Sie war »mit Stricken und Ketten gefesselt, sogar an den Füßen aufgehangen, was ihr viel Bluten aus Mund und Nase verursachte«. Sie wurde »mit Füßen auf die Rippen angestoßen und getreten und öfters am Laibe gebrannt. Die Spuren dieser Mißhandlungen sind noch an ihrem Körper sichtbar und verbürgen die Wahrheit dieser Erzählung.« So beschreibt der Beichtvater der Englischen Fräulein im bayerischen Burghausen in einem Brief vom 30. August 1858 das Schicksal des achtjährigen Sklavenmädchens Marietta aus Darfur.

Mariettas Los teilten noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts Abertausende – Kinder, junge Frauen, junge Männer. Obwohl die sogenannten Abolitionisten seit dem späten 18. Jahrhundert für die Abschaffung des Sklavenhandels kämpften, blieb der Erfolg mäßig. Zwar stellten die Ideale der 1789 verkündeten Menschen- und Bürgerrechte jede Art von Sklaverei, nicht zuletzt in Gestalt der bäuerlichen Leibeigenschaft, grundsätzlich infrage. Zwar hatten sich seither etliche europäische Staaten offiziell aus dem Menschenhandel zurückgezogen. Dennoch blieben die Jagd vor allem auf Afrikaner und der Weiterverkauf der »Beute« innerhalb des Osmanischen Reiches, nach Süd- und (bis 1865) auch nach Nordamerika ein lukratives Geschäft.

Es muss damals zu unvorstellbar grausamen Szenen gekommen sein. So berichtete der württembergische Afrikaforscher Theodor Heuglin, der in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts den Sudan und Äthiopien bereiste, allein im April 1863 seien im Sudan 2000 Schwarze, darunter viele Mädchen, Opfer der schamlosesten Brutalitäten geworden.

Solche »Beutekinder« wurden auf Sklavenmärkten in Kairo, Alexandria oder Khartoum verkauft: 100 Taler ein Sklave, 200 Taler eine »Negerin«, 1000 Taler ein Eunuche. Mädchen, so lesen wir in einer anderen Quelle, standen im Preis höher als Jungen – »aus Gründen, die wir besser verschweigen«.

Mitglieder des Vereins für arme Negerkinder erhalten den Ablass

Die katholische Kirche war nicht gerade eine Vorkämpferin gegen den Menschenhandel gewesen. Im Gegenteil: Im 15. Jahrhundert hatte der Papst seinen Segen zum portugiesischen Sklavengeschäft gegeben, und erst 1838 verbot der Kirchenstaat per Gesetz die Sklaverei. Jetzt ging es um die Seelen der »Neger«. Afrika wurde zum Ziel einer umfassenden Missionierungskampagne – nicht nur der Katholiken. Überall in der christlichen Welt machten sich Geistliche auf, um den »schwarzen Heiden« die frohe Botschaft des Christentums und die europäische Zivilisation zu bringen. Sie wurden unterstützt durch eine Reihe von Laienvereinen, die sich zur Verbreitung des Glaubens seit den 1820er Jahren konstituiert hatten.

Doch schnell musste man erkennen, dass Afrika für die weißen Gottesmänner »Todesland« war. Immer wieder wurden sie Opfer unbekannter Krankheiten, immer wieder wurde ihnen handgreiflich klargemacht, dass man nichts von ihren Götzen wissen wollte, immer wieder auch gerieten sie mit den Sklavenhändlern in brutale Konflikte. Es galt, nach anderen Wegen der Mission zu suchen. Deswegen gründete der italienische Priester Nicola Mazza im Jahre 1849 in Verona sein Afrika-Institut, dem 1854 in Neapel das Collegio dei moretti, das »Mohrenkolleg«, folgte. Hier sollten Jungen, die man für geeignet hielt und auf den Sklavenmärkten loskaufte, zu Priestern ausgebildet werden, um später als »schwarze Apostel« in ihre Heimat zurückzukehren. Seit 1859 war in Neapel das Istituto Stimatino für Mädchen angeschlossen.

