Selten so schön gedacht

Die Römer besiegen, die Mauer umwerfen: Die interessanten Gedenkveranstaltungen 2009 Von Christine dohler

2000 Jahre Varusschlacht

»Quintilius Varus, gib die Legionen zurück!« Das soll Kaiser Augustus ausgerufen haben, als er von der Niederlage seiner Truppen gegen die Germanen im Teutoburger Wald erfuhr. Der Sieg über die Römer anno 9 nach Christus blieb allerdings unwiderruflich und wird nun zur 2000. Wiederkehr dieses Ereignisses im ganzen Osnabrücker Land gefeiert. Imperium-Konflikt-Mythos heißt die Ausstellung, die vom 15. Mai bis 25. Oktober an drei Originalschauplätzen der Schlacht stattfindet: In Haltern am See, Detmold und Kalkriese präsentieren die Museen archäologische Funde, leuchten die historischen Hintergründe aus und die Auswirkungen der Schlacht auf die deutsche und europäische Geschichte. Das ganzjährige Rahmenprogramm bietet Musik, Theater, Vorträge. Und vom 11. bis 14. Juni können die Besucher auf den Römer- und Germanentagen in Kalkriese selbst in die Rollen ihrer Vorfahren schlüpfen.

Information: Lippisches Landesmuseum, 32756 Detmold, Tel. 05231/9925400, www.varusschlacht2009.de, www.kalkriese-varusschlacht.de

90 Jahre Bauhaus

Die Avantgarde wurde in Thüringen geboren, als Walter Gropius 1919 das Staatliche Bauhaus gründete. Den 90. Geburtstag der einflussreichen Gestaltungsschule begeht das Bundesland mit Sonderausstellungen, Jazzkonzerten und Vorträgen über die Meister des Designs. Die Klassik Stiftung Weimar veranstaltet vom 31. März bis 22. Juli die Übersichtsschau Das Bauhaus kommt aus Weimar an sechs verschiedenen Stationen in der Stadt. Im ganzen Weimarer Land wird es Architekturrundgänge, Filme oder Workshops zum Thema Stricken oder Weben im Bauhausstil geben, in Jenas »Langer Nacht der Museen« (15. Mai) können Jugendliche aktuelle Produkte auf ihre Zweckmäßigkeit nach den Bauhaus-Prinzipien überprüfen. Ausstellungsbesucher erhalten die Bauhaus-Card, die ihnen den kostenlosen Zugang zu weiteren Kultur- und Freizeitangeboten in Thüringen ermöglicht. Dabei steht nicht alles im Zeichen des Designs. Auch ein Abstecher ins erste deutsche Bratwurstmuseum nach Erfurt ist im Angebot. Pauschalreisepakete (ab 89 Euro für zwei Tage) kann man über die regionalen Fremdenverkehrsämter buchen.

Information: Tourist Information Thüringen, Tel. 0361/37420, www.thueringen-tourismus.de. Tourist- Information Weimar, Tel. 03643/7450, www.weimar.de, Ausstellungen unter www.bauhaus2009.de

1000 Jahre Wikinger

Jeder, der die Zeichentrickserie Wickie und die starken Männer kennt, hat ein bestimmtes Bild von Wikingern im Kopf: rohe, bärtige Männer auf See, die ein Abenteuer nach dem anderen bestreiten. In der ersten Jahreshälfte können Interessierte im Historischen Museum der Pfalz Speyer in die wirkliche tausendjährige Lebenswelt der Wikinger eintauchen und sich über die Ergebnisse der aktuellen Forschung informieren. Museumsbesucher sehen, wie ein Wikingerschiff gebaut wird oder eine Handwerkergasse aus der Zeit der Nordmänner ausgesehen hat. Und natürlich gibt es auch viele Schätze zu besichtigen: Rund 300 Leihgaben, darunter kostbarer Schmuck, Runensteine, Waffen und Münzen, sind bis zum 12. Juli 2009 ausgestellt. Parallel findet noch bis zum 26.April im Jungen Museum Speyer die Mitmachausstellung Mit den Wikingern auf großer Fahrt für die ganze Familie statt: Kinder entdecken die Welt des Leif Eriksson und treten eine Zeitreise ins Jahr 1000 an, als der alte Wikinger mit seinem Schiff bis nach Amerika kam.

