Hamas und Fatah
Im Dezember 1987, kurz nach dem Beginn der ersten palästinensischen Intifada, taucht der Name Hamas zum ersten Mal in einem Flugblatt auf. Er ist die Kurzform von Hakaret al-muqawama al-ismaija , übersetzt: Islamische Widerstandsbewegung. Das Emblem zeigt zwei gekreuzte Schwerter, den Felsendom und eine Karte des heutigen Israels unter Einbeziehung des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens. In diesen Grenzen will Hamas einen islamischen Staat errichten. Bis heute weigert sie sich, den Staat Israel anzuerkennen. Unterstützung erhält sie von Iran, Saudi-Arabien und Syrien.
Hamas tritt in dreierlei Gestalt in Erscheinung: als politische Partei, als soziales Hilfswerk und als Terrororganisation. Bei den Wahlen in den Autonomiegebieten 2006 errang sie die absolute Mehrheit der Parlamentssitze. Zugleich sichert sich Hamas durch ihr soziales Engagement große Unterstützung in der Bevölkerung. Mitglieder versorgen Flüchtlinge in den Lagern, sie bauen Schulen und betreiben Krankenhäuser.
Vor allem aber ist Hamas eine Gruppierung gewaltbereiter Milizen. Während der ersten und zweiten Intifada (1987 bis 1993 und 2000 bis 2005) zeichnete sie verantwortlich für zahlreiche Terroranschläge, insbesondere Selbstmordattentate gegen israelische Bürger. Entführungen israelischer Soldaten und der Beschuss israelischer Siedlungen gehen ebenfalls auf das Konto von Hamas.
Zweitstärkste Partei im Parlament ist die 1958 von Jassir Arafat als Guerillaorganisation gegründete Fatah. Sie sollte im bewaffneten Kampf die Unabhängigkeit Palästinas erreichen. Ende 1964 verübten Fatah-Kommandos erste Anschläge in Israel. 1986 trat Fatah der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO bei. In den neunziger Jahren akzeptierte Israel die PLO als offizielle Vertretung der Palästinenser. Die PLO verzichtete auf das Ziel, Israel zu vernichten. Militante Kräfte innerhalb Fatahs und radikaler Untergruppierungen wie den Al-Aksa-Brigaden verüben weiterhin Attentate in Israel.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren