Karriere Die Emanzipation der Yvonne C.

Sie war Popsternchen und Serienschauspielerin. Jetzt will Yvonne Catterfeld die große Romy Schneider spielen. Und endlich beweisen, was sie kann

Von Anita Blasberg Fotos Sigrid Reinichs

Das verdammte Pferd rührte sich nicht, es wich ihr einfach nicht aus. Nicht beim ersten Anlauf, nicht beim zweiten, nicht beim dritten. Es war der Sommer vor drei Jahren, als Yvonne Catterfeld sich fragte, was ihr Leben noch mit ihrem Traum zu tun hatte, als sie rausfuhr nach Brandenburg, um Antworten zu finden. Sie hatte von diesem Reitstall gehört, wo Manager ihre Führungsstärke testen können. Jetzt stand sie auf einer Koppel allein vor diesem Pferd und sollte es von seinem Platz vertreiben, ohne Zaumzeug, ohne Peitsche, nur mit ihrer Willenskraft. Das Pferd guckte freundlich, aber es blieb stehen. Wie festgewurzelt.

»Immer noch habe ich dieses Bild im Kopf«, sagt Catterfeld. Sie konnte sich nicht durchsetzen. Selbst von diesem Pferd wollte sie gemocht werden.

»Wie bescheuert!«, ruft sie.

Es ist ein sonniger Oktobertag in Stuttgart-Obertürkheim, und Catterfeld sitzt etwas abseits in einem kleinen Kirchhof. Sie drehen hier einen Zweiteiler für RTL, die Filmcrew macht gerade Mittagspause. Immer wieder starren die Komparsen zu ihr herüber, eine Gruppe Feldwebel von der Bundeswehr. Catterfeld bemerkt sie nicht. Sie lädt sich Reis mit Krabben auf den Teller, danach noch etwas Gulasch mit Spätzle. »Ist alles lecker«, sagt sie, und vielleicht ist das manchmal ihr Problem: Sie konnte noch nie gut etwas ablehnen, sie hat früher von allem ein bisschen gemacht, so lange, bis ihr Kalender voll war: Sie hat bei Gute Zeiten Schlechte Zeiten mitgespielt und nebenbei ein paar Platten aufgenommen, sie hat gleichzeitig Chart-Shows und Galas moderiert, für Anti-Pickel-Cremes, Deichmann-Schuhe und Schweizer Unterwäsche geworben. »Als ich zu diesem Reitstall fuhr«, sagt sie, »wusste ich selbst nicht mehr, was ich nun eigentlich war: Bin ich jetzt Schauspielerin, Sängerin oder Moderatorin?«

Als sie später am Catering-Wagen Cappuccino trinkt, nähern sich die Feldjäger. »Ich muss meine Chance nutzen«, sagt einer, »darf ich?« Dann legt er einen Arm um sie, drückt einem Kameraden sein Fotohandy in die Hand und grinst in die Kamera. Sekunden später ist sie umzingelt. Alle wollen ihr Foto. Verlegenes Grinsen, klick, der Nächste, bitte. Catterfeld lächelt, jedes Mal. Erst als auch der Letzte zufrieden ist, sagt sie: »Sorry, Jungs, muss weiterarbeiten.«

Vielleicht wollte sie wieder mal gemocht werden. Vielleicht ist sie aber auch einfach nur zu nett. Sie sei ein Mensch, der in ein fertiges PR-Kit gekrochen sei, schrieb mal die Welt. »Eine Frau ohne Eigenschaften«, assistierte die FAZ. Und es war ziemlich einfach, die Catterfeld doof zu finden: Sie war das Instantprodukt aus der RTL-Unterhaltungsmaschine, das stets verfügbare Saubermädchen, das brav im Laufrad der großen Fernseh-Pop-Verwertungsschleife trabte. 2005 zog sie einen Schlussstrich und feuerte ihre Managerin, sie wollte neu anfangen. Weniger machen, und das dafür richtig. Fürs Kino soll sie dieses Jahr die große Romy Schneider spielen. Demnächst eine Blinde. Nun spielt sie eine kühle Vulkanologin, eine der Hauptrollen in Der Vulkan, einer aufwendigen Produktion, in der ein Eifeldorf von einem Vulkanausbruch heimgesucht wird, an ihrer Seite klangvolle Namen: Katja Riemann, Heiner Lauterbach, Armin Rohde.

