Altersvorsorge Die Rente ist sicherNiemand

Banken wanken, und die Kurse stürzen ab, aber die gesetzliche Alterssicherung erweist sich als erfreulich stabil

Eigentlich müsste sich Herbert Rische keine Gedanken darüber machen, wie die Deutschen ihr Geld anlegen. Er ist kein Banker, sondern Präsident der Deutschen Rentenversicherung. Da könnte es ihm gleichgültig sein, ob und wie die Menschen sparen – zumal Rische von Berufs wegen kein Fachmann für die Geldanlage ist. In der Rentenversicherung wird das Geld, das hereinkommt, gleich wieder ausgegeben. Was die Arbeitgeber anstelle der Beitragszahler Monat für Monat abführen, wird umgehend an die Rentner ausgezahlt. Angespart wird da nichts.

Und doch macht sich Rische neuerdings Gedanken um die Sparentscheidungen seiner Klientel. Der Chef des gesetzlichen Rentensystems will die Menschen mit seinen Mitarbeitern stärker als bisher dabei unterstützen, dass sie sich privat etwas zurücklegen. Seit den Reformen der Jahre 2001 und 2004 können die Versicherten nicht mehr darauf bauen, dass die Rente ausreichen wird, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Sie müssen daher zusätzlich sparen. Mit staatlichem Zuschuss und, wenn sie wollen, unter Anleitung.

»Es geht um unsere Versicherten«, sagte Rische jüngst auf einer Veranstaltung der Rentenversicherung, »von daher halten wir es auch für unsere ureigenste Aufgabe, sie beim Aufbau entsprechender Vorsorgekompetenz zu unterstützen.« Dann allerdings folgten die Einschränkungen. Man könne die Versicherten natürlich nur allgemein »über Vorsorgemöglichkeiten und die damit zusammenhängenden Chancen und Risiken« beraten, so Rische. Schnell umsetzbare Tipps zur privaten Rente dürfen die Bürger demnach von den Mitarbeitern der staatlichen Rentenversicherung auch in Zukunft nicht erwarten. »Eine konkrete Produktberatung, bezogen auf Einzelprodukte, darf und kann nicht vorgenommen werden«, sagte der Rentenpräsident.

Und so müssen die Leute also weiter auf die Berater bei der Bank vertrauen oder den freundlichen Herrn von der Versicherung. Das allerdings kann teuer werden. Viele Geldanleger haben 2008 erfahren müssen, wie schnell ihre Ersparnisse bei den Banken und auf den Kapitalmärkten dahinschmelzen oder sogar ganz verloren gehen.

Falsch beraten und getäuscht fühlen sich insbesondere jene Anleger, die Zertifikate der US-Investmentbank Lehman Brothers gekauft haben. Bei solchen Papieren, deren Name Sicherheit verheißt und die häufig als Kapitalschutzprodukte beworben wurden, handelt es sich um Schuldverschreibungen, die nicht versichert und im Fall einer Bankpleite kaum noch etwas wert sind. Der Schaden durch die Lehman-Zertifikate dürfte sich auf einige Hundert Millionen Euro belaufen. Immerhin scheint inzwischen klar zu sein, dass die deutschen Kunden der insolventen Kaupthing-Bank aus Island ihr Geld irgendwann zurückbekommen werden – jedenfalls dann, wenn sie einen Antrag auf Entschädigung an das isländische Einlagensicherungssystem geschickt haben.

Auch viele Kleinsparer, die ihr Geld nicht bei einer Pleitebank hatten, haben in der Finanzkrise Federn gelassen. An den Aktienmärkten der Welt lösten sich im abgelaufenen Jahr umgerechnet mehr als 20 Billionen Euro in Luft auf. Anleihen von großen und als stabil geltenden Unternehmen verfielen drastisch im Wert. An den Rohstoffmärkten schossen die Preise erst in die Höhe, dann fielen sie in sich zusammen. Und sogar Geldmarktfonds, die lange als besonders sichere Parkplätze für das Gesparte galten, wiesen zeitweilig Wertverluste auf. Nicht einmal Pfandbriefe, die Witwen- und Waisenpapiere schlechthin, blieben von den Turbulenzen unberührt.

Um in solchen Zeiten ungeschoren zu bleiben, brauchte es ganz offensichtlich erheblich mehr »Vorsorgekompetenz« (Rische), als sie der Otto Normalsparer hat oder in Volkshochschulkursen noch erwerben kann. Wenn sich die Kapitalmärkte in Kasinos verwandeln, helfen gute Ratschläge kaum mehr weiter. In dieser Situation erweist sich dagegen als Glücksfall, dass das System der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland nicht am Auf und Ab der Aktienpreise und Zinsen hängt.

