (Wo man sich, wie auch bei Gedanken zum Menschheits-Ende, wohl mit vielen "Nichtchristen" trifft.)
Das sei hier noch ergänzt. Auch Jesus war ja ein Kinderfreund, nicht etwa ein Kinderfeind, nur hat er andere eben nicht zur Kinderzeugung stimuliert, sondern, wenn schon, zur Kinderlosigkeit.
Wenn ein Mensch heute also meint, dass das Ende der Welt kurz bevorstehen würde, so wird er sich selbst bewusst keine Kinder anschaffen, gleichwohl kann und wird er zu den Kindern (der anderen dann also) sehr freundlich sein, da diese ja Schicksalsgenossen sind, die den ja eben auch unschönen Prozess des Weltendes mit erleben werden bzw. müssen. Ein heidnisches Weihnachten im Sinne einer Kinderzeugungsstimulation, a la "Ihr Kinderlein kommet, wer abtreibt fliegt raus...", - so schein dies auch ist - wird - bzw. kann - er aber eben - leider - nicht mit feiern.
PS:
Ein Wort auch zum 3. Kommentar:
Ja, auch die Kirchen sind heute in einer massiven Krise, da sie letztlich (abgesehen von Sekten wie den Zeugen Jehovas) immer auch mit dem Zeitgeist mitgeschwommen sind, was, allerdings, sicher menschlich ist. Sie eiern (fast!) immer um den heißen Brei, den Menschheits-Untergang, herum, vor allem in den Predigten.
Auch Bush ist ja immerhin ein Christ mit mehreren Kindern..., und er wollte so vielleicht die Zukunft seiner Kinder, also evtl. Enkelkinder, unterstützen, auf Kosten der Kinder anderer, irakischer z.B., vielleicht.
Zurück aber zur Problematik der Nichtvorhersage des Weltuntergangs durch die (großen) Kirche(n). Da man sich hier in der Vergangenheit sooft geirrt hatte, (bis hin zur christlichen Zentralgestalt Jesus selbst), unterlässt man jetzt bzw. seit Jahrhunderten gleich jede Positionierung, da man so wenigstens nichts falsch machen kann. Man riskiert so dann aber, in der Zeit, wo er dann doch kommt, nicht auf der Höhe der Zeit zu sein - man riskiert damit aber die fehlende Orientierungsgabe in einer Zeit, wo sie am meisten gesucht wird, und man hat seine zentrale Botschaft verkümmern lassen...! Eigentlich müsste man dann ja wenigstens den Grund dieser Zurückhaltung offen und immer wieder kommunizieren, man kann ja ruhig sagen, dass es einem schwer fällt, den genauen Zeitpunkt zu benennen, dass es aber schon so manchen ernsthaften Hinweis auch für "Zersetzungser-scheinungen" gibt, darunter auch die, die Sie hier aufgeführt haben - und dass es an der Grundaussage nichts zur rütteln gibt! Nichtmal dies tut man heute aber offen. Stattdessen redet man öfters, wie die weltlichen Politiker, von der "Sicherung der Zukunft" - und meint damit - wie diese - die irdische!!! Die Kirche hat sich heute von Jesus so weit entfernt, dass man sie von heidnischen, nichtchristlichen Religionen bzw. Welt- und Selbstanschauungen manchmal nicht absolut sicher unterscheiden kann. Da steht man dann auch Kriegen von halben oder angeblichen Glaubensfreunden (oder christlichen Nationen) wie dem von Herrn Bush (oder den USA u. der NATO) eher ratlos oder relativ hilflos gegenüber. Aber gut, am Ende aller Tag ist halt auch die Kirche am Ende, Jesus hat ja schließlich auch nicht gesagt dass wir Kirchen gründen sollen, undeben sicher, wer geht schon gern bewusst unter...
Das sei hier noch ergänzt. Auch Jesus war ja ein Kinderfreund, nicht etwa ein Kinderfeind, nur hat er andere eben nicht zur Kinderzeugung stimuliert, sondern, wenn schon, zur Kinderlosigkeit.
