DIE ZEIT: Mister Corman, sind Sie der letzte Hollywood-Tycoon?

Roger Corman: Wenn das bedeutet, dass ich Julia Roberts anrufen kann, um ihr eine Rolle anzubieten, dann muss ich das verneinen. Was die Anzahl der von mir produzierten und gedrehten Filme angeht, kommen wir dem Tycoon schon näher.

ZEIT: Die Datenbanken kommen auf 385.

Corman: Manchmal komme ich selbst durcheinander, weil ich bei einigen Filmen gleichzeitig Regisseur, Produzent und Drehbuchautor war.

ZEIT: Als Corman-Factory wurde Ihre Firma in den sechziger und siebziger Jahren legendär. Warum waren Sie so erfolgreich?

Corman: Weil wir uns nicht um die Grenzen zwischen Kunst und Trash kümmerten. Die jungen Leute, die für mich arbeiteten, durften sich selbst verwirklichen, solange genug Sex und Gewalt in den Filmen vorkam und die Titel möglichst reißerisch waren. Wir kauften russische Science-Fiction und peppten sie mit neuen Szenen für den amerikanischen Markt auf. Wir schnitten Trailer mit explodierenden philippinischen Helikoptern, die im Film selbst gar nicht vorkamen. Unser Kino sollte unterhalten und konnte gegebenenfalls auch Kunst sein.

ZEIT: Martin Scorsese, der auch zu Ihren Lehrlingen gehörte, hat Sie mal den größten Trend-Ausbeuter aller Zeiten genannt.