Die Frage ist, ob das so einfach ist, neu anzufangen. Ist das so einfach, plötzlich nicht mehr Darstellerin zu sein, sondern Schauspielerin?

Sie sei ein Mensch, der ihn geöffnet hat, sagt Nico Hofmann, der Produzent des Films, am Telefon. Eines Tages stand sie bei ihm in der Tür. Ob er eine Rolle für sie habe, bloß kein naives Mädchen. Kurz nach der Sache mit den Pferden war das. Hofmann, heißt es in der Branche, habe ein Gespür für Talente. Er hat schon Alexandra Maria Lara, Katharina Wackernagel und Felicitas Woll entdeckt. Hofmann mag Herausforderungen. Er wollte herausfinden, ob Catterfeld die Kraft und Intellektualität besitzt, sich zu entwickeln.

Letzte Nacht hat er vier Stunden lang ihre Szenen gesichtet. Sie habe eine feine, leise Dynamik, sagt er. Man sehe, wie sie sich von Klappe zu Klappe verändere. Das könnten nicht viele. Catterfeld habe sich selbst überprüft, sagt er, bevor er auflegt. »Das macht Menschen größer. Schauen Sie ihr Gesicht an!«

Nach der Mittagspause steht Catterfeld tief unten in dem Stollen, wo die Kulisse eines Vulkan-Forschungszentrums aufgebaut ist. Sie schließt die Augen. Es ist die dritte Wiederholung ihrer Szene. Ihr Gesicht erscheint in Nahaufnahme auf dem Bildschirm. Sie tritt an, verhaspelt sich, hängt. Ein Schluck Wasser, noch mal hängen. »Verdammt«, murmelt sie. Sie weiß, wenn sie hängt, ist das schlimmer, als wenn andere hängen. Neben ihr spielen all die Großen. Aber draußen hat jemand »Yvonne C., wir lieben dich über alles« an das Tor geschmiert. Sie ist hier der einzige Popstar, sie kann dieser Rolle nicht entkommen.

»Ich habe mir die Vorurteile hart erarbeitet«, hatte sie bei unserem ersten Treffen im Mai in einem Café in Prenzlauer Berg gesagt. Sie war kaum geschminkt und wirkte überraschend verletzlich, fast schüchtern. »Ich war auf jeder zweiten Fernsehzeitschrift. Irgendwann konnte ich mich selbst nicht mehr sehen«, sagte sie. Es klang nach Vorwärtsverteidigung. Neinsagen ist so viel schwieriger als Jasagen, findet sie.

Sie hat in den letzten drei Jahren viel nachgedacht. Sie hatte vorher nie Zeit dazu gehabt. Sie ist im Geschäft, seitdem sie 19 ist. Früher hat sie auf dem roten Teppich Fragen zu ihrer Frisur beantwortet. Heute versucht sie weiterzugehen, auch wenn das arrogant wirkt. »Das musste ich lernen.« Jahrelang wurde ihr das Gegenteil eingetrichtert.

Seitdem sie damals alles hingeworfen hat, wohnt sie in Alt-Glienicke, tief im Osten Berlins, um ihre Ruhe zu haben. Manchmal kann man sie auf einer Berliner Parkbank sitzen sehen, versunken in ein Buch. Sie geht gern spazieren.

Klar, sagt sie, tue es weh, wenn das öffentliche Bild so wenig mit einem selbst zu tun habe. Sogar ihr neuer Freund hätte jedem einen Vogel gezeigt, der ihm vorher erzählt hätte, er werde sich in die Catterfeld verlieben. »Ich muss alle persönlich überzeugen«, sagt sie, »das kostet viel Kraft.« Bei jedem Casting ist es das Gleiche, da wird getuschelt: Die Catterfeld kann nix.

Angst zu scheitern?

Sie zögert. »Ich muss lernen, meine Kontrolle aufzugeben, all die Disziplin, die antrainierte Professionalität.« Auf einmal geht es nicht mehr um die Oberfläche, es geht um ihr Innerstes. Seit drei Jahren nimmt sie Schauspielunterricht. Sie wolle noch viel lernen, sagt sie. Variantenreicher werden, sich öffnen. Sie sagt es wie jemand, der weiß, wohin er möchte.

