Autotest Der menschelnde Kleinwagen

Margit Stoffels, Autotest-Koordinatorin im ZEITmagazin, ist mit dem Alfa Romeo MiTo Turismo 1.4 TB unterwegs und denkt daran, dass sie in den Achtzigern gerne tanzen ging

Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Psychologen der University of Florida hat ergeben, dass die meisten Menschen die Front eines Autos wie ein Gesicht wahrnehmen und ihm Charaktereigenschaften zuordnen. Bei 90 Prozent aller Automodelle würden die Scheinwerfer als Augen interpretiert. Das Firmenzeichen werde als Nase, der Kühlergrill als Mund gesehen. Weiter heißt es, Autos würden häufig spontan entweder als »dominant« oder »niedlich« wahrgenommen. Ungeklärt bleibt in der Studie, ob die Menschen wirklich so viel für Autos empfinden oder ob es den Herstellern nur gelungen ist, Autos so zu gestalten, dass sie menschenähnlich wirken.

Die Kulleraugen des Alfa Romeo MiTo erscheinen mir auf den ersten Blick so niedlich, dass ich mich frage, ob man ihn mit Rotbäckchen-Saft betanken muss. Die Zielgruppe, die Alfa mit diesem Rennklops erreichen möchte, sind offenbar wir Frauen – gelten wir doch als Fans der Kleinwagen.

Die Autopresse hat den MiTo schon zum »Mini-Jäger« erklärt, ja, so heißt er: MiTo, mit großem Mittelbuchstaben. Die Form der Namensgebung jedenfalls ist dem Menschen ziemlich fremd: Der Wagen heißt so, weil er in Milano entworfen und in Torino gebaut wurde. Hätten meine Eltern damals für mich – an dem Silvestertag, als ich geboren wurde – nach dem gleichen Prinzip einen Namen gesucht, so würde ich heute womöglich MoNie heißen, denn entworfen wurde ich an der Mosel, gebaut wurde ich schließlich am Niederrhein.

Der Innenraum des MiTo ist schon eher dazu geeignet, meine Gefühle zu erreichen. Er ist ganz im Stil der achtziger Jahre gestaltet: Zum wellenförmigen, mit Metallic-Folie bespannten Armaturenbrett fehlt nur noch eine Glitzerkugel. Ich fühle mich an meine Freitag- und Samstagabende in einer Disco mit dem gefühligen Namen »Renzo« zurückversetzt. Die Designer wissen offenbar, dass, wer sich heute ein solches Auto leisten kann, in den Achtzigern gerne tanzen ging.

Die Tachoskala reicht bis 260 km/h. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h wurde da wohl etwas jugendlicher Überschwang einkalkuliert. Ein Alfa ist eben ein Auto, das man mit Gefühl fahren soll, oder um es noch gefühlvoller zu sagen: mit emozioni. Gefühle beim Gasgeben – auch ein lohnendes Forschungsfeld für die Psychologen aus Florida.

Technische Daten:
Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 114 kW (155 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,1 s
Höchstgeschwindigkeit: 215 km/h
CO²-Emission: 153 g/km Durchschnittsverbrauch: 6,5 Liter
Basispreis: 19.450 Euro

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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    • Schlagworte Automobilindustrie | Technik
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