Der letzte Star

Forsche Banker verlieren gerade ihre Jobs. Nicht Josef Ackermann

Wer erinnert sich eigentlich noch an Charles »Chuck« Prince? Den mächtigen Chef der Citigroup, der zu Beginn der Bankenkrise sagte, man müsse »tanzen«, solange die Musik spielt? An James »Jimmy« Cayne, den Chef von Bear Stearns, der sich auf dem Golfplatz herumtrieb, während seine Bank kollabierte? An Richard »Dick« Fuld, den autoritären Alleinherrscher von Lehman Brothers?

Sie sind weg, die Starbanker. Brave Sanierer und biedere Verwalter sitzen jetzt in den Zentralen der Finanzkonzerne. Sie mögen keine Neuerungen wie Derivate und Credit Default Swaps. Sie machen Geschäfte mit dem Mittelstand. Wenn überhaupt. Ein hartgesottener Investmentbanker nach dem anderen bedankt sich in diesen Tagen artig beim Staat und bei seinen Beamten für empfangene Hilfe, mancher Finanzmanager philosophiert schon selber über die Zähmung des Kapitalismus.

Nicht so bei der Deutschen Bank. Dort sitzt immer noch Josef Ackermann. Völlig unzeitgemäß und fast ein bisschen bockig. »Schämen« würde er sich, sagte der Deutschbanker, wenn er in diesen Tagen auf staatliche Finanzhilfen angewiesen wäre. Eine neue Weltfinanzordnung? Bitte keine Überregulierung, sagt Ackermann. Der Finanzkapitalismus? Hat, man möge das doch nicht vergessen, viel Wohlstand geschaffen.

In der Öffentlichkeit kommt diese Haltung derzeit nicht besonders an. Die Beziehungen des Schweizer Bankers zur Bundeskanzlerin Angela Merkel sind deutlich abgekühlt, und der Berliner Bischof Wolfgang Huber schalt das 25-Prozent-Renditeziel als Götzendienst.

Immerhin stimmten bei Ackermann anders als bei Fuld & Co. bis jetzt die Zahlen. Im Februar, viele Wettbewerber wanden sich da schon im Todeskampf, legte die Deutsche Bank ein Rekordergebnis vor. Natürlich hat auch sie mit riskanten US-Wertpapieren gezockt – aber diese rechtzeitig an die IKB, die Sachsen LB und all die anderen verkauft.

Die nächsten Monate werden allerdings härter. Die Krise hat inzwischen auch die Deutsche Bank voll erwischt. Es ist nicht mehr auszuschließen, dass auch sie irgendwann auf staatliche Stütze angewiesen sein wird. Vor einigen Tagen hat Ackermann bei der Kanzlerin schon einmal angefragt, ob die Regierung eventuell bereit sei, den Banken faule Wertpapiere zu einem guten Preis abzukaufen. Mark SchierItz

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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