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Die Privat-Uni Witten/Herdecke ist noch längst nicht aus der Gefahrenzone
Kurz vor Weihnachten hatte es so ausgesehen, als könnte die jüngste Krise der Privat-Uni Witten/Herdecke ihre letzte sein. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hatte den Geldhahn zugedreht, der Uni-Präsident war zurückgetreten, der Hochschulsprecher warnte vor dem Aus. Plötzlich dann die vermeintliche Wende zum Besseren: Zwei potenzielle Geldgeber seien gefunden, unabhängige Wirtschaftsprüfer würden jetzt den Haushalt kontrollieren, am Ende könnte auch die Regierung wieder einsteigen.
Ganz gleich, ob die Nachricht einen echten Neuanfang bedeutet oder einmal mehr nur das alte Klammern an große Träume – die Beinahepleite von Deutschlands ältester nichtstaatlicher Uni zeigt, dass die Vision privat finanzierter Hochschulen noch genauso gefährdet ist wie in ihrem Gründungsjahr 1982. Die Gründe sind vielfältig. Das in Deutschland traditionell größere Vertrauen gegenüber staatlichen Institutionen verbindet sich gerade in diesen Tagen mit den Ängsten vor neoliberaler Einflussnahme auf die Bildung. Umso lautstarker pochen Privat-Unis auf ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit. Das wiederum verträgt sich schlecht mit dem Anspruch vieler Firmenspender, mitzureden bei der Verwendung ihrer Gelder oder zumindest Aufschluss über ihren Verbleib zu erhalten. Dieses Spannungsfeld hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass sich Witten von finanzkräftigen Unterstützern getrennt hat und dass andere Privat-Unis nach fulminant inszeniertem Start wieder von der Bildfläche verschwunden sind.
Die Voraussetzung dafür, dass nichtstaatliche Hochschulen in Deutschland dauerhaft überleben, ist die Abkehr vom Prinzip vorrangig jährlicher Alimentationen, wie sie auch die neuen Wittener Spender wohl wieder bieten werden. Eine wirkliche Zukunftsperspektive erfordert stattdessen eine tragfähige Eigenkapitalbasis, wie sie viele US-Unis haben. Im Moment leiden die zwar unter der Finanzkrise, doch sie wird vorbeigehen. Nur ein Mix aus höheren Studiengebühren, staatlichen Zuschüssen und den Erträgen des Stiftungskapitals kann in Witten Engpässe langfristig ausschließen und die Unabhängigkeit sichern. Dazu aber braucht es einen superreichen, mutigen Mäzen, der jetzt mit ein paar Hundert Millionen Euro klotzt, statt über Jahre zu kleckern. Der Erfolg der International University Bremen, die 200 Millionen Euro vom Jacobs-Konzern erhielt und seitdem seinen Namen trägt, zeigt, dass so etwas möglich ist. Wittens anthroposophisch angehauchte Medizin ist die Antithese zu den Interessen der Pharmakonzerne. Umso mehr würde es diese schmücken, wenn gerade sie der Uni mit einer Großspende beispringen würden. Und zwar ohne jede Gegenleistung.
- Datum 31.12.2008 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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Nicht nur die Grenzen zwischen redaktionellem Inhalt und Anzeigen sind verschwunden, jetzt wird auch noch fundraising in der "Zeit" gemacht. Soll sich der gesuchte Mäzen beim Autor melden oder gleich in Witten?
Der Satz "Das in Deutschland traditionell größere Vertrauen gegenüber staatlichen Institutionen verbindet sich gerade in diesen Tagen mit den Ängsten vor neoliberaler Einflussnahme auf die Bildung." stösst mir sauer auf (und das liegt nicht am Weihnachtsessen): Ein bisschen Küchen-Psychologie gemixt mit kulturhistorischem Viertelwissen. Gerade in diesen Tagen??? Ein Studium ist keine Berufsausbildung, der Bologna-Prozess beinhaltet genug an neoliberaler Ideologie.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Viele der Ideen und Ansätze in Witten sind sehr interessant, darum geht es mir nicht. Diese Ideen lassen sich aber auch in vom Autor so genannten "staatlichen" Universitäten umsetzen, wenn die Uni-Präsidenten mutiger wären und die Chancen gerade des föderalen Uni-Systems nutzen würden.