Der Kursrutsch an den Börsen, die Krise der Banken, die Verkaufswelle bei Investmentfonds – all das hat die Rentenkassen so gut wie nicht berührt. Im Gegenteil: Das in den vergangenen Jahren viel geschmähte und häufig für nicht zukunftssicher erklärte System der Altersvorsorge im Umlageverfahren erweist sich einmal mehr als eine feste Säule der sozialen Stabilität.

Die Gewerkschafterin Annelie Buntenbach, Mitglied des DGB-Bundesvorstands und Vorsitzende des Vorstandes der Rentenversicherung, registriert neuerdings einen »Ansehenszuwachs« dieser staatlich reglementierten Form der Altersvorsorge. Und auch der Systemkritiker Bernd Raffelhüschen räumte ein, dass das Umlagesystem anders als die private Vorsorge »robust gegenüber Finanzmarktkrisen« ist.

Die Rente ist sicher? Jedenfalls mussten sich diejenigen, die gegenwärtig mit den monatlichen Überweisungen ihr Leben ganz oder teilweise bestreiten, um die Sicherheit ihrer Renten keine Sorgen machen. Im Juli wurden die Bezüge immerhin um 1,1 Prozent erhöht. Und im kommenden Jahr, so hat die Rentenversicherung jüngst hochgerechnet, könnten die Renten sogar um 2,75 Prozent steigen.

Der Befund ist eindeutig: Im 51. Jahr ihres Bestehens ist die gesetzliche Rente in einer guten, stabilen Verfassung. Bis 1957 war die Rente nur ein Zuschuss, dann wurde sie für pensionierte Arbeitnehmer zum Lohnersatz. Die Verteilung der Gelder zwischen der aktiven und der inaktiven Generation erfolgt seither nach einem komplizierten, aber einigermaßen gerechten Prinzip.

Die Alten erhalten eine Rente, die sich sowohl am Arbeitseinkommen ihrer aktiven Zeit orientiert als auch an der allgemeinen Lohnentwicklung in der Zeit, in der sie eine Rente beziehen. Die Rentner werden nicht abgehängt, sondern nehmen teil an der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung während ihres Ruhestandes. Auch in Zeiten der Inflation sind die Rentner auf der ziemlich sicheren Seite. Die gesetzliche Rente ist im Gegensatz zu den meisten anderen Formen der Altersvorsorge an die Löhne gekoppelt und so vor einer Geldentwertung geschützt.

Zu den wenig beachteten, aber wichtigen Vorzügen des staatlichen Rentensystems gehört, dass niemand daran Geld verdient. Es gibt keine Möglichkeit für Vermittler, Berater und Verkäufer der Finanzbranche, Mittel aus dem Topf für sich selbst abzuzweigen. Keine Provisionen, keine Gebühren, keine Werbung. Die Rentenversicherung arbeitet ausgesprochen effizient. Die Verwaltung kostet nur 1,1 Prozent der Auszahlungen.

Durch die Reformen von 2001 und 2004 wurden die Beiträge zur Rentenversicherung gedeckelt, dadurch werden sich die zukünftigen Renten der heutigen Beitragszahler deutlich vermindern. Niemand wird allein mit der Rente im Alter so leben können, wie er es aus seinem Berufsleben gewöhnt war. Gutverdienende hatten dieses Problem allerdings schon immer.

Seit 2002 fördert der Staat die private Vorsorge, vor allem mit den sogenannten Riesterrenten. Zwölf Millionen Bürger haben seither solche Sparverträge abgeschlossen, die es in verschiedenen Formen gibt. Die große Mehrheit (9,3 Millionen) hat sich dabei für Versicherungen entschieden. 2,2 Millionen Menschen haben Fondssparpläne abgeschlossen und 520.000 Banksparverträge.

Jetzt kam allerdings Erschreckendes heraus: Fast eine Million der staatlich geförderten Rentenversicherungen wurden schon wieder gekündigt. Die Abbrüche bedeuten hohe Verluste. Sparer, die ihren Vertrag beenden, weil sie sich bei einem anderen Anbieter besser aufgehoben fühlen, zahlen gleich zweimal die Abschlusskosten; diese werden über die ersten fünf Jahre verteilt. Aber selbst vertragstreue Vorsorgesparer kommen mit manchen Riesterprodukten auf keinen grünen Zweig, wie Verbraucherschützer berichten. Die Kosten der Verträge sind teilweise so hoch, dass die staatlichen Hilfen davon komplett aufgefressen werden.

