"Ich will die Eltern nicht schlechtmachen", sagt die Sprecherin der Bremer Bildungssenatorin. "Schließlich hat jeder das Recht, einen Antrag auf Schulgründung zu stellen." Aber zustimmen muss die Behörde nicht. Und so sind sie mittlerweile vor Gericht angekommen: der Verein Freie Schule Bremen e. V. und die Bremer Bildungsbehörde.

Der Verein möchte eine freie Grundschule gründen, eine, in der die Kinder in kleinen Gruppen so lernen, wie sie selbst möchten. Aber die Behörde hat den Antrag abgelehnt: Es bestehe kein "begründetes öffentliches pädagogisches Interesse". Das ist das eine. Das andere ist das, was die Behörde "soziale Entmischung" nennt und auf jeden Fall vermeiden möchte: dass die Kinder gebildeter und wohlhabender Eltern bereits im Grundschulalter besonders gut ausgestattete Privatschulen besuchen, während der Staat die Reste verwaltet. Laut Behörde gehen in Bremen neun Prozent der Kinder auf Schulen in privater Trägerschaft, in einigen Stadtteilen sind es über 16 Prozent, im Bundesdurchschnitt aber nur 2,7 Prozent.

Das ist der Konflikt, befeuert wird er durch das Ende der offiziell nicht genehmigten Privatschule am Körnerwall, die im vergangenen Jahr schließen musste. Viele der 50 Eltern und Pädagogen, die sich im Verein Freie Schule Bremen zusammengefunden haben, hatten ihre Kinder schon in den Kindergarten der Schule am Körnerwall geschickt. Sie wünschen sich eine reformpädagogische Schule, die, ähnlich wie die geschlossene Privatschule, die Kinder beim Lernen begleitet, nicht aber in feste Schemata zwingt. "Die Kinder wollen doch ohnehin Wissen in sich hineinschaufeln", sagt Gustav Schmitz, einer der Gründer des Vereins. "Und es ist erstaunlich zu sehen, wie schnell Grundschüler keine Lust mehr haben, zur Schule zu gehen."

Vieles im Vereinskonzept gehört zum reformpädagogischen Standard: altersgemischte Kleingruppen von je 15 Kindern, projektorientiertes und selbstbestimmtes Lernen, geschlechtsspezifische Jungen- und Mädchenarbeit, keine Noten. Das alles, so hält die Behörde dagegen, sei bereits in vielen staatlichen Bremer Grundschulen verwirklicht, unter anderem in der "Kinderschule", einer Abspaltung der Schule am Körnerwall, die inzwischen als staatliche Modellschule anerkannt ist. "Wir erfinden das Rad nicht neu, wir bauen es neu zusammen", sagt Gustav Schmitz. Zudem habe die geplante Schule drei Alleinstellungsmerkmale: Sie soll basisdemokratisch arbeiten, sodass Eltern, Kinder und Lehrende gemeinsam Verantwortung übernehmen. Es soll einen integrierten Kindergarten geben, und der Rahmen soll mit etwa 45 Kindern überschaubar bleiben.

Damit würde sie sich von der "Kinderschule" unterscheiden, die, seitdem sie in staatliche Obhut übergegangen ist, deutlich mehr Kinder aufnimmt. Und die akzeptiert, dass Menschen, die nicht unmittelbar am Schulbetrieb beteiligt sind, sprich die Behördenmitarbeiter, bei den Entscheidungen mitreden. Ebendas kann und will sich Gustav Schmitz für die Freie Schule Bremen nicht vorstellen.