Cardoso schreibt:
"Diese Ideen lassen sich aber auch in vom Autor so genannten "staatlichen" Universitäten umsetzen, wenn die Uni-Präsidenten mutiger wären und die Chancen gerade des föderalen Uni-Systems nutzen würden."
Prinzipiell völlig richtig!
Doch leider: Sie (die"staatlichen" Universitäten, ihre Rektoren, ihre Präsidenten, viele ihrer Lehrer) sind es nicht (mutig) und tun es nicht (Chancen nutzen).
Warum? Vielleicht weiß es Cardoso ...
Cardoso schreibt:
"Diese Ideen lassen sich aber auch in vom Autor so genannten "staatlichen" Universitäten umsetzen, wenn die Uni-Präsidenten mutiger wären und die Chancen gerade des föderalen Uni-Systems nutzen würden."
Prinzipiell völlig richtig!
Doch leider: Sie (die"staatlichen" Universitäten, ihre Rektoren, ihre Präsidenten, viele ihrer Lehrer) sind es nicht (mutig) und tun es nicht (Chancen nutzen).
Warum? Vielleicht weiß es Cardoso ...
Cardoso schreibt:
"Diese Ideen lassen sich aber auch in vom Autor so genannten "staatlichen" Universitäten umsetzen, wenn die Uni-Präsidenten mutiger wären und die Chancen gerade des föderalen Uni-Systems nutzen würden."
Prinzipiell völlig richtig!
Doch leider: Sie (die"staatlichen" Universitäten, ihre Rektoren, ihre Präsidenten, viele ihrer Lehrer) sind es nicht (mutig) und tun es nicht (Chancen nutzen).
Warum? Vielleicht weiß es Cardoso ...
Weil ich vielleicht konservativ (im Sinne von "Bewahren") werde? Oder schon bin?
Ich mag a) den Gedanken der akademischen Freiheit, b) den Gedanken, dass sich eine Gesellschaft das leisten kann und muss, c) bin ich davon überzeugt, dass ein Studium etwas anderes ist als eine Berufsausbildung und d) sollte dieser Weg prinzipell allen, die Interesse haben, offenstehen
Warum die Präsidenten (und -innen) nicht mutiger sind, ist eine gute Frage...Ich weiss es nicht. Weil das Idealbild eines Präsidenten heute solche Dampfplauderer und Pseudoreformer wie Lenzen oder Spoun sind? Weil zuviele Leute auf die Hitparaden der Uni-Rankings starren? Weil Universitäten heute so vielen Einflüssen (Von "Bologna" über Drittmittelwerbung bis zu stromlinienförmigen Wissenschaftsministern) ausgesetzt sind?
Vielleicht sollten wir das besser als Forschungsfrage formulieren ;)
Weil ich vielleicht konservativ (im Sinne von "Bewahren") werde? Oder schon bin?
Ich mag a) den Gedanken der akademischen Freiheit, b) den Gedanken, dass sich eine Gesellschaft das leisten kann und muss, c) bin ich davon überzeugt, dass ein Studium etwas anderes ist als eine Berufsausbildung und d) sollte dieser Weg prinzipell allen, die Interesse haben, offenstehen
Warum die Präsidenten (und -innen) nicht mutiger sind, ist eine gute Frage...Ich weiss es nicht. Weil das Idealbild eines Präsidenten heute solche Dampfplauderer und Pseudoreformer wie Lenzen oder Spoun sind? Weil zuviele Leute auf die Hitparaden der Uni-Rankings starren? Weil Universitäten heute so vielen Einflüssen (Von "Bologna" über Drittmittelwerbung bis zu stromlinienförmigen Wissenschaftsministern) ausgesetzt sind?
Vielleicht sollten wir das besser als Forschungsfrage formulieren ;)
Jan-Martin Wiarda hat Recht: Gelingt es jetzt immer noch nicht, für Witten-Herdecke ein nachhaltig stabiles finanzielles Fundament zu schaffen, bleiben große Träume, die letztlich wie Seifenblasen zerplatzen. Das wäre mehr als schade.