 
Leser-Kommentare
  1. "Zu den wenig beachteten, aber wichtigen Vorzügen des staatlichen Rentensystems gehört, dass niemand daran Geld verdient."
    Nun raten wir mal, warum Riester, Rürup, Miegel, Raffkehüschken & Co. dieses System in allen erreichbaren Talkshows - und sie waren Dauergäste - mit Begeisterung schlecht geredet und die "private Vorsorge" propa"giert" haben?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 05.01.2009 um 16:37 Uhr

    Der Profiteur ist nur nicht ein Unternehmen, sondern die Politik und deren Vertreter.
    Der Mechanismus ist ansonsten der Selbe, abgesehen davon, dass die Beteiligung der Politik noch weniger nach Zweckmäßigkeit und Erfolg funktioniert als bei einem Unternehmen, das sich der Konkurrenz stellen muss.

    Nun raten sie mal, warum die Einen das privatisieren wollen und die Anderen den staatlichen Einfluss schützen wollen.
    Was dabei rauskommt ist genau die Art von faulem Kompromiss und ineffizienter Systemvermischung die bei uns dann dabei rauskommt.

    Berthold Grabe

    • Anonym
    • 05.01.2009 um 16:37 Uhr

    Der Profiteur ist nur nicht ein Unternehmen, sondern die Politik und deren Vertreter.
    Der Mechanismus ist ansonsten der Selbe, abgesehen davon, dass die Beteiligung der Politik noch weniger nach Zweckmäßigkeit und Erfolg funktioniert als bei einem Unternehmen, das sich der Konkurrenz stellen muss.

    Nun raten sie mal, warum die Einen das privatisieren wollen und die Anderen den staatlichen Einfluss schützen wollen.
    Was dabei rauskommt ist genau die Art von faulem Kompromiss und ineffizienter Systemvermischung die bei uns dann dabei rauskommt.

    Berthold Grabe

  2. Der Chef des gesetzlichen Rentensystems will die Menschen mit seinen Mitarbeitern stärker als bisher dabei unterstützen, dass sie sich privat etwas zurücklegen.

    In der Tat ein Skandal wie mit den Mitgliedsbeiträgen der Rentenversicherten auch noch Werbung für die Privaten gemacht wird (die ja ohnehin schon mit Steuermilliarden subventioniert werden - siehe mistablistas Kommentar).

  3. Der Kursrutsch an den Börsen, die Krise der Banken, die Verkaufswelle bei Investmentfonds – all das hat die Rentenkassen so gut wie nicht berührt.

    Noch nicht. Die Rentenkassen werden aus den Bruttolöhnen und aus dem Steueraufkommen finanziert. Noch hält sich der Arbeitsmarkt, und noch haben die ganzen Banken- und Konjunkturstabilisierungspakete nicht wirklich ein Loch in die Staatskasse gerissen.

    Das wird sich beides ändern, wenn die Finanzkrise im Jahr 2009 in der Realwirtschaft ankommt (sprich: Wenn es zu Entlassungen kommt und der Staat bei der Konjunktur mit echten Zahlungen gegensteuern muss). Dann wird es für die Rentenkasse auch nicht mehr so gut aussehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich dachte die "Rentenkasse" ist unabhängig von der "Staatskasse"?
    Aber hohe Arbeitslosigkeit sollte zumindest dann die Rentenkasse treffen, soweit Sie sich auf Jobs auswirkt, die Sozialversicherungspflichtig sind.

    Ich dachte die "Rentenkasse" ist unabhängig von der "Staatskasse"?
    Aber hohe Arbeitslosigkeit sollte zumindest dann die Rentenkasse treffen, soweit Sie sich auf Jobs auswirkt, die Sozialversicherungspflichtig sind.

  4. Ich dachte die "Rentenkasse" ist unabhängig von der "Staatskasse"?
    Aber hohe Arbeitslosigkeit sollte zumindest dann die Rentenkasse treffen, soweit Sie sich auf Jobs auswirkt, die Sozialversicherungspflichtig sind.

    Antwort auf "Abwarten"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich dachte die "Rentenkasse" ist unabhängig von der "Staatskasse"?

    So war das mal gedacht. Tatsächlich gab der Bund 2005 fast 30% seines Haushalts für diverse Zuschüsse an die Rentenversicherung aus. Das waren fast 80 Mrd. EUR, oder ca. 45% der Beitragseinnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung. In der Praxis ist die Rentenversicherung auf beide Einnahmequellen (sozialversicherungspflichtige Jobs und Steueraufkommen) angewiesen.

    Ich dachte die "Rentenkasse" ist unabhängig von der "Staatskasse"?

