Mission »Augustina Christin ist«
Im 19. Jahrhundert wurden viele hundert »Heidenkinder« aus der Sklaverei freigekauft und in europäische Klöster verschleppt. Die meisten von ihnen gingen dort elendig zugrunde

© Ute Küppers-Braun/Archiv der Ursulinen in Klagenfurt
Das Foto, das wohl um das Jahr 1857 entstanden ist, zeigt die Mutter Oberin Constanzia Gayer im Kloster der Ursulinen zu Klagenfurt im Kreise einiger freigekaufter Mädchen aus Afrika
Sie war »mit Stricken und Ketten gefesselt, sogar an den Füßen aufgehangen, was ihr viel Bluten aus Mund und Nase verursachte«. Sie wurde »mit Füßen auf die Rippen angestoßen und getreten und öfters am Laibe gebrannt. Die Spuren dieser Mißhandlungen sind noch an ihrem Körper sichtbar und verbürgen die Wahrheit dieser Erzählung.« So beschreibt der Beichtvater der Englischen Fräulein im bayerischen Burghausen in einem Brief vom 30. August 1858 das Schicksal des achtjährigen Sklavenmädchens Marietta aus Darfur.
Mariettas Los teilten noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts Abertausende – Kinder, junge Frauen, junge Männer. Obwohl die sogenannten Abolitionisten seit dem späten 18. Jahrhundert für die Abschaffung des Sklavenhandels kämpften, blieb der Erfolg mäßig. Zwar stellten die Ideale der 1789 verkündeten Menschen- und Bürgerrechte jede Art von Sklaverei, nicht zuletzt in Gestalt der bäuerlichen Leibeigenschaft, grundsätzlich infrage. Zwar hatten sich seither etliche europäische Staaten offiziell aus dem Menschenhandel zurückgezogen. Dennoch blieben die Jagd vor allem auf Afrikaner und der Weiterverkauf der »Beute« innerhalb des Osmanischen Reiches, nach Süd- und (bis 1865) auch nach Nordamerika ein lukratives Geschäft.
Es muss damals zu unvorstellbar grausamen Szenen gekommen sein. So berichtete der württembergische Afrikaforscher Theodor Heuglin, der in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts den Sudan und Äthiopien bereiste, allein im April 1863 seien im Sudan 2000 Schwarze, darunter viele Mädchen, Opfer der schamlosesten Brutalitäten geworden.
Solche »Beutekinder« wurden auf Sklavenmärkten in Kairo, Alexandria oder Khartoum verkauft: 100 Taler ein Sklave, 200 Taler eine »Negerin«, 1000 Taler ein Eunuche. Mädchen, so lesen wir in einer anderen Quelle, standen im Preis höher als Jungen – »aus Gründen, die wir besser verschweigen«.
Mitglieder des Vereins für arme Negerkinder erhalten den Ablass
Die katholische Kirche war nicht gerade eine Vorkämpferin gegen den Menschenhandel gewesen. Im Gegenteil: Im 15. Jahrhundert hatte der Papst seinen Segen zum portugiesischen Sklavengeschäft gegeben, und erst 1838 verbot der Kirchenstaat per Gesetz die Sklaverei. Jetzt ging es um die Seelen der »Neger«. Afrika wurde zum Ziel einer umfassenden Missionierungskampagne – nicht nur der Katholiken. Überall in der christlichen Welt machten sich Geistliche auf, um den »schwarzen Heiden« die frohe Botschaft des Christentums und die europäische Zivilisation zu bringen. Sie wurden unterstützt durch eine Reihe von Laienvereinen, die sich zur Verbreitung des Glaubens seit den 1820er Jahren konstituiert hatten.
Doch schnell musste man erkennen, dass Afrika für die weißen Gottesmänner »Todesland« war. Immer wieder wurden sie Opfer unbekannter Krankheiten, immer wieder wurde ihnen handgreiflich klargemacht, dass man nichts von ihren Götzen wissen wollte, immer wieder auch gerieten sie mit den Sklavenhändlern in brutale Konflikte. Es galt, nach anderen Wegen der Mission zu suchen. Deswegen gründete der italienische Priester Nicola Mazza im Jahre 1849 in Verona sein Afrika-Institut, dem 1854 in Neapel das Collegio dei moretti, das »Mohrenkolleg«, folgte. Hier sollten Jungen, die man für geeignet hielt und auf den Sklavenmärkten loskaufte, zu Priestern ausgebildet werden, um später als »schwarze Apostel« in ihre Heimat zurückzukehren. Seit 1859 war in Neapel das Istituto Stimatino für Mädchen angeschlossen.
- Datum 13.05.2009 - 13:59 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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"oh gott" ist so ziemlich das einzige was mir als kommentar zu diesem artikel einfällt....
Dass die Kirche viel Blut vergossen und viele Leben auf dem Gewissen hat weiß man ja, aber das habe ich (als leider nicht besonders geschichtsbewanderter Mensch) noch nicht gewusst.
Danke an die Zeit und die Autorin für einen weiteren Schritt Aufklärung
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