Information: Historisches Museum der Pfalz Speyer und Junges Museum Speyer, Domplatz, 67346 Speyer, Tel. 06232/13250, www.museum.speyer.de, www.wikinger.speyer.de

20 Jahre Mauerfall

Was ist vom alten Berlin geblieben? Wie hat die Stadt sich seit dem Mauerfall verändert? Im Jahr 2009 bieten sich dem Spurensucher unbegrenzte Möglichkeiten. Vom 7. Mai bis 14. November 2009 steht die Open-Air-Ausstellung Friedliche Revolution auf dem Alexanderplatz zur kostenlosen Besichtigung frei. Sie wird von der Robert-Havemann-Gesellschaft organisiert, lässt Zeitzeugen zu Wort kommen und würdigt die Ereignisse der Jahre 1989/90 auf riesigen Fotowänden. An wechselnden Orten beleuchtet das Projekt Schauplätze – 20 Jahre Berlin im Wandel (28. Januar bis 9. November) die urbane Entwicklung. Mit einem überdimensionalen roten Pfeil wird auf Gebäude am Potsdamer Platz oder im Zentrum Helle Mitte hingewiesen, während Projektionen und Lichtinstallationen die Veränderungen auf den Fassaden markieren. Kern dieser Präsentation ist eine mobile Info-Box mit Aussichtsplattform und Café. Das Museum für Film und Fernsehen in Berlin zeigt von Mai bis November die Ausstellung Wir waren so frei, die Ansichten von Beteiligten und Beobachtern des Mauerfalls gegenüberstellt. Und am 9. November lädt die Hauptstadt

zum »Fest der Freiheit« ein: Zur Feier des Tages werden überdimensionale Dominosteine, die den ehemaligen Grenzverlauf symbolisieren, zu Kippfiguren und fallen – wie einst die Mauer.

Information: Kulturprojekte Berlin, Tel. 030/24749888, www.mauerfall09.de

800 Jahre Magdeburger Dom

Endlich wird er nicht mehr eingerüstet sein! Zu seinem 800. Geburtstag zeigt sich der Magdeburger Dom in seiner restaurierten Pracht. In der Festwoche vom 20. bis 29. September 2009 wird in Deutschlands erstem gotischen Sakralbau, in dem Otto der Große begraben liegt, die größte Orgel Sachsen-Anhalts erklingen. Auch eine musikalische Vesper mit dem Magdeburger Domchor erwartet die Besucher. Für den Höhepunkt des Jubiläumsjahres sorgt die Ausstellung 1209 – Aufbruch in die Gotik. Der Magdeburger Dom und die späte Stauferzeit. Sie findet im Kulturhistorischen Museum Magdeburg vom 31. August bis zum 6. Dezember statt und präsentiert Fundstücke von Ausgrabungen aus acht Jahrhunderten.

Information: Dom zu Magdeburg, Tel. 0391/5410436, www.magdeburgerdom.de Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Tel. 0391/535480, www.gotik2009.de

250 Jahre Händel

Ein Halleluja für Händel. Sein 250. Todesjahr zelebriert Halle an der Saale, die Heimatstadt des Barockstars. Schon von Februar an werden Filme, Oratorien und Opern aufgeführt. Doch das bedeutendste Datum ist der 19. April – der Tag, an dem Georg Friedrich Händel starb. Dann veranstaltet Halle seinem berühmtesten Bürger zu Ehren einen »Special Day« in der Marktkirche, der von vierzig europäischen Rundfunkanstalten übertragen wird. Unter der musikalischen Leitung des MDR-Chorleiters Howard Arman rekonstruieren Sänger und Orchester das Gedächtniskonzert von Westminster Abbey, zu dem 1784 an Händels 100. Geburtstag aufgespielt wurde. Weil der Jubilar fast ein halbes Jahrhundert lang in England lebte und dort seine bedeutendsten Kompositionen vollendete, firmiert Königin Elisabeth II. vom 4. bis 14. Juni als Schirmherrin der Händel-Festspiele. Auf dem Programm stehen ausgesuchte Opern wie Floridante und Rodelinda .

Information: Händel-Festspiele, Ticketservice 0345/5652706, www.haendelfestspiele.halle.de

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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