    So war das mal gedacht. Tatsächlich gab der Bund 2005 fast 30% seines Haushalts für diverse Zuschüsse an die Rentenversicherung aus. Das waren fast 80 Mrd. EUR, oder ca. 45% der Beitragseinnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung. In der Praxis ist die Rentenversicherung auf beide Einnahmequellen (sozialversicherungspflichtige Jobs und Steueraufkommen) angewiesen.

    • gquell
    • 03.01.2009 um 11:48 Uhr

    Die gesetzliche Rentenversicherung ist Solidarität der weniger Verdienenden mit den Mehrverdienenden. Durch die Beitragsbemessungsgrenzen ist es möglich, daß sich die Reichen aus der Solidarität verabschieden. Sinnvoller wäre ein gleicher prozentualer Anteil aller Arbeitnehmener vom Gehalt. Ohne Möglichkeit, sich aus dem System zu verabschieden und ohne Deckelung des Beitrages. Zusätzlich sollten alle Beamte in die gesetzliche Altersvorsorge integriert werden. Gleichzeitige sollten die Ausgaben, d.h. die gesetzliche Rente gedeckelt werden.
    Das wäre reine solidarische Form der gesetzlichen Rentenversicherung für abhängig Beschäftigte.

    Und wenn die Selbständigen auch noch inbegriffen wären, hätte wir alle ein sichere Form der Altersvorsorge für alle.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Beamten in die Sozialversicherung zu integrieren mag auf den ersten Blick gerecht klingen - man sollte dabei aber nicht vergessen, dass das erst einmal immense Kosten bedeuten wuerde - nicht nur, weil der Staat, also der Arbeitgeber, dann auch die Arbeitgeberbeitraege zahlen muesste, als auch, weil gerade die Beamten mit kleineren und mittleren Einkommen (Grundschullehrer, Polizisten) unbedingt eine Lohnerhoehung braeuchten, weil sie ihre Arbeitskraft zum dann verbleibenden Nettolohn gar nicht mehr anbieten koennten. Sie wuerden es dann sicher bevorzugen, Angestellte des oeffentlichen Dienstes statt Beamte zu sein - womit sie dann auch fuer hoehere Loehne streiken koennten (was ihnen ja jetzt verboten ist). Die Gruppe der sehr gut verdienenden Beamten zu integrieren - ebenso wie die Kappung der Bemessungsgrenze wirf ausserdem das Problem auf, dass am Ende dann ja auch Menschen einen sehr hohen Rentenanspruch erworben haben werde - und der muesste dann ja auch bedient werden.

    "Niemand wird allein mit der Rente im Alter so leben können, wie er es aus seinem Berufsleben gewöhnt war."-deshalb solle man zusaetzlich privat vorsorgen, sagt der Artikel. Das ist ja wohl ziemlich euphemistisch; es klingt, als koenne man, zumindest wenn man immer vollzeit berufstaetig war, von der Rente schon halbwegs normal leben - man koenne sich eben nur bestimmte Annehmlichkeiten nicht mehr leisten.

    Ich habe vor kurzem meine erste Rentenhochrechnung erhalten - obwohl ich schon im ersten Monat nach meinem Studienabschluss einen Beruf ergreifen konnte, der meiner Qualifikation voll entspricht (Promotion) - erwartet mich nach weiteren 30 Jahren (insgesamt dann 35) unterbrechungsloser Beschaeftigung auf in etwa demselben Lohnniveau eine Rente von 730 Euro. Zieht man Miete und Heizung ab, ist das schon jetzt (!) weniger als ein Hartz IV Satz.

    Ehrlicher und vermutlicher auch in der Umlage guenstiger als all die jetzt noetigen Rechenoperationen waere meiner Meinung nach von vorneheirein ein Grundrentenmodell - das waere ein "echtes" Solidarsystem: jeder zahlt einen bestimmten Prozentsatz seines Einkommens ein - und im Alter erhaelt jeder Buerger ohne weitere Pruefung einen Betrag, der dem aktuellen Existenzminimum entspricht. Hinzu kommen kleine Erleichterungen des Alltags, wie sie in anderen Laendern selbstverstaendlich sind (Rentner duerfen kostenlos oeffentliche Verkehrsmittel benutzen und andere oeffentliche Einrichtungen wie Schwimmbaeder oder Museen besuchen).