Wenn ein Mensch heute also meint, dass das Ende der Welt kurz bevorstehen würde, so wird er sich selbst bewusst keine Kinder anschaffen, gleichwohl kann und wird er zu den Kindern (der anderen dann also) sehr freundlich sein, da diese ja Schicksalsgenossen sind, die den ja eben auch unschönen Prozess des Weltendes mit erleben werden bzw. müssen. Ein heidnisches Weihnachten im Sinne einer Kinderzeugungsstimulation, a la "Ihr Kinderlein kommet, wer abtreibt fliegt raus...", - so schein dies auch ist - wird - bzw. kann - er aber eben - leider - nicht mit feiern.
PS:
Ein Wort auch zum 3. Kommentar:
Ja, auch die Kirchen sind heute in einer massiven Krise, da sie letztlich (abgesehen von Sekten wie den Zeugen Jehovas) immer auch mit dem Zeitgeist mitgeschwommen sind, was, allerdings, sicher menschlich ist. Sie eiern (fast!) immer um den heißen Brei, den Menschheits-Untergang, herum, vor allem in den Predigten.
Auch Bush ist ja immerhin ein Christ mit mehreren Kindern..., und er wollte so vielleicht die Zukunft seiner Kinder, also evtl. Enkelkinder, unterstützen, auf Kosten der Kinder anderer, irakischer z.B., vielleicht.
Zurück aber zur Problematik der Nichtvorhersage des Weltuntergangs durch die (großen) Kirche(n). Da man sich hier in der Vergangenheit sooft geirrt hatte, (bis hin zur christlichen Zentralgestalt Jesus selbst), unterlässt man jetzt bzw. seit Jahrhunderten gleich jede Positionierung, da man so wenigstens nichts falsch machen kann. Man riskiert so dann aber, in der Zeit, wo er dann doch kommt, nicht auf der Höhe der Zeit zu sein - man riskiert damit aber die fehlende Orientierungsgabe in einer Zeit, wo sie am meisten gesucht wird, und man hat seine zentrale Botschaft verkümmern lassen...! Eigentlich müsste man dann ja wenigstens den Grund dieser Zurückhaltung offen und immer wieder kommunizieren, man kann ja ruhig sagen, dass es einem schwer fällt, den genauen Zeitpunkt zu benennen, dass es aber schon so manchen ernsthaften Hinweis auch für "Zersetzungser-scheinungen" gibt, darunter auch die, die Sie hier aufgeführt haben - und dass es an der Grundaussage nichts zur rütteln gibt! Nichtmal dies tut man heute aber offen. Stattdessen redet man öfters, wie die weltlichen Politiker, von der "Sicherung der Zukunft" - und meint damit - wie diese - die irdische!!! Die Kirche hat sich heute von Jesus so weit entfernt, dass man sie von heidnischen, nichtchristlichen Religionen bzw. Welt- und Selbstanschauungen manchmal nicht absolut sicher unterscheiden kann. Da steht man dann auch Kriegen von halben oder angeblichen Glaubensfreunden (oder christlichen Nationen) wie dem von Herrn Bush (oder den USA u. der NATO) eher ratlos oder relativ hilflos gegenüber. Aber gut, am Ende aller Tag ist halt auch die Kirche am Ende, Jesus hat ja schließlich auch nicht gesagt dass wir Kirchen gründen sollen, undeben sicher, wer geht schon gern bewusst unter...
Ja - was sollen die Kirchen auch sonst sagen? Seit je her hingen sie am Tropf derjenigen, die etwas hatten. Seit je her konnten sie nicht das Wort erheben, bedeutete doch dies im schlimmsten Fall das Versiegen der Geldquellen. Heute kann von der Kanzel aus bestenfalls symbolisch gemahnt werden - und auch das ist schwieriger denn je. All zu schmerzlich wurde vielen streng Gläubigen klar, dass auf der anderen Seite des großen Teiches ein Noch-Präsident sitzt, der sich selbst immer gern als ein sehr gottesfürchtiger Mann gab. Im Namen Gottes hat er Kriege geführt - und sie allesamt verloren - und im Namen Gottes hat er Grundvoraussetzungen für die Finanzkatastrophe geschaffen. Im Namen Gottes hat er barmherzige Institutionen, wie Waterboarding, Gefangenenflüge in Folterstaaten und das Lager Guantanamo-Bay geschaffen. Er verstand sich als Mann Gottes, der ganz viel bete - am Ende seiner Amtszeit hat er Milliarden Menschen um Arbeit, Lohn, Brot und Vermögen gebracht.
