Wieder mal ausgebeutet

In der Geschichte der Menschheit gibt es ewige Konstanten. Dinge also, die gleich bleiben, obwohl sie jedes Mal anders aussehen. Geradezu exemplarisch illustrieren dies ausbeuterische Managementmethoden, die sich aus den Zeiten des Frühstkapitalismus bis in die Gegenwart gerettet haben. Freunde des Sandalenfilms erinnern sich beispielsweise noch an das historische Monumentalepos Ben Hur aus dem Jahre 1959, worin dem Hauptdarsteller Charlton Heston allerlei Unbill widerfährt und er sich nach Meinungsverschiedenheiten mit der römischen Obrigkeit für drei Jahre als visiting associate auf einer Galeere einfindet und die damals bekannten Weltmeere bereist. Das war gewiss keine Vergnügungsreise, zumal Landausflüge nicht vorgesehen waren und die Bestuhlung im unteren Ruderdeck kaum großzügiger anmutete als jene in einer Boeing von Ryanair. So war der Galeerensklave Ben Hur in gewisser Weise der Urvater heutiger Generationen von Werbe- und PR-Praktikanten, die sich ebenfalls tüchtig ins Zeug legen, ohne persönlich wirklich vorwärtszukommen.

In Zeiten der Krise wird den Mitarbeitern nun einiges mehr abverlangt werden. Da treten Geschäftsführer vor die Belegschaft und erklären, dass nun alle den Gürtel enger schnallen müssten, selbst die, die schon beim letzten Loch angelangt sind. Die Wirkung ist ähnlich wie bei der Galeerenstrafe, weil einem dann mangels Durchblutung früher oder später die Füße einschlafen und man auch nicht mehr vorwärtskommt – geschweige denn sich von seinem Bürostuhl erheben könnte. Ein Dasein am Schreibtisch ist die Folge, verdammt zu ewiger Sachbearbeitung. Das große Schiff aber, es fährt trotzdem, und die Aussicht vom Sonnendeck ist phänomenal. Marcus Rohwetter

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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