    Das wuerde zumindest einen Lebensabend ohne Aemtergaenge und Gaengelung durch den Staat bedeuten. Wer vorher schon nichts hatte lebt mit ein paar Erleichterungen weiter wie bisher, wer die Moeglichkeit hatte, Geld zurueckzulegen, wird das je nach Prioritaetengewichtung entweder tun oder nicht. Man kann den Umzug in eine kleinere Wohnung oder einen ruhigeren, weniger aufwendigen Lebensstil im Alter ja durchaus auch begruessen - es gibt doch gute Gruende, in der Lebensmitte, wenn man eine Familie gruendet oder grosse Projekte plant, mehr Geld zu benoetigen als im Alter.

    Die Beamten in die Sozialversicherung zu integrieren mag auf den ersten Blick gerecht klingen - man sollte dabei aber nicht vergessen, dass das erst einmal immense Kosten bedeuten wuerde - nicht nur, weil der Staat, also der Arbeitgeber, dann auch die Arbeitgeberbeitraege zahlen muesste, als auch, weil gerade die Beamten mit kleineren und mittleren Einkommen (Grundschullehrer, Polizisten) unbedingt eine Lohnerhoehung braeuchten, weil sie ihre Arbeitskraft zum dann verbleibenden Nettolohn gar nicht mehr anbieten koennten. Sie wuerden es dann sicher bevorzugen, Angestellte des oeffentlichen Dienstes statt Beamte zu sein - womit sie dann auch fuer hoehere Loehne streiken koennten (was ihnen ja jetzt verboten ist). Die Gruppe der sehr gut verdienenden Beamten zu integrieren - ebenso wie die Kappung der Bemessungsgrenze wirf ausserdem das Problem auf, dass am Ende dann ja auch Menschen einen sehr hohen Rentenanspruch erworben haben werde - und der muesste dann ja auch bedient werden.

    "Niemand wird allein mit der Rente im Alter so leben können, wie er es aus seinem Berufsleben gewöhnt war."-deshalb solle man zusaetzlich privat vorsorgen, sagt der Artikel. Das ist ja wohl ziemlich euphemistisch; es klingt, als koenne man, zumindest wenn man immer vollzeit berufstaetig war, von der Rente schon halbwegs normal leben - man koenne sich eben nur bestimmte Annehmlichkeiten nicht mehr leisten.

    Ich habe vor kurzem meine erste Rentenhochrechnung erhalten - obwohl ich schon im ersten Monat nach meinem Studienabschluss einen Beruf ergreifen konnte, der meiner Qualifikation voll entspricht (Promotion) - erwartet mich nach weiteren 30 Jahren (insgesamt dann 35) unterbrechungsloser Beschaeftigung auf in etwa demselben Lohnniveau eine Rente von 730 Euro. Zieht man Miete und Heizung ab, ist das schon jetzt (!) weniger als ein Hartz IV Satz.

    Ehrlicher und vermutlicher auch in der Umlage guenstiger als all die jetzt noetigen Rechenoperationen waere meiner Meinung nach von vorneheirein ein Grundrentenmodell - das waere ein "echtes" Solidarsystem: jeder zahlt einen bestimmten Prozentsatz seines Einkommens ein - und im Alter erhaelt jeder Buerger ohne weitere Pruefung einen Betrag, der dem aktuellen Existenzminimum entspricht. Hinzu kommen kleine Erleichterungen des Alltags, wie sie in anderen Laendern selbstverstaendlich sind (Rentner duerfen kostenlos oeffentliche Verkehrsmittel benutzen und andere oeffentliche Einrichtungen wie Schwimmbaeder oder Museen besuchen).

    Das wuerde zumindest einen Lebensabend ohne Aemtergaenge und Gaengelung durch den Staat bedeuten. Wer vorher schon nichts hatte lebt mit ein paar Erleichterungen weiter wie bisher, wer die Moeglichkeit hatte, Geld zurueckzulegen, wird das je nach Prioritaetengewichtung entweder tun oder nicht. Man kann den Umzug in eine kleinere Wohnung oder einen ruhigeren, weniger aufwendigen Lebensstil im Alter ja durchaus auch begruessen - es gibt doch gute Gruende, in der Lebensmitte, wenn man eine Familie gruendet oder grosse Projekte plant, mehr Geld zu benoetigen als im Alter.

  5. Ich dachte die "Rentenkasse" ist unabhängig von der "Staatskasse"?

    So war das mal gedacht. Tatsächlich gab der Bund 2005 fast 30% seines Haushalts für diverse Zuschüsse an die Rentenversicherung aus. Das waren fast 80 Mrd. EUR, oder ca. 45% der Beitragseinnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung. In der Praxis ist die Rentenversicherung auf beide Einnahmequellen (sozialversicherungspflichtige Jobs und Steueraufkommen) angewiesen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Bundeszuschuss zur gesetzl. Rentenversicherung ist grundsätzlich gerechtfertigt, weil die RV auch "versicherungsfremde Leistungen" erbringt, welche gerechterweise auch von der Allgemeinheit gezahlt werden müssen, z.B. die Anrechnung von Kindererziehungszeiten, Ersatzzeiten (Kriegsteilnehmer) u.Ä.