Romy Schneider ist die bisher größte Herausforderung ihrer Karriere. Als die Nachricht im Frühjahr herauskam, überschlugen sich die Zeitungen. »Viele hielten es für einen Witz«, ätzte Spiegel Online unter der Überschrift Ein Soapsternchen gibt den Weltstar. Ausgerechnet die große Romy Schneider. Im Fernsehfilm, der gerade gedreht wird, spielt Jessica Schwarz die Schneider. Schwarz gilt als Charakterdarstellerin, Catterfeld als die Ex von Wayne Carpendale.

Schneider kann ihr Ticket in die oberste Schauspielliga sein. Oder das Ende vom Traum, endlich ernst genommen zu werden.

»Natürlich ist die Rolle für sie so etwas wie die Erstbesteigung des Mount Everest«, sagt Douglas Welbat. Welbat ist der Produzent, der Catterfeld besetzt hat. Er sitzt in einem verwaschenen schwarzen Sweatshirt in einer Hamburger Bar, über seinen Bauch spannen sich Hosenträger. Jetzt tippt er auf seinem iPhone, um den Beweis vorzuführen. Den Beweis, dass er sich nicht geirrt hat.

Immer wenn jemand aus der Branche wisperte: »Wie kann er nur?«, zückte Welbat sein iPhone mit den zusammengeschnittenen Probeaufnahmen, und dann waren die meisten still: Catterfeld als junge Romy, Catterfeld als gebrochene Diva, zweieinhalb beeindruckende Minuten. Man ist von ihrer Tiefe überrascht. Mit dem iPhone ist er damals durch Paris gelaufen. Incroyable!, haben die Franzosen gerufen. Mit ihrem Französisch habe sie sogar Schneiders deutschen Akzent getroffen. Auf der Croisette in Cannes lief der Trailer 1000-mal, sagt Welbat stolz. Natürlich weiß er, dass alles an seiner Hauptdarstellerin hängen wird. Er hält sich an diesem Trailer fest. Der Trailer ist immer gut, wenn er mal nervös wird.

Seit fast vier Jahren arbeitet er jetzt an dem Film, inzwischen ist er bei der fünften Drehbuchfassung. Mindestens 13 Millionen soll er kosten, und noch immer ist die Finanzierung nicht gesichert. Wenn er floppt, sagt er, könne er bei Bekannten anklopfen, ob er für sie eine Telenovela produzieren dürfe. Welbat hat 20 Schneider-Biografien gelesen, sämtliche Filme gesehen, fast alle Zeitzeugen gesprochen. Er produziert den Film Eine Frau wie Romy zusammen mit Raymond Danon, dem Produzenten vieler großer Schneider-Filme. Daniel Biasini, Schneiders letzter Ehemann, bekam Gänsehaut, als er ihm Catterfelds Aufnahmen in Danons Haus vorführte. 25 Jahre lang war ein Film über Romy an Biasinis Einspruch gescheitert. Jetzt sagte er nur: Die oder keine.

Es sei ihnen nie um äußere Ähnlichkeit gegangen, sagt Welbat. Sie suchten innere Parallelen. Yvonne habe Selbstzweifel, sagt er, das erinnere ihn an Romy. Auch Romy wurde in Deutschland belächelt, bevor sie nach Frankreich floh. Nichts habe sie mehr verletzt. Für die Deutschen war sie noch Sissi, als ihr die Franzosen schon längst als größter Schauspielerin des Jahrhunderts huldigten.

Aber kann Catterfeld Schneiders innere Zerrissenheit nachempfinden? Die privaten Dramen, die Abgründe, an denen sie vor aller Welt taumelte?

Catterfeld hat ihr Privatleben immer geschützt. Im Gespräch stellt sie viele Fragen. Wer viel fragt, muss nicht viel antworten. Man weiß wenig über sie, außer dass sie aus Erfurt kommt, ihr Abitur mit eins bestand und an der Musikhochschule in Leipzig Gesang studiert hat. Als Jugendliche hatte sie einen schweren Unfall – schwach erkennt man noch die Narben über ihren Brauen. Vielleicht muss man bei Catterfeld genauer hinschauen, um die Brüche zu erahnen.

Catterfeld war 14, als sie mit Freundinnen am Plattensee Urlaub machte. Sie liehen sich Motorroller, Catterfeld fuhr vorneweg in den Wind, und als sie wieder zu sich kam, hatte sie sich mehrfach überschlagen. »Sie hatte gerade ihre Weiblichkeit entdeckt«, sagt Andrea Schmerbauch, ihre beste Freundin. Es war ein Schock. Eine Woche lang lag Catterfeld allein in einem ungarischen Krankenhaus. Als sie heimkam, war ihr Gesicht fast völlig zerstört.

»Danach zog sie sich noch mehr zurück«, sagt Schmerbauch in einem Café in Erfurt.

Yvonne war ein stilles Mädchen, ernsthaft und schüchtern. Seit der sechsten Klasse saßen sie nebeneinander, und Schmerbauch zog sie immer mit. »Yvonne war eine Träumerin«, sagt die Freundin. Sie konnte durch die Stadt laufen und selbst Mitschüler übersehen. Im Turnunterricht stellte sie sich hinten an, sie drängte sich nie in den Vordergrund.

Catterfeld wuchs als Einzelkind in einer Plattenbauwohnung auf, der Vater war Dreher, die Mutter Lehrerin. Sie hätten es gern gesehen, wenn ihre Tochter eine Lehre gemacht hätte. Aber eines Tages beschloss Catterfeld, Klavier- und Gesangsunterricht zu nehmen. Sie bezahlte ihn vom Taschengeld. Man konnte sie schon immer leicht unterschätzen, sagt Schmerbauch. Ihr selbst sei erst klar geworden, dass ihre Freundin eine außergewöhnliche Gabe habe, als Yvonne auf dem Abi-Ball Oh Happy Day sang und es in der Aula mucksmäuschenstill wurde. »Man nennt das wohl Präsenz.«

Nach dem Abitur begann Andrea eine Banklehre, Yvonne studierte Musik. Ein paar Monate später saß sie in Andreas Zimmer, mit langen wasserstoffblonden Kunsthaaren und ihrem ersten Plattencover. Nur Catterfeld stand darauf. 2001 war das, Yvonne war bei einem Talentwettbewerb entdeckt worden. Andrea musste immer auf Yvonnes Haare starren. »Das bist du doch gar nicht«, sagte Andrea. »Ich weiß«, sagte Yvonne. Aber sie war 19, sie dachte, das müsse so sein.

Im Lied Bum sang Yvonne »Bum – so knallt Liebe rein / Bum – geht ab, explosiv ey«. Sie sang in halb leeren Hallen. Es war demütigend, sagt Andrea. Aber Yvonne sagte nur: Ich sammle Erfahrung. Als ihr kurz darauf eine Rolle in Gute Zeiten Schlechte Zeiten angeboten wurde, sagte Yvonne zu. Sie kannte die Serie nicht, sie wollte nie schauspielern. Doch sie wollte ihre Schüchternheit bezwingen.

Es dauerte nicht lange, da war sie die beliebteste Figur der Serie. Yvonne posierte für Männermagazine, Dieter Bohlen komponierte einen Hit für sie. Es gab Catterfeld-Kalender, Catterfeld-Autogrammkarten, einen Catterfeld-Fanclub. Ende 2003 hatte sie einen Echo, einen Bambi und sang für Kofi Annan.

Andrea und Yvonne sahen sich jetzt immer seltener. Andrea bekam ihr erstes Kind, Yvonne kam nur noch zum Schlafen nach Erfurt. Alle zwei Monate hatte sie mal einen freien Tag, in Menschenmengen bekam sie Angstzustände.

Wovor sie sich am meisten fürchtete? »Zu versagen«, antwortete sie in einem Interview.

»Die Managerin«, sagt Schmerbauch, »kontrollierte alles: Yvonnes Terminkalender, ihr Konto, ihr Privatleben.« Es war wie mit einem Kochtopf, der irgendwann überkochen musste. Als sie sich in Wayne Carpendale verliebte und die Managerin ihn ablehnte, wollte Yvonne endlich erwachsen werden.

»Die Trennung von der Managerin war eine harte Zeit für Yvonne«, sagt Schmerbauch. Catterfeld hatte ihr vertraut, sie war wie eine zweite Mutter gewesen. In der Öffentlichkeit sah man Catterfeld jetzt in Jeans und Rollkragenpullover, ihre Haare trug sie dunkel, auf Fotos lächelte sie seltener. Auf ihrer Platte Aura rechnete sie mit dem Leben in der Unterhaltungsindustrie ab. Das Album war ein Flop, ihr erster. Ein Popengel fliegt nicht mehr titelte die Bunte 2007, die Managerin begann eine Schlammschlacht vor Gericht. Im Sommer trennte Catterfeld sich von Carpendale. Sie hatte sich mit ihm für die Illustrierten im Bad ablichten lassen, sie hatte in Fernsehshows über ihre Beziehung gesprochen. Am Ende hatte sie vielleicht doch wieder nur fremde Bedürfnisse befriedigt.

Eigentlich hatte sie sich geschworen, dass ihr so etwas nie wieder passieren würde.

Jürgen Otterstein, ihr Manager, muss grinsen, wenn er an seine erste Begegnung mit ihr zurückdenkt. Drei Monate war Catterfeld damals durchs Land gereist, um einen neuen Manager zu finden, sie hatte sich eine Liste gemacht mit Namen. Otterstein war Nummer 14. »Es war eine Art Casting«, sagt er. Sie löcherte ihn mit Fragen, stellte Bedingungen. Er solle doch mal aufschreiben, wie er sich ihre künstlerische Zukunft vorstelle. Wo sehe er sie in zehn Jahren? Otterstein stutzte. Eine Bewerbung schreiben? Für eine 27-Jährige? Er war Europamarketingchef bei Warner gewesen, und jetzt war er ein gestandener Geschäftsführer. Aber er machte es. Drei Seiten schrieb er. »Manchmal hilft das ja auch, sich selbst zu fokussieren«, sagt er und grinst. Er sehe sie als Sängerin und Schauspielerin, schrieb er, beides gleichermaßen. Wie die Knef, die Dietrich, J-Lo oder die Streisand. Otterstein denkt nicht gern klein. Wenig später hatte er den Job.

Sie arbeiteten zusammen einen Plan aus. Otterstein war überrascht von ihrer Zielstrebigkeit. Nie wieder Kompromisse. Als man ihr wieder und wieder Pilcher anbot, blieb Catterfeld standhaft. Anspruchsvollere Rollenangebote ließen auf sich warten.

Man habe ihr Potenzial nicht erkannt, sagt Otterstein. Er sitzt in einer alten Hamburger Konditorei, ein Mann in den Fünfzigern, offenes Hemd unter Nadelstreifen. Was ihn selbst von ihr überzeugt hat? Sie habe diesen Macherinstinkt, sagt er. Als sie noch in der ARD-Telenovela Braut wider Willen spielte, erzählt Otterstein, war sie morgens um fünf in der Maske, abends um zehn hatte sie einen Auftritt in der Arena auf Schalke. Weil der Flieger verspätet war, kam sie in letzter Sekunde im Stadion an. Sie kannte die Band nicht, keine Zeit mehr für Proben, aber sie ging raus und sang live vor 14000. Sie war so gut wie nie.

»Talent haben viele!«, sagt er. »Aber Yvonne brennt. Sie will ihre Grenzen verschieben.« Das mache den Unterschied.

Als Yvonne Catterfeld die Nachricht, dass sie die Romy-Schneider-Rolle bekommen hat, von Otterstein am Telefon erfuhr, setzte sie sich ins Auto und fuhr weinend durch Berlin. Eine Woche lang behielt sie es für sich. Es war zu wertvoll.

»Vielleicht war ja doch alles für etwas gut«, sagt Catterfeld am Ende des Gesprächs im Café. »Vielleicht musste alles geschehen, damit ich reif dafür bin.« Drei Stunden hat sie geredet, und ihre Augen sind feucht geworden, als es um Romy ging. Ihre lebenslange Suche nach der Liebe des Vaters. Alain Delon. Die große, nie gestillte Sehnsucht nach Anerkennung.

