Mitte ohne Zukunft
Hans Stimmann: »Herausragend!«
Die Debatte geht weiter. Ihr Name: Rekonstruktion des zerstörten Berliner Stadtschlosses. Doch geht es eigentlich nur um die Fassaden? Hanno Rauterberg hat dazu und zu anderem in seinem ausführlichen Artikel in der ZEIT 50/08 das notwendige Maß an Kritik vorgetragen. Wie nicht anders zu erwarten, meldet sich nun Hans Stimmann zu Wort.
Stimmann langt in öffentlichen Architekturdebatten gerne kräftig zu. Hier aber vergreift er sich nicht nur im Ton, wenn er Rauterbergs Text als »perfides Beispiel« einer als Architekturkritik getarnten Schelte der Abgeordneten bezeichnet. Die geplante Rekonstruktion im Zentrum Berlins sei, so sagt er, besonders »sorgfältig begründet«. Er beschwört dazu die Kräfte der Mitte: Von der »Mitte der Hauptstadt«, der »geistigen Mitte der europäischen Metropole«, an diesem zugleich »realen und symbolischen Zukunftsort«, soll die »Weltneugier auf das Fremde und Andere unserer Zeit« sehen.
Abgesehen davon, dass die »Weltneugier« im Moment durch Fragen an vielen andern Orten unserer Welt ausgelastet scheint, wird hier auch wieder die prekäre Lage der inhaltlichen Konzeption des Projekts deutlich: Es ist ja nicht das Fremde und Andere unserer gegenwärtigen Welt, schon gar nicht die Zukunft, was uns aus dem Programm für das Humboldt-Forum anblickt.
Sylvia Stöbe, Michael Krauss Kassel/Berlin
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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