Kosmos Barsche im Weltall

Urnen aus dem Schwarzwald, Schnecken aus Georgien: Was der Mensch loswerden oder erforschen will, schießt er in den Himmel

Der gemeine Heubazillus und die in Salzlagern entdeckte Mikrobe Archaee Halococcus dombrowskii dürfen im europäischen Columbus-Labor an einem Überlebensexperiment im Weltall teilnehmen. Genauso die Samen des Virginiatabaks, Pilzsporen und Flechten. Viren, Bakterien, Spinnen waren schon an Bord der Raumstation ISS. Schnecken, trächtige Schwertträger-Weibchen aus Hohenheim und Kaulquappen aus Ulm, Rosen und Seidelbastgewächse sind als Testobjekte von Astrobiologen durch den Weltraum geflogen. Und natürlich Ratten (im 30 Millionen Dollar teuren Käfig).

Aber ausgerechnet der Fernsehheld Scotty, Techniker auf dem Raumschiff Enterprise, hat es nie geschafft: Der Scotty-Darsteller James Doohan wünschte sich, dass zumindest seine Asche den Weg in den Himmel fände. Doch die Rakete mit der Urne explodierte.

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Seit zehn Jahren planen viele Prominente ihre außerirdische Existenz nach dem Tod. Der erste Bestattungsflug brachte die Asche von Star Trek- Erfinder Gene Roddenberry und LSD-Propagandist Timothy Leary ins All. Kurze Zeit später schlug die Urne des Astronomen Eugene Shoemaker auf dem Mond auf. Und 1999 bestattete eine amerikanische Firma die erste deutsche Kundin im Weltraum: Carola Krause aus Unterreichenbach im Schwarzwald.

11.000 Euro kostet der Bestattungsflug im Basisangebot (7 Gramm Asche in der Mikro-Urne, inklusive Video vom Abschuss). Bis zu 25000 Euro muss man für eine Reise zum Mond oder durch den Kosmos bezahlen. Wer eine halbe Million Euro ausgibt, kann eine ganze Urne ins All schießen lassen.

Die Urnen im Weltraum sind nur die letzte Konsequenz des Menschheitstraums, das Universum zu erobern. Wegen dieses Traums gibt es seit der Steinzeit die Astronomie und seit über einem halben Jahrhundert die Raumfahrt. Mit der Sonde Voyager 1 halten wir uns schon in 16 Milliarden Kilometer Entfernung auf – und erreichen in wenigen Jahren erstmals den interstellaren Raum.

Der Himmel hängt voller Technik, mit der wir unseren Wirkungskreis stetig vergrößern. Rund 5500 Objekte hat der Mensch bislang ins All geschossen – darunter Erdbeobachtungs-, Nachrichten- und Amateurfunksatelliten, Fernseh-, Astrometrie-, Spionagesatelliten und vermutlich auch ein paar Killersatelliten. Diese sind mit Hochenergie-Lasern oder Atomsprengköpfen bestückt und können feindliche Exemplare beseitigen – offiziell jedoch sind sie nie verschickt worden. Heute sind rund 800 bekannte aktive Satelliten im Orbit. Davon betreiben die USA die Hälfte. Allein für das Global Positioning System (GPS) sind 31 Satelliten im Einsatz.

Leser-Kommentare
  1. Euch fehlt die Raumreife, dammit
    ET

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  • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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