Einen eigenen Weg schlug dann der italienische Priester Niccolò Olivieri ein, indem er Hunderte von Kindern auf den ägyptischen Märkten freikaufte, um sie in europäischen Klöstern erziehen zu lassen. Bis ins hohe Alter unternahm er mindestens dreißig Reisen nach Ägypten. Das körperliche Leid der Kinder berührte ihn allerdings weniger als die Tatsache, dass sie noch nicht getauft waren.

Olivieri stammte aus einer wohlhabenden Familie. 1792 in Voltaggio bei Genua geboren und streng christlich erzogen, studierte er Theologie und arbeitete viele Jahre lang als Beichtvater für Galeerensträflinge. Im Jahre 1838 »fühlte er« – so heißt es in einem Nachruf auf ihn 1864 – »ein heftiges Verlangen in sich aufsteigen, sich einen Negerknaben kaufen zu lassen, ihn dann zu erziehen und Sorge zu tragen, daß er gerettet werde«.

Nach vielen vergeblichen Anläufen ging sein Wunsch in Erfüllung, als ein Kaufmann aus Genua ihm einen kleinen schwarzen Jungen aus Ägypten mitbrachte. Von Olivieri unterrichtet und getauft, studierte der Jüngling Theologie, wurde 1852 zum Priester geweiht, zum Doktor der Theologie promoviert – und ging als Missionar nach Guinea.

Durch diesen Erfolg fühlte sich Olivieri in seinen Plänen bestätigt. Er sammelte Geld, um immer mehr Kinder zu kaufen, auch solche, die später als Erwachsene kaum als Missionare tätig werden konnten. Schließlich ging es ihm vor allem darum, »Seelen zu retten«, und »für den Preis eines gesunden Kindes [konnte er] oft zwei oder drei gebrechliche« erwerben.

Kaum war dieses Projekt bekannt geworden, erhielt er von allen Seiten in Europa ideellen und finanziellen Zuspruch. Einer seiner wichtigsten Helfer wurde der 1852 in Köln gegründete »Verein zur Unterstützung der armen Negerkinder«, der im gesamten deutschsprachigen Raum Spenden sammelte. Papst Pius IX. versprach im April 1853 allen Mitgliedern dieses Vereins einen vollkommenen Ablass in der Stunde ihres Todes.

Der Freikauf von »Heidenkindern« an sich war nichts Ungewöhnliches; allenfalls die große Zahl der Freigekauften war neu. Seit dem 13. Jahrhundert liegen Berichte vor, dass christliche Missionare immer wieder versucht haben, über die Kinder der »Heidenvölker« ihren Glauben zu verbreiten. Für Afrika setzt der britische Historiker Charles R. Boxer den frühesten Fall 1444 an, als »a kidnapped black boy« den Franziskanern zur Erziehung übergeben wurde.

Meist beließ man diese Kinder in ihrem vertrauten Sprach- und Kulturkreis. Niccolò Olivieri dagegen war der Erste, der afrikanische Kinder, vor allem Mädchen, weit über Europa verteilt in nahezu hundert Frauenklöstern und -kongregationen unterrichten lassen wollte. Die Erziehung in der Familie lehnte er ab, weil diese »armen Geschöpfe [] der sorgfältigsten Pflege [bedürfen]« und zu befürchten sei, »daß sie durch das böse Beispiel der Hausbewohner verdorben würden«.

Erste Anlaufstellen waren Klöster in Marseille, Angers, Toulon, Lyon, Grenoble, Nizza, Neapel, Arco und Padua. Ins heutige Österreich und nach Deutschland brachte Olivieri die Mädchen erst seit Mitte der 1850er Jahre. Der Kontakt war wohl durch den Münchner Hofkaplan und Geschäftsführer des Ludwig-Missionsvereins Josef Ferdinand Müller zustande gekommen. Müller handelte bei dem »Loskauf der Negermädchen« als Privatmann. Das Passauer Ordinariat distanzierte sich von diesem Projekt. Dort übernahm man offiziell keinerlei Verantwortung, wollte aber über die Entwicklung der Kinder regelmäßig informiert werden.