    Dann gibts da noch weitere politische Entscheidungen, wie z.B. Rentenzahlungen an Arbeitnehmer, die früher in der DDR gearbeitet hatten. Gemäß der Funktionsweise des Generationenvertrags müssten diese wohl aus dem jetztigen RV-Beitragsaufkommen im Osten bezahlt werden. Ich vermute jetzt aber mal, dass die momentane östliche Wirtschaftsleistung nicht für eine sinnvolle Rente ausreicht, und meiner Meinung nach ist es dann durchaus gerechtfertigt, die Ostrente solidarisch etwas aufzustocken. Aber auch das ist dann etwas, was gerechterweise Alle (sprich: alle Steuerzahler) tragen müssen.

    Bei Wikipedia steht mehr dazu:http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzliche_Rentenversicherung_(Deutschland)

    Worüber man jetzt natürlich streiten kann, ist die Höhe des Bundeszuschusses, und ob die politisch auferlegten versicherungsfremden Leistungen sinnvoll sind. Aber ich halte es für irreführende Propaganda, ohne weitere Erläuterung zu sagen, dass die gesetzliche Rente auch aus Steuern bezahlt wird.

    Der Bundeszuschuss zur gesetzl. Rentenversicherung ist grundsätzlich gerechtfertigt, weil die RV auch "versicherungsfremde Leistungen" erbringt, welche gerechterweise auch von der Allgemeinheit gezahlt werden müssen, z.B. die Anrechnung von Kindererziehungszeiten, Ersatzzeiten (Kriegsteilnehmer) u.Ä.

    Dann gibts da noch weitere politische Entscheidungen, wie z.B. Rentenzahlungen an Arbeitnehmer, die früher in der DDR gearbeitet hatten. Gemäß der Funktionsweise des Generationenvertrags müssten diese wohl aus dem jetztigen RV-Beitragsaufkommen im Osten bezahlt werden. Ich vermute jetzt aber mal, dass die momentane östliche Wirtschaftsleistung nicht für eine sinnvolle Rente ausreicht, und meiner Meinung nach ist es dann durchaus gerechtfertigt, die Ostrente solidarisch etwas aufzustocken. Aber auch das ist dann etwas, was gerechterweise Alle (sprich: alle Steuerzahler) tragen müssen.

    Bei Wikipedia steht mehr dazu:http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzliche_Rentenversicherung_(Deutschland)

    Worüber man jetzt natürlich streiten kann, ist die Höhe des Bundeszuschusses, und ob die politisch auferlegten versicherungsfremden Leistungen sinnvoll sind. Aber ich halte es für irreführende Propaganda, ohne weitere Erläuterung zu sagen, dass die gesetzliche Rente auch aus Steuern bezahlt wird.

  6. es ist immer wieder lustig, wie das stattliche rentensystem von manchen als dem privaten system als überlegen gepriesen wird
    das gesetzliche rentenversicherungssystem wäre schon längst zusammengebrochen, wenn es sich nicht mittlerweile zu einem viertel aus steuermitteln finanzieren würde
    nehmen wir mal an, gesetzl. und private RV erreichen etwa die selbe rendite - dann schafft das die private alleine mit den einlagen der menschen, die gesetzliche würde ohne steuermittel eine negativrendite erzeugen gegen die einige gegenwärtige kursverluste an der börse wie ein hauptgewinn aussehen

    ich als junger mensch, der heute fast 20% seines lohnes für die gesetzl. RV abtreten muß, glaube nicht daran, daß der staat bei meinem renteneintritt in ca. 38 jahren mir eine halbwegs adäquate rente auszahlt - für mich sind meine einzahlungen in die gesetzl. rente daher keine sozialversicherungsabgabe sondern eine rentnersteuer für die gegenwärtigen leistungsempfänger
    das wäre ja noch erträglich, wenn einen die politiker und gesetzl. rentenversicherungsträger wenigstens nicht für so dumm verkaufen würden

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die "Kollegen" im südliche Nachbarland, der Schweiz, haben ca. 20 Jahre Erfahrung mit privaten Rentenversicherungen und glauben Sie mir, generell sehr instabil das ganze... Vorallem auf die extrem langfristigen Anlagehorizonte von 40 Jahren und mehr.

