Schiebung!
Teil 6: Wie die hessischen Verhältnisse schlechtgeredet werden
Hessische Bühne
Beim Wettstreit um das Wort des Jahres landeten die »Hessischen Verhältnisse« (kurz: HV) ja nur auf einem enttäuschenden vierten Platz. Dass in diesem Jahr die »Finanzkrise« kaum zu schlagen war, wird selbst Andrea Ypsilanti einräumen, die ansonsten mit dem Einräumen ganz allgemein und mit dem von Niederlagen insbesondere so ihre Probleme hat. Aber warum nur wurde das zweitplatzierte »verzockt« von der Jury als eigenständiger Begriff akzeptiert? Wo es doch integraler Bestandteil – und dazu noch ein ganz wichtiger – ebendieser HV ist. Und dass »Datenklau« auf Platz 3 durchs Ziel ging, darf man getrost als Beleg dafür sehen, dass der »Bildungsfrühling« (Platz 9) in der »multipolaren Welt« (Platz 6) der Gesellschaft für deutsche Sprache noch nicht angebrochen ist. Was war denn der Datenklau im Kern anderes als der Versuch, den Diebstahl eines Christstollens aus den geheimen Backbeständen der (sic!) Frankfurter Rundschau zu vertuschen und somit – natürlich! – ebenfalls Ausdruck der HV? Kein Wunder übrigens, dass, angesichts seines kläglichen Scheiterns, »Yes, we can« nur abgeschlagen auf Platz 10 landete. In Hessen glaubt das sowieso niemand. Was kommt also 2009? Ein »Rettungsschirm« (Platz 8) für die SPD nach der Landtagswahl, eine »Umweltzone« (Platz 5) für die Grünen auf der Regierungsbank neben Roland Koch? Oder gar ein »Nacktscanner« (Platz 7) neben der Wahlurne, wenn die SPD mal wieder jemanden wählen will? Doch zuerst wird ja noch, bis zum 9. Januar, das Unwort des Jahres 2008 gesucht. Unser Vorschlag: »Tricksilanti«. Namenswitze, wie billig! Tschüssilanti dann bis nächste Woche! Schließlich kostet so eine Kolumne ja nur 33 Zeilen. Peter Dausend
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- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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