Kurz vor Ankunft der ersten Mädchen in Bayern im Juni 1855 berichtete Müller der Oberin des Dominikanerinnenklosters in Regensburg: »Seit 4 Jahren habe ich Negermädchen bestellt, die ich loskaufen ließ; aber immer wartete ich vergebens auf sie. Vor 8 Tagen kam nun Olivieri selbst nach München u. brachte mir die Botschaft, daß er mir jetzt 30 Mädchen bringen könne u. 3 Mütter. Ich nahm die Hälfte u. ließ sie nun in den Frauenklöstern unterbringen.« Wie diese Sätze zeigen, unterscheidet sich die Sprache des »Retters« Müller kaum von der eines Sklavenhändlers.

Mancher mag noch die »Nickneger« genannten Spendendosen kennen und die kleinen bunten Zettel, die damit warben, es sei das »größte Unglück«, dass »alle diese Kleinen ungetauft bleiben«. Die Taufe von »Neger- und Heidenkindern« wurde in der Tat bis weit ins 20. Jahrhundert hinein propagiert, um ihnen die »Wohltaten« der christlichen Botschaft zu bringen. Zu diesem Zweck rührten nahezu alle katholischen Zeitungen und Zeitschriften die Werbetrommel – und die protestantischen: Freigekaufte »Heidenkinder« gab es später auch im Missionshaus in Bethel bei Bielefeld und in ähnlichen Einrichtungen in England.

Olivieri zeigte sich unermüdlich. 1855 hatte er 316 Kinder, davon 300 Mädchen, freigekauft; im Mai 1859 waren es schon knapp 600 Kinder (540 Mädchen, 50 Jungen) und bis zu seinem Tod – im Oktober 1864 – sogar 810. In der Beilage der Augsburger Postzeitung vom Dezember 1855 heißt es, die »Negermädchen« seien »sehr talentvoll und der Ausbildung vollkommen fähig []. So wild und unkundig, so zornig und eifersüchtig sie anfangs waren«, so gelassen, folgsam, ruhig, artig, fleißig und lernbegierig seien sie inzwischen geworden. Diese »ganz verwilderten und [] vernachlässigten Geschöpfe« könnten jetzt schon »sehr gut lesen«, hätten eine »anerkennenswerthe« schöne Handschrift, könnten den kleinen Katechismus bereits zur Hälfte auswendig und hätten »im Stricken, Häckeln und Nähen manche Probe vom guten Geschicke abgelegt«. Die sechsjährige Gadamcher sei »sehr gutwillig, fleißig, gehorsam, und jetzt eben so ernst und gesetzt, als sie bei und nach ihrer Ankunft kindisch war. Die Puppen liegen nun in guter Ruhe.«

Da einzelne »Wohlthäter« zu wissen wünschten, »wie es mit den Kindern geht, ob sie der Ausbildung fähig sind, wenn sie gekauft werden, und ob unser Klima auf sie nicht nachtheilig einwirkt, so daß sie für den bestimmten Zweck erhalten werden können«, beruhigte man sie: Entgegen den mehrfach geäußerten Bedenken bestünden keine Probleme. Das indes war pure Propaganda, denn drei Jahre später liest man in der internen Korrespondenz, von 200 freigekauften Kindern seien, »gleich exotischen Gewächsen, die in ein fremdes Klima versetzt werden«, schon 136 gestorben.

Es trafen Welten aufeinander, wenn die jungen Afrikanerinnen in den Klöstern der Englischen Fräulein in Burghausen, Altötting und Schäftlarn, bei den Salesianerinnen in Beuerberg, den Ursulinen in Bruneck und Klagenfurt, bei den Benediktinerinnen in Salzburg, Eichstätt und München ankamen. Während viele Schwestern »liebe schwarze Kleine« erwarteten, die sie »besorgen dürfen« und die »den Segen des Himmels mitbringen«, kamen oft 10- bis 16-jährige, pubertierende Mädchen.