    Warum? Weil jemand die kummulierten Mrd. Kapital (hier ca. 600Mrd.) irgendwo und irgendwie anlegen muss. Einfach mal auf die Bank bringen reicht nicht um die Renten zu finanzieren. Also müssen höhere Erträge her. Diese sind gesetzlich z.Z. bei ca. 2.5% festgelegt. Einige Pensionskassen (PK) geben auch mehr, bei mir ca. 3.5% so es die Marktlage denn zulässt.

    Das war in den vergangen Jahren soweit kein Problem weil viele Indices Weltweit nur gestiegen sind.... bis vor kurzem.

    Angefangen hat das vor 20 jahren ebenfalls mal mit einer gewissen künstlichen Verunsicherung der AHV (Gesetzliche Renten im Umlagerungsverahren), etwas Demographie zur Erläuterung der zukünftigen kritischen Finanzierungslage und schon war die Private Rentenversichrung auf Kapitalbasis geboren. Inkl. der höchst erwünschten Kommissionen bei den PK, Banken und Brokern. Alles was nämlich über die aktuell gesetzlichen 2.5% Rendite hinausgeht darf der private Rentenverwalter behalten.

    Die privaten Rentenverwalter haben stets abkassiert was nur ging aber wenn dann die Kapitalmärkte mal nicht einfach nur immer höher stiegen klopften die privaten Versicherer mal eben beim Buindesrat an und baten um eine Senkung der Umrechnungsformel. Letztmals vor ca. 3 Monaten...

    Resultat... jeder erhält einige 100 Franken weniger Rente. Gesetzlich ist immer noch nicht gelöst (wegen Wiederstand aus gewissen Kreisen) was denn zukünftig bei steigenden Renditen passieren soll.

    Ende 2008 erhielt ich von meiner PK ein Schreiben in dem die dramatische Lage beschrieben wird. u.a. wurde für 2009 mal Null 0% Verzinsung festgelegt. Das macht auf 40 Jahre einige Tausend/Jahr aus.... Weniger versteht sich.

    Also die Umlagerungsverfahren müssen mehr gepflegt werden. Auf kosten der privaten Rentenversicherer. Eindeutig...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    An ihrem Kommentar sieht man ganz gut worum es Vielen geht: Einen Interessenkonflikt zwischen denen, die genug Geld erarbeiten, um ihre Rente selbständig zu finanzieren und denen, die das nicht tun (ich nenne diese jetzt einfach mal die "Armen").
    Wer genug Geld erarbeitet, der verliert als individueller Nutzenmaximierer lieber einen moderaten Teil an die Finanzwirtschaft, als einen wesentlich größeren Teil an die Armen (wobei natürlich auch der individuelle Nutzenmaximierer nicht so wenig geben will, dass man sehr viel höhere Kriminalität bekommt oder Revolutionen oder ähnliches).
    Das Problem ist nun, dass die Armen natürlich demgegenüber konträre Interessen haben.

    Es reicht daher nicht nur auf seine Positionen zu pochen und seine Interessen darzustellen, sondern man muss, jedenfalls als Politiker, eigentlich schauen, was gesamtgesellschaftlich die beste Lösung ist.

    Geht man dann von der subjektiven auf eine objektive Perspektive über, dann stellt sich schon die Frage, ob ein System welches unserer gesetzlichen Rente ähnelt, nicht doch das bessere Modell ist und dann kommen so Argumente wie geringe Verwaltungskosten der gesetzlichen Rente und keine Provisionskosten etc durchaus zum tragen.

    Ich denke daher die Frage, ob die Politik in diesem Fall nicht vor allem Besserverdienenden und der Finanzwirtschaft einen Gefallen getan hat, anstatt zu versuchen eine vernünftige Lösung zu finden, ist durchaus berechtigt.

    Die "Kollegen" im südliche Nachbarland, der Schweiz, haben ca. 20 Jahre Erfahrung mit privaten Rentenversicherungen und glauben Sie mir, generell sehr instabil das ganze... Vorallem auf die extrem langfristigen Anlagehorizonte von 40 Jahren und mehr.

    Warum? Weil jemand die kummulierten Mrd. Kapital (hier ca. 600Mrd.) irgendwo und irgendwie anlegen muss. Einfach mal auf die Bank bringen reicht nicht um die Renten zu finanzieren. Also müssen höhere Erträge her. Diese sind gesetzlich z.Z. bei ca. 2.5% festgelegt. Einige Pensionskassen (PK) geben auch mehr, bei mir ca. 3.5% so es die Marktlage denn zulässt.

    Das war in den vergangen Jahren soweit kein Problem weil viele Indices Weltweit nur gestiegen sind.... bis vor kurzem.