Angesichts einer solch verheerenden Bilanz ist es für die Kirchen schwer, sich von einem so gottesfürchtigen Menschen und dem, was er angerichtet hat, zu distanzieren. Und in all der Unübersichtlichkeit bleibt man dann doch lieber beim altbekannten Bla-Bla.
Das sei hier noch ergänzt. Auch Jesus war ja ein Kinderfreund, nicht etwa ein Kinderfeind, nur hat er andere eben nicht zur Kinderzeugung stimuliert, sondern, wenn schon, zur Kinderlosigkeit.
Wenn ein Mensch heute also meint, dass das Ende der Welt kurz bevorstehen würde, so wird er sich selbst bewusst keine Kinder anschaffen, gleichwohl kann und wird er zu den Kindern (der anderen dann also) sehr freundlich sein, da diese ja Schicksalsgenossen sind, die den ja eben auch unschönen Prozess des Weltendes mit erleben werden bzw. müssen. Ein heidnisches Weihnachten im Sinne einer Kinderzeugungsstimulation, a la "Ihr Kinderlein kommet, wer abtreibt fliegt raus...", - so schein dies auch ist - wird - bzw. kann - er aber eben - leider - nicht mit feiern.
PS:
Ein Wort auch zum 3. Kommentar:
Ja, auch die Kirchen sind heute in einer massiven Krise, da sie letztlich (abgesehen von Sekten wie den Zeugen Jehovas) immer auch mit dem Zeitgeist mitgeschwommen sind, was, allerdings, sicher menschlich ist. Sie eiern (fast!) immer um den heißen Brei, den Menschheits-Untergang, herum, vor allem in den Predigten.
Auch Bush ist ja immerhin ein Christ mit mehreren Kindern..., und er wollte so vielleicht die Zukunft seiner Kinder, also evtl. Enkelkinder, unterstützen, auf Kosten der Kinder anderer, irakischer z.B., vielleicht.
Zurück aber zur Problematik der Nichtvorhersage des Weltuntergangs durch die (großen) Kirche(n). Da man sich hier in der Vergangenheit sooft geirrt hatte, (bis hin zur christlichen Zentralgestalt Jesus selbst), unterlässt man jetzt bzw. seit Jahrhunderten gleich jede Positionierung, da man so wenigstens nichts falsch machen kann. Man riskiert so dann aber, in der Zeit, wo er dann doch kommt, nicht auf der Höhe der Zeit zu sein - man riskiert damit aber die fehlende Orientierungsgabe in einer Zeit, wo sie am meisten gesucht wird, und man hat seine zentrale Botschaft verkümmern lassen...! Eigentlich müsste man dann ja wenigstens den Grund dieser Zurückhaltung offen und immer wieder kommunizieren, man kann ja ruhig sagen, dass es einem schwer fällt, den genauen Zeitpunkt zu benennen, dass es aber schon so manchen ernsthaften Hinweis auch für "Zersetzungser-scheinungen" gibt, darunter auch die, die Sie hier aufgeführt haben - und dass es an der Grundaussage nichts zur rütteln gibt! Nichtmal dies tut man heute aber offen. Stattdessen redet man öfters, wie die weltlichen Politiker, von der "Sicherung der Zukunft" - und meint damit - wie diese - die irdische!!! Die Kirche hat sich heute von Jesus so weit entfernt, dass man sie von heidnischen, nichtchristlichen Religionen bzw. Welt- und Selbstanschauungen manchmal nicht absolut sicher unterscheiden kann. Da steht man dann auch Kriegen von halben oder angeblichen Glaubensfreunden (oder christlichen Nationen) wie dem von Herrn Bush (oder den USA u. der NATO) eher ratlos oder relativ hilflos gegenüber. Aber gut, am Ende aller Tag ist halt auch die Kirche am Ende, Jesus hat ja schließlich auch nicht gesagt dass wir Kirchen gründen sollen, undeben sicher, wer geht schon gern bewusst unter...
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