Beinahe aus jedem Kloster liegen Quellen vor, dass die Pfleglinge oft in einem katastrophalen Zustand eintrafen. Obwohl die Klagenfurter Nonnen Olivieri davor gewarnt hatten, im Winter die Alpen zu überqueren, erreichte er im Januar 1855 das dortige Kloster mit sechs fünf- bis achtjährigen Mädchen. In der Chronik heißt es: »Erbärmlich war es zu sehen, wie die armen Kleinen vor Frost und Kälte sich zusammen kauerten, einige Zapfen hingen an ihren Kleidern, die mehr Säcken als Kleidern glichen, und obwohl der Stoff lodenartig war, so reichte es längst nicht hin, sie vor der grimmigen Kälte zu schützen. Es wurde nun alle mögliche Sorgfalt verwendet, ihre erstarrten Glieder wieder in Thätigkeit zu bringen, allein bei der Größten, Namens Bakitta, schien alles Angewandte vergebens, sie schrie und ächzte unausgesetzt und auf die Füße zeigend, klagte sie P. Olivieri in arabischer Sprache, daß sie große Schmerzen darinnen fühlte.«

Sie erhielt bereits am nächsten Tag die Nottaufe, überlebte ihre Krankheit jedoch noch sechs Jahre. Bakitta konnte aber nie mehr laufen, weil ihre Zehen durch die Erfrierungen abgestorben waren und abfielen. Alle anderen Mädchen – Adjamia, Melle, Teova, Hagida und Maritta – plagte ein heftiger Husten. Sie begannen Blut zu spucken und starben früh.

Doch fast schlimmer noch als diese physischen Leiden waren für die schon in der Heimat traumatisierten Kinder die psychischen Nöte. Die Afrikanerinnen beherrschten meist nur die Sprache ihres Stammes, manchmal ein paar Brocken Arabisch. Es war ein großer Glücksfall, wenn einige der Mädchen aus den Klöstern, die sie seit dem Loskauf durchlaufen hatten, schon italienische oder französische Wörter kannten und zu dolmetschen versuchten. Meist konnten sie weder ihre Sorgen, Ängste und Wünsche benennen, noch war es ihnen möglich, zu verstehen, was die Weißen von ihnen wollten. Wie soll es gelungen sein, Kindern unter solchen Umständen in wenigen Monaten bis zur Taufe das Christentum nahezubringen? Wie sollten sie die Darstellung des gekreuzigten Gottessohnes, wie die Bedeutung der Formel »Das ist mein Leib!« verstehen?

Furchtbare Missverständnisse waren die Folge. Marie Kaïsale im ostfranzösischen Bourg-en-Bresse litt Höllenqualen und schrie bis zur Bewusstlosigkeit, als ihr Blutegel auf Brust und Bauch gelegt wurden, um eine Lungenentzündung zu behandeln. Auffallend oft wird aus allen Klöstern berichtet, dass die Kinder Angst hatten, »geopfert und geschlachtet zu werden«, wie die Oberin in Aschaffenburg berichtet. Sie krochen zum Schlafen unter die Betten und hielten geräuchertes Fleisch für Menschenfleisch. Ganz offensichtlich trafen hier heimatliche Mythen, gepaart mit Schauergeschichten der Sklavenhändler, und unverstandene Bilder des unbekannten christlichen Kulturraumes (Abendmahl!) zusammen.

An einen gelungenen »Kulturtransfer« war nicht im Geringsten zu denken, denn auch die betreuenden Nonnen fürchteten sich oft vor den größeren Mädchen, die aus lauter Angst und Panik zu allem bereit waren. Unabhängig voneinander wird aus Burghausen und aus Bludenz berichtet, dass die Mädchen sich zu ihrem eigenen Schutz mit Messern bewaffnet hatten und diese in einem Fall angeblich sogar zu einem Attentat nutzten; in Bludenz sollen sie versucht haben, eine Schwester zu erwürgen. Wiederholt wird von Fluchtversuchen berichtet, die allerdings meist fehlschlugen und dann »mit einer gewöhnlichen Haus-Ruthe« geahndet wurden.

