Schon wieder soll es der Staat richten. Die Republik brauche eine "Bad Bank", befanden beim vorweihnachtlichen Krisentreffen im Berliner Bundeskanzleramt die Spitzen der deutschen Finanzwirtschaft. Ein vom Staat zu schaffendes Spezialinstitut also, das den Geldhäusern sogenannte Problemkredite abkauft. Das können Wertpapiere sein, hinter denen Schuldner stehen, die jetzt in Zahlungsschwierigkeiten stecken. Oder Finanzprodukte, die sich wegen der Panik an den Märkten überhaupt nicht mehr verkaufen lassen.

Branchenschätzungen zufolge haben die deutschen Banken Problemkredite im Wert von mehreren Hundert Milliarden in ihren Bilanzen. Und je länger die Krise anhält, desto größer wird der Betrag, weil weniger Firmen und Verbraucher ihre Schulden noch zurückzahlen können. Auf die Banken kommen damit neue Abschreibungen zu, ihr Kapital wird aufgezehrt, sie haben weniger Spielraum, um Konsumenten und Unternehmen Geld zu leihen. Und weil niemand weiß, wo die Risiken liegen, misstrauen sich die Institute gegenseitig.

Deshalb, so argumentiert die Finanzwirtschaft, solle der Staat die Banken entlasten. Dann sei wieder Platz in den Bilanzen für die Kreditversorgung. Man müsse überlegen, sagt Manfred Weber, Geschäftsführer des Bankenverbandes, "die kritischen Papiere aus den Bankbilanzen auszugliedern". Zu den Profiteuren, so heißt es in Finanzkreisen, würden insbesondere die Landesbanken gehören, aber auch die Deutsche Bank, deren Chef Josef Ackermann der Kanzlerin die Idee vorgetragen hat.

Nur wenige Wochen nach Verabschiedung ihres Rettungspakets für die Banken im Herbst vernimmt die Regierung also schon wieder neue Hilferufe aus der Finanzwirtschaft. In der Tat spitzt sich die Lage wieder mal zu: Bei der Hypo Real Estate zum Beispiel tun sich gerade ständig neue Milliardenlöcher auf – und die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Management die dramatische Lage einige Zeit lang verschleiert hat.

Doch während die Politik beim ersten Rettungspaket noch schnell handelte, schlägt dem Kreditgewerbe diesmal aus Berlin Skepsis entgegen. Er sei "nicht überzeugt", dass die Gründung einer Bad Bank eine gute Idee sei, sagt ein Koalitionär.

Tatsächlich sind die Erfahrungen mit Spezialinstituten gemischt. Im Kampf gegen Finanzkrisen sind sie immer wieder eingesetzt worden, es gab Bad Banks in Japan, es gab sie in Schweden. Das Prinzip ist immer gleich: Der Staat erwirbt die Problemkredite. Er kann diese verwerten und vielleicht sogar wieder verkaufen, wenn sich die Märkte beruhigt haben. Falls alles gut geht, macht er dabei sogar einen Gewinn.

Allerdings ist es enorm kompliziert, die Investments in den Bilanzen der Banken richtig zu bewerten. Den Finanzhäusern ist an einem hohen Preis gelegen, denn dann bekommen sie viel Geld von der Regierung; umgekehrt gibt es die Gefahr, dass der Staat viel zu viel bezahlt und ein schlechtes Geschäft macht. Wird der Preis dagegen zu niedrig angesetzt, werden die Löcher in den Bilanzen der Banken nicht geschlossen. "Technisch höchst anspruchsvoll" sei der Ankauf von Wertpapieren, sagt ein hoher deutscher Regierungsbeamter.