    Angefangen hat das vor 20 jahren ebenfalls mal mit einer gewissen künstlichen Verunsicherung der AHV (Gesetzliche Renten im Umlagerungsverahren), etwas Demographie zur Erläuterung der zukünftigen kritischen Finanzierungslage und schon war die Private Rentenversichrung auf Kapitalbasis geboren. Inkl. der höchst erwünschten Kommissionen bei den PK, Banken und Brokern. Alles was nämlich über die aktuell gesetzlichen 2.5% Rendite hinausgeht darf der private Rentenverwalter behalten.

    Die privaten Rentenverwalter haben stets abkassiert was nur ging aber wenn dann die Kapitalmärkte mal nicht einfach nur immer höher stiegen klopften die privaten Versicherer mal eben beim Buindesrat an und baten um eine Senkung der Umrechnungsformel. Letztmals vor ca. 3 Monaten...

    Resultat... jeder erhält einige 100 Franken weniger Rente. Gesetzlich ist immer noch nicht gelöst (wegen Wiederstand aus gewissen Kreisen) was denn zukünftig bei steigenden Renditen passieren soll.

    Ende 2008 erhielt ich von meiner PK ein Schreiben in dem die dramatische Lage beschrieben wird. u.a. wurde für 2009 mal Null 0% Verzinsung festgelegt. Das macht auf 40 Jahre einige Tausend/Jahr aus.... Weniger versteht sich.

    Also die Umlagerungsverfahren müssen mehr gepflegt werden. Auf kosten der privaten Rentenversicherer. Eindeutig...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    An ihrem Kommentar sieht man ganz gut worum es Vielen geht: Einen Interessenkonflikt zwischen denen, die genug Geld erarbeiten, um ihre Rente selbständig zu finanzieren und denen, die das nicht tun (ich nenne diese jetzt einfach mal die "Armen").
    Wer genug Geld erarbeitet, der verliert als individueller Nutzenmaximierer lieber einen moderaten Teil an die Finanzwirtschaft, als einen wesentlich größeren Teil an die Armen (wobei natürlich auch der individuelle Nutzenmaximierer nicht so wenig geben will, dass man sehr viel höhere Kriminalität bekommt oder Revolutionen oder ähnliches).
    Das Problem ist nun, dass die Armen natürlich demgegenüber konträre Interessen haben.

    Es reicht daher nicht nur auf seine Positionen zu pochen und seine Interessen darzustellen, sondern man muss, jedenfalls als Politiker, eigentlich schauen, was gesamtgesellschaftlich die beste Lösung ist.

    Geht man dann von der subjektiven auf eine objektive Perspektive über, dann stellt sich schon die Frage, ob ein System welches unserer gesetzlichen Rente ähnelt, nicht doch das bessere Modell ist und dann kommen so Argumente wie geringe Verwaltungskosten der gesetzlichen Rente und keine Provisionskosten etc durchaus zum tragen.

    Ich denke daher die Frage, ob die Politik in diesem Fall nicht vor allem Besserverdienenden und der Finanzwirtschaft einen Gefallen getan hat, anstatt zu versuchen eine vernünftige Lösung zu finden, ist durchaus berechtigt.

    • gauss
    • 03.01.2009 um 12:20 Uhr

    Unfassbar, was da mancher so schreibt.

    Die Rente ist eine Zwangssteuer, man bekommt noch nicht mal das heraus was man einzahlt, geschweige denn eine Verzinsung in Höhe der Inflation, diese lag in den letzten 50 Jahren bei ca. 2.8%. Für die nächsten Jahrzehnte würde da eine Menge mehr heruaskommen, wenn zumindest die Inflation einbezogen werden würde.

    Vielen Menschen sind die Auszüge ihrer Gewinne egal. Wer sich Papiere mit einer Verzinsung von 15% aufschwätzen lässt, sollte damit rechnen, dass das Geld von heut auf morgen weg sein kann. Lehman Brothers ist ein prima Beispiel. Wer aber für die Altersvorsorge investiert, sollte schon auf Sicherheit setzen. Dann passiert auch nichts. Wer weise wählt, erhält zumindest eine Verzinsung über der Inflation, trotz Krise. Gerade jetzt ist ein guter Moment zum Kaufen.

    Und wieso bitte schön berät die GRV die Versicherten in Punkto Privatvorsorge? Für jeden Mist ist Geld da, kein Wunder das alles immer teurer wird. Dafür gibt es Finanzberater, auch unabhängig von Versicherungen und Banken. Dort sollte man sich sowieso nix aufschwatzen lassen.

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
  • Kommentare 89
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Autoren abonnieren RSS-Feed
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Altersvorsorge
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service