Es ist den in den letzten 26 Jahren dafür auf der privaten Seite Gestaltungsverantwortlichen der Hochschule in Witten-Herdecke nicht gelungen, dieser Hochschule ein wirtschaftlich tragfähiges und nachhaltiges Fundament zu geben. Und das, obwohl viele gute Ansätze bestanden, die letztlich aber immer wieder versandeten.
Ob sich dabei allerdings „Witten von finanzkräftigen Unterstützern getrennt hat“, ist mehr als fraglich. Schaut man etwas genauer hin, offenbart sich eher das Umgekehrte.
Warum haben sich denn in der Vergangenheit immer wieder bedeutende private Finanzierer der UWH nach einiger Zeit ganz oder überwiegend zurückgezogen, so z.B.
- Voith, Heidenheim
- VW-Stiftung
- Bertelsmann (Mohn, Wössner)
- Thyssen-Krupp (Vogel, Cromme)
- McKinsey Deutschland (Henzler)
- Boston Consulting (von Oetinger)
- SAP
- Droege
und eine ganze Reihe mehr.
Kann es sein, dass die für den Umgang mit Geld an der UWH Verantwortlichen Fehler gemacht haben?
Folgt man der Argumentation des Landes NRW, liegen selbst heute noch keine testierfähigen Wirtschaftspläne vor.
Kann es sein, dass vorhandene Mittel nicht zweckgerecht eingesetzt wurden?
So verlangte beispielsweise das Land Baden-Württemberg um 1990 die der damaligen Hochschulleitung für die von ihr beabsichtigte Verlegung der Hochschule nach Mannheim gewährten Mittel wegen nicht zweckentsprechender Verwendung zurück (http://www.zeit.de/1990/0...).
Was bedeuten die häufigen Präsidentenwechsel? Was sind die wirklichen Gründe für das außerplanmäßige Ausscheiden der Präsidenten Zimmerli und Glatthaar?
Was ist aus der UWH Verantwortungsgemeinschaft geworden, die 2007 helfen wollte, die Finanzprobleme zu lösen? Wenn man auf deren Website sucht (http://www.verantwortungs...), findet man unter der Rubrik Aktuelles als letzte Information mit dem Datum vom 5. Juli 2007(!), dass 781 Mitglieder vorhanden seien (davon 691 Mitarbeiter und Studenten) und dass die Uni sich jetzt selbst trage. Zur aktuellen Situation der sich nunmehr selbst tragenden(?) Uni und den Beiträgen dieser Verantwortungsgemeinschaft zur Lösung der gegenwärtigen Existenzkrise findet sich dort jedoch kein Wort.
Kann es sein, dass die Errichtung aufwendiger Hochschulbauten wichtiger war als die Schaffung einer wirtschaftlich tragfähigen Basis für die Realisierung der Hochschulinhalte (Paläste statt Zelte, obwohl immer Aufbruchstimmung und Zelte vordergründig(?) gepredigt wurden)?
Hat man sich letztlich doch zu sehr auf Fassadenbau konzentriert, ohne dem genauer Hinsehenden die Enttäuschung bei einem tieferen Blick hinter die Kulissen zu ersparen?
Was bedeuten die höchst kritischen Gutachten des Wissenschaftsrates (Wirtschaftswissenschaften 1996, Medizin 2005)? Die Wirtschaftswoche schrieb in Sachen Wirtschaftswissenschaften dazu: “Das Urteil über die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät kam einer Ohrfeige gleich.” (WiWo Nr. 44 vom 24.10.1996) Welche Schlußfolgerungen sind daraus zu ziehen?
Warum sind die wichtigsten Gründerväter und inhaltlichen Konzeptgestalter Gerhard Kienle, Herbert Hensel, Gunther Hildebrand, Dieter Lauenstein und Eberhard von Goldammer heute in der UWH kaum noch bekannt? Kennt jemand in der Hochschule noch das Grundsatzpapier dieser Gründerväter?
Diese und andere Fragen wären dringend zu klären und die in den Antworten sichtbar werdenden Probleme selbstkritisch zu analysieren, will man wirklich mit aller Kraft an der Erhaltung Witten/Herdeckes arbeiten.