Wie unvereinbar völlig verschiedene Welten, Wünsche und Erwartungen aufeinanderprallen konnten, zeigt das Beispiel Saidas in Burghausen, die am 29.August 1858 unter großem Volksandrang und deswegen unter Polizeischutz getauft wurde. »Saida«, so berichtete die Oberin, »die sonsten so unbeugsame stolze Saida, benahm sich höchst lobenswerth, denn sie ist durchdrungen, daß sie nunmehr anderst leben muß. Saida brauchte bis jetzt eine Geduld, die unerschöpflich ist. Da sie einer besseren Familie angehört, so beansprucht sie Vorrechte und Auszeichnungen, die nur Prinzessinnen verlangen können. Das Wort, ich bitte oder ersuche, bringt sie nur mit größter Überwindung über die Lippen, und es geschah schon, daß sie einen ganzen Tag keinen Bissen genoß, um nur nicht bitten zu müssen. Sie fordert eine Bedienung, wie man sie nur an großen Höfen antrifft; wenn das Glas Wasser vor ihr steht, so soll es ihr noch gereicht werden. Sie schenkt niemandem Liebe, wenn sie nicht weis, daß er eine Herrschaft hat. Die Englischen [Fräulein] behandelt sie wegwerfend, und wird ihr das Mindeste untersagt, dann geräth sie in Ärger, ja, sie ging schon so weit, daß sie das Umbringen drohte. [] Aber bei all diesen Unarten muß man sie lieben. Seit ihrer Taufe verhält sie sich in mancher Beziehung schon anderst. Heute stand sie früh auf und kleidete sich allein an, und als man um die Ursache fragte, antwortete sie: ›Augustina Christin ist, Christen nicht so lange schlafen dürfen.‹«

Gleich bei ihrer Ankunft werden die Kinder zur Schau gestellt

Die Taufen wurden als außergewöhnliche Ereignisse gefeiert. Sie fanden auch außerhalb des Klosters große Resonanz und wurden in den Missionsheftchen detailliert beschrieben. Nachdem man oft schon bei Ankunft der Kinder die Tore des Klosters geöffnet hatte, um der einheimischen Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, diese »exotischen Geschöpfe« zu bestaunen, fanden sich meist Damen der Gesellschaft bereit, eine Patenschaft zu übernehmen, um den Unterhalt des jeweiligen Kindes zu finanzieren. In München durften die Kleinen in der königlichen Kutsche ins Schloss fahren und in Klagenfurt mit dem Erzbischof die für sie gesammelten Spenden zählen. Die Präsentation der Kinder – noch auf dem Totenbett – erinnert ein wenig an die später so beliebten Kolonialausstellungen und die Völkerschauen wie die des Zoos und Zirkus Hagenbeck in Hamburg.

Weil das Ergebnis des ganzen Unternehmens am Ende nur desaströs war, wurde der »Loskauf von Negerkindern« gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingestellt. Olivieri hatte »nur« Seelen retten wollen, daher war es aus theologischer Sicht irrelevant, wie jung die Kinder starben. Die missionarische Arbeit der wenigen Mädchen, die – wie geplant – später nach Afrika zurückgingen (zum Beispiel Elisa Mairama aus Altötting), ist allenfalls Beleg für das Scheitern des gesamten Projekts.

Wer heute von den Leiden der Kinder in Darfur oder im Kongo weiß, wer die Spendenappelle der großen Hilfswerke liest und die Sternsinger empfängt, die im Januar wieder von Haus zu Haus ziehen, den wird dieses bizarre Kapitel der europäisch-afrikanischen Geschichte bitter stimmen. Es zeigt, wie so vieles »Gutgemeintes« durch Ignoranz und Hochmut von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Die Autorin ist Historikerin und lebt in Essen