Seit über einem Jahr beschäftigt Catterfeld sich täglich mit Schneider. Sie nimmt Französischunterricht, liest Bücher. Für den Sommer sind die Dreharbeiten geplant.

Natürlich kommt das alles zu früh, könnte man sagen. Natürlich hat sie noch nie eine solche Hauptrolle gespielt. In einem Kinofilm. Einer internationalen Produktion. Aber Catterfeld ist mutig. Sie wirft ihr Herz voraus, hatte Andrea Schmerbauch gesagt.

Am Ende, als wir das Café verlassen, läuft sie neben einem her. Nach fünfzig Metern sagt sie: »Sorry, ich muss eigentlich in die andere Richtung.« Sie lächelt. Und als sie weg ist, bleibt das Gefühl, sie schützen zu wollen: vor den anderen und vor sich selbst.

 
Leser-Kommentare
  1. Warum man dem Soapstarhascherl Yvonne C. solch einen Artikel widmet, ist nicht nachvollziehbar. Siel lehnt Pilcher ab, dreht jedoch Schmonzetten für Sat1. Ausser der optischen Ähnlichkeit hat sie nichts von Romy Schneider. Laut Produzent Welbat wurde viel Geld an Herrn Biasini gezahlt, dass dieser Yvonne C. akzeptiert. An dieser Stelle hätte mich die Biographie einer Jessica Schwarz, die dieser Legende viel näher kommt, interessiert – eine ernsthafte und tiefgründige Person, die schon längst für eine TV Verfilmung der Schneider vor der Kamera stand, und vor allem ist sie eins: SCHAUSPIELERIN!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • yato
    • 04.01.2009 um 15:38 Uhr

    ...und zwar ihre Natürlichkeit und Unbeschwertheit, ihre Romantik, ihre "kindliche Seele" die Romy Schneider erst populär gemacht hat z.B. in ihren Sissy Filmen.

    Für alle, deren Sinn für Romantik noch nicht in Zynismus und Enttäuschung ertränkt wurde sind Frauen wie die frühere Romy Schneider und die heutige Yvonne C. ein seltenes Gut.

    Yvonne C. ist momentan wie die damalige Romy dabei dieses Kindlein Image abzuschütteln, denn Bambi wird in unserer Raubtierwelt stets von den bösen Wölfen etweder gefressen oder instrumentalisiert oder nicht ernst genommen.

    Ich finde Yvonne C eine hervorragende Besetzung für einen Film über Romy Schneider!

    Du sagst: "Warum man dem Soapstarhascherl Yvonne C. solch einen Artikel widmet, ist nicht nachvollziehbar. Siel lehnt Pilcher ab, dreht jedoch Schmonzetten für Sat1. Ausser der optischen Ähnlichkeit hat sie nichts von Romy Schneider"

    Mal eine Frage: Kennst Du Yvonne Catterfeld wirklich ? Hast Du jemals mit Ihr persönlich gesprochen ? Hast Du (ich denke jetzt mal weiter) eine entsprechende Ausbildung, um beurteilen zu können, ob sie die Begabung und Fähigkeiten hat, um diese große Rolle spielen zu können ?

    Du sagst:"Siel lehnt Pilcher ab, dreht jedoch Schmonzetten für Sat1."
    Du würdest also jeden Job machen? Hast Du noch nie etwas abgelehnt?

    Mein Fazit aus Deinem Beitrag: Wenn man keine Ahnung hat ... !

    Ich wünsche Yvonne von ganzen Herzen, dass sie ihre Erfüllung in dieser Verfilmung findet. Und ich bin davon überzeugt, dass sie durch harte Arbeit, diesen Ruhm auch verdient hat. Denn dieser ist ihr gewiss!

    • yato
    • 04.01.2009 um 15:38 Uhr

    ...und zwar ihre Natürlichkeit und Unbeschwertheit, ihre Romantik, ihre "kindliche Seele" die Romy Schneider erst populär gemacht hat z.B. in ihren Sissy Filmen.

    Für alle, deren Sinn für Romantik noch nicht in Zynismus und Enttäuschung ertränkt wurde sind Frauen wie die frühere Romy Schneider und die heutige Yvonne C. ein seltenes Gut.