Und es ist richtig, dass in Witten-Herdecke die private Seite gewonnen werden muss, dieser Hochschule ein sicheres wirtschaftliches Fundament zu geben, statt den im Augenblick nicht ganz unverständliche Ruf aus der UWH nach noch mehr Staat(sgeld) noch lauter werden zu lassen.
Die Leidtragenden sind und waren die Studenten, das eigentliche Kapital dieser Hochschule. Sie tragen unter allen Beteiligten das größte Risiko - und sind trotzdem nach wie vor noch dabei. Das allein ist bereits ein Qualitätsmerkmal.
Es ist an der Zeit, jetzt die verantwortungsbewussten und ideologiefreien Studenten dieser Hochschule unmittelbar in alle Verhandlungen und Entscheidungen über ihre Zukunft (die der Hochschule und damit ihre eigene) maßgeblich einzubinden.
Eben diese Studenten müssten vor dem Hintergrund all dieser Fragen das Schicksal ihrer UWH in ihre Hände nehmen. Sie müssten einen oder mehrere private Großstifter gewinnen, mit dem/denen sie aus ihrer Hochschule endlich eine echte Stiftungshochschule machen, die mit hinreichendem Stiftungskapital dauerhaft ausgestattet ist. Und warum nicht auch aus dem Umfeld, das Jan-Martin Wiada angedacht hat?
Die Vergangenheit in Witten-Herdecke hat mehr als deutlich gezeigt, dass diese Aufgabe zumindest dort nicht Honoratioren und solchen Hochschulleitern überlassen bleiben darf, die aus welchen Gründen auch immer Freiheit, Wahrheit und soziale Verantwortung bedroht sehen und sich bemühen, auch bei Studenten entsprechende Befürchtungen zu aktivieren, sobald private Finanzierer nach der Verwendung und dem Verbleib ihrer Mittel fragen.
Roland Berger hat auf den Websites der UWH-Studenten dazu aufgerufen, ein „Mehr“ an privater Initiative in der universitären Ausbildung zu realisieren und mit aller Kraft an der Erhaltung Witten-Herdeckes zu arbeiten.
Es wäre mehr als wünschenswert, wenn die verantwortungsbewussten und ideologiefreien Kommilitonen in Witten-Herdecke Roland Berger bäten, ihnen mit all seiner Kraft beratend und auch darüber hinaus zur Seite zu stehen.
Es wäre mehr als wünschenswert, wenn Roland Berger sich dafür beim Wort nehmen ließe.
Ich bin sicher, dass eine solche Kooperation zur längst überfälligen wirtschaftlichen Existenzsicherung der UWH jenseits des Staates führen würde.
Dann wäre ich nicht mehr
In Sorge
Weil ich vielleicht konservativ (im Sinne von "Bewahren") werde? Oder schon bin?
Ich mag a) den Gedanken der akademischen Freiheit, b) den Gedanken, dass sich eine Gesellschaft das leisten kann und muss, c) bin ich davon überzeugt, dass ein Studium etwas anderes ist als eine Berufsausbildung und d) sollte dieser Weg prinzipell allen, die Interesse haben, offenstehen
Warum die Präsidenten (und -innen) nicht mutiger sind, ist eine gute Frage...Ich weiss es nicht. Weil das Idealbild eines Präsidenten heute solche Dampfplauderer und Pseudoreformer wie Lenzen oder Spoun sind? Weil zuviele Leute auf die Hitparaden der Uni-Rankings starren? Weil Universitäten heute so vielen Einflüssen (Von "Bologna" über Drittmittelwerbung bis zu stromlinienförmigen Wissenschaftsministern) ausgesetzt sind?
Vielleicht sollten wir das besser als Forschungsfrage formulieren ;)
@ Cardoso
Eine sympathische und, wie ich meine, kluge Antwort.
Ein Forschungsauftrag zur Beantwortung der Frage nach dem "Warum" ist höchst wünschenswert.
Private Hochschulen können die etablierten staatlichen Hochschulen nicht ersetzen. Ihre Chancen bestehen darin, anders und vielleicht(!) auch besser zu sein, neue Wege zu erproben, neue Erkenntnisse zu gewinnen und dadurch möglicherweise auch Impulse zur Weiterentwicklung des staatlichen Hochschulbereichs zu setzen.
Fehlt der privaten Hochschule der Mut zur Innovation, gefährdet sie anders als eine wirtschaftlich existenzgesicherte staatliche Hochschule glücklicherweise ihre Existenz.
Im Vergleich zu einer privaten Hochschule, die immer auch Energie auf ihre wirtschaftliche Existenzsicherung richten muß, könnte die entsprechend gesicherte staatliche Hochschule eigentlich viel unbesorgter innovativ experimentieren. Warum es dann dort dennoch nicht im gesellschaftlich wünschenswerten Umfang geschieht, wäre zu erforschen! Ich habe da so meine Hypothesen, die auf Widerlegung harren.
Ich teile Cardusos Vorlieben a) bis d) in vollem Umfang und finde auch seine Hinwendung zum "Bewahren" sehr sympathisch. Doch wie verträgt sich das Bewahren mit Neugier als Mutter der Wissenschaft, mit dem Ruf nach Mut zum Experiment, zur Veränderung, zur Innovation?
Wenn ich es richtig sehe, versucht man u. a. in Witten-Herdecke, darauf Antworten zu finden. Aber Vorsicht: Ob dadurch neue Eliten entstehen, weiß ich nicht. Wenn zur Elite gehören heißt, die eigene Person der Aufgabe unter zu ordnen, zu arbeiten, hart zu arbeiten, zu wagen, zu entscheiden und in die Zukunft zu schauen, wenn hohes Können und lebenslanges Lernen ebenso dazu gehören wie die Fähigkeit, Zusammenhänge gesellschaftlich verantwortlich zu verarbeiten, könnte man das vielleicht annehmen.
Aber, so hat Hans L. Merkle einmal betont, wer wirklich zur Elite gehört, ist sich dessen entweder gar nicht bewußt, oder er macht sich nichts daraus. Wer sich als Elite ausgibt (und das müßte man dem einen oder anderen in Witten-Herdecke vielleicht ins Stammbuch schreiben), gehört nicht dazu.
Wer sich dessen bewußt ist, dass er nicht dazu gehört, ist häufig ein glücklicherer Mensch.
Je mehr einer zweifelt, desto eher gehört er zur Elite als Gruppe jener, von denen der geistig-sittliche Fortschritt erwartet werden darf. Denn sie stellen alles in Frage, was bislang als richtig galt - nicht um es zu verwerfen, sondern um es neu zu fundieren.
In diesem Sinne auch ein klares Ja zu Cardosos Bewahren.
@ Cardoso
Eine sympathische und, wie ich meine, kluge Antwort.
Ein Forschungsauftrag zur Beantwortung der Frage nach dem "Warum" ist höchst wünschenswert.
Private Hochschulen können die etablierten staatlichen Hochschulen nicht ersetzen. Ihre Chancen bestehen darin, anders und vielleicht(!) auch besser zu sein, neue Wege zu erproben, neue Erkenntnisse zu gewinnen und dadurch möglicherweise auch Impulse zur Weiterentwicklung des staatlichen Hochschulbereichs zu setzen.
Fehlt der privaten Hochschule der Mut zur Innovation, gefährdet sie anders als eine wirtschaftlich existenzgesicherte staatliche Hochschule glücklicherweise ihre Existenz.
Im Vergleich zu einer privaten Hochschule, die immer auch Energie auf ihre wirtschaftliche Existenzsicherung richten muß, könnte die entsprechend gesicherte staatliche Hochschule eigentlich viel unbesorgter innovativ experimentieren. Warum es dann dort dennoch nicht im gesellschaftlich wünschenswerten Umfang geschieht, wäre zu erforschen! Ich habe da so meine Hypothesen, die auf Widerlegung harren.
Ich teile Cardusos Vorlieben a) bis d) in vollem Umfang und finde auch seine Hinwendung zum "Bewahren" sehr sympathisch. Doch wie verträgt sich das Bewahren mit Neugier als Mutter der Wissenschaft, mit dem Ruf nach Mut zum Experiment, zur Veränderung, zur Innovation?