    Yvonne C. ist momentan wie die damalige Romy dabei dieses Kindlein Image abzuschütteln, denn Bambi wird in unserer Raubtierwelt stets von den bösen Wölfen etweder gefressen oder instrumentalisiert oder nicht ernst genommen.

    Ich finde Yvonne C eine hervorragende Besetzung für einen Film über Romy Schneider!

    Du sagst: "Warum man dem Soapstarhascherl Yvonne C. solch einen Artikel widmet, ist nicht nachvollziehbar. Siel lehnt Pilcher ab, dreht jedoch Schmonzetten für Sat1. Ausser der optischen Ähnlichkeit hat sie nichts von Romy Schneider"

    Mal eine Frage: Kennst Du Yvonne Catterfeld wirklich ? Hast Du jemals mit Ihr persönlich gesprochen ? Hast Du (ich denke jetzt mal weiter) eine entsprechende Ausbildung, um beurteilen zu können, ob sie die Begabung und Fähigkeiten hat, um diese große Rolle spielen zu können ?

    Du sagst:"Siel lehnt Pilcher ab, dreht jedoch Schmonzetten für Sat1."
    Du würdest also jeden Job machen? Hast Du noch nie etwas abgelehnt?

    Mein Fazit aus Deinem Beitrag: Wenn man keine Ahnung hat ... !

    Ich wünsche Yvonne von ganzen Herzen, dass sie ihre Erfüllung in dieser Verfilmung findet. Und ich bin davon überzeugt, dass sie durch harte Arbeit, diesen Ruhm auch verdient hat. Denn dieser ist ihr gewiss!

    • yato
    • 04.01.2009 um 15:38 Uhr

    ...und zwar ihre Natürlichkeit und Unbeschwertheit, ihre Romantik, ihre "kindliche Seele" die Romy Schneider erst populär gemacht hat z.B. in ihren Sissy Filmen.

    Für alle, deren Sinn für Romantik noch nicht in Zynismus und Enttäuschung ertränkt wurde sind Frauen wie die frühere Romy Schneider und die heutige Yvonne C. ein seltenes Gut.

    Yvonne C. ist momentan wie die damalige Romy dabei dieses Kindlein Image abzuschütteln, denn Bambi wird in unserer Raubtierwelt stets von den bösen Wölfen etweder gefressen oder instrumentalisiert oder nicht ernst genommen.

    Ich finde Yvonne C eine hervorragende Besetzung für einen Film über Romy Schneider!

    Antwort auf "Yvonne C. bleibt Soapy"
  2. .. da sie dieser Rolle nie gerecht werden kann. Tiefgang, Leidenschaft, Intelligenz - das scheint mir bei Yvonne C. zu fehlen. Der Film ist jetzt schon dem Untergang geweiht. Deshalb steht sicherlich auch die Finanzierung nicht. Ich persönlich hätte lieber eine Marie Bäumer als Romy gesehen. In Frankreich wurde schon in den Medien angekündigt, dass dies aufgrund der Besetzung kein Erfolg werden kann.

  3. Du sagst: "Warum man dem Soapstarhascherl Yvonne C. solch einen Artikel widmet, ist nicht nachvollziehbar. Siel lehnt Pilcher ab, dreht jedoch Schmonzetten für Sat1. Ausser der optischen Ähnlichkeit hat sie nichts von Romy Schneider"

    Mal eine Frage: Kennst Du Yvonne Catterfeld wirklich ? Hast Du jemals mit Ihr persönlich gesprochen ? Hast Du (ich denke jetzt mal weiter) eine entsprechende Ausbildung, um beurteilen zu können, ob sie die Begabung und Fähigkeiten hat, um diese große Rolle spielen zu können ?

    Du sagst:"Siel lehnt Pilcher ab, dreht jedoch Schmonzetten für Sat1."
    Du würdest also jeden Job machen? Hast Du noch nie etwas abgelehnt?

    Mein Fazit aus Deinem Beitrag: Wenn man keine Ahnung hat ... !

    Ich wünsche Yvonne von ganzen Herzen, dass sie ihre Erfüllung in dieser Verfilmung findet. Und ich bin davon überzeugt, dass sie durch harte Arbeit, diesen Ruhm auch verdient hat. Denn dieser ist ihr gewiss!

    Antwort auf "Yvonne C. bleibt Soapy"

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  • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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