Wenn ich es richtig sehe, versucht man u. a. in Witten-Herdecke, darauf Antworten zu finden. Aber Vorsicht: Ob dadurch neue Eliten entstehen, weiß ich nicht. Wenn zur Elite gehören heißt, die eigene Person der Aufgabe unter zu ordnen, zu arbeiten, hart zu arbeiten, zu wagen, zu entscheiden und in die Zukunft zu schauen, wenn hohes Können und lebenslanges Lernen ebenso dazu gehören wie die Fähigkeit, Zusammenhänge gesellschaftlich verantwortlich zu verarbeiten, könnte man das vielleicht annehmen.
Aber, so hat Hans L. Merkle einmal betont, wer wirklich zur Elite gehört, ist sich dessen entweder gar nicht bewußt, oder er macht sich nichts daraus. Wer sich als Elite ausgibt (und das müßte man dem einen oder anderen in Witten-Herdecke vielleicht ins Stammbuch schreiben), gehört nicht dazu.
Wer sich dessen bewußt ist, dass er nicht dazu gehört, ist häufig ein glücklicherer Mensch.
Je mehr einer zweifelt, desto eher gehört er zur Elite als Gruppe jener, von denen der geistig-sittliche Fortschritt erwartet werden darf. Denn sie stellen alles in Frage, was bislang als richtig galt - nicht um es zu verwerfen, sondern um es neu zu fundieren.
In diesem Sinne auch ein klares Ja zu Cardosos Bewahren.
@ Cardoso
Eine sympathische und, wie ich meine, kluge Antwort.
Ein Forschungsauftrag zur Beantwortung der Frage nach dem "Warum" ist höchst wünschenswert.
Private Hochschulen können die etablierten staatlichen Hochschulen nicht ersetzen. Ihre Chancen bestehen darin, anders und vielleicht(!) auch besser zu sein, neue Wege zu erproben, neue Erkenntnisse zu gewinnen und dadurch möglicherweise auch Impulse zur Weiterentwicklung des staatlichen Hochschulbereichs zu setzen.
Fehlt der privaten Hochschule der Mut zur Innovation, gefährdet sie anders als eine wirtschaftlich existenzgesicherte staatliche Hochschule glücklicherweise ihre Existenz.
Im Vergleich zu einer privaten Hochschule, die immer auch Energie auf ihre wirtschaftliche Existenzsicherung richten muß, könnte die entsprechend gesicherte staatliche Hochschule eigentlich viel unbesorgter innovativ experimentieren. Warum es dann dort dennoch nicht im gesellschaftlich wünschenswerten Umfang geschieht, wäre zu erforschen! Ich habe da so meine Hypothesen, die auf Widerlegung harren.
Ich teile Cardusos Vorlieben a) bis d) in vollem Umfang und finde auch seine Hinwendung zum "Bewahren" sehr sympathisch. Doch wie verträgt sich das Bewahren mit Neugier als Mutter der Wissenschaft, mit dem Ruf nach Mut zum Experiment, zur Veränderung, zur Innovation?
Wenn ich es richtig sehe, versucht man u. a. in Witten-Herdecke, darauf Antworten zu finden. Aber Vorsicht: Ob dadurch neue Eliten entstehen, weiß ich nicht. Wenn zur Elite gehören heißt, die eigene Person der Aufgabe unter zu ordnen, zu arbeiten, hart zu arbeiten, zu wagen, zu entscheiden und in die Zukunft zu schauen, wenn hohes Können und lebenslanges Lernen ebenso dazu gehören wie die Fähigkeit, Zusammenhänge gesellschaftlich verantwortlich zu verarbeiten, könnte man das vielleicht annehmen.
Aber, so hat Hans L. Merkle einmal betont, wer wirklich zur Elite gehört, ist sich dessen entweder gar nicht bewußt, oder er macht sich nichts daraus. Wer sich als Elite ausgibt (und das müßte man dem einen oder anderen in Witten-Herdecke vielleicht ins Stammbuch schreiben), gehört nicht dazu.
Wer sich dessen bewußt ist, dass er nicht dazu gehört, ist häufig ein glücklicherer Mensch.
Je mehr einer zweifelt, desto eher gehört er zur Elite als Gruppe jener, von denen der geistig-sittliche Fortschritt erwartet werden darf. Denn sie stellen alles in Frage, was bislang als richtig galt - nicht um es zu verwerfen, sondern um es neu zu fundieren.
In diesem Sinne auch ein klares Ja zu Cardosos Bewahren.
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