Falsches Modell
Thomas Assheuer: »Alltag in der Krise«
Die schonungslose Ausbeutung der Mehrheit der Menschen und der gesamten Natur zur Steigerung des Wohlstandes einer Minderheit von Menschen als Geschäftsmodell der zivilisierten Entwicklung ist im Kern nicht länger akzeptabel. Es ist für alle und alles existenzbedrohend!
Freilich, diese Einsicht bleibt denen, die im Wohlstand leben, unerreichbar. Sie versuchen mit ihren Methoden die aktuellen Krisen zu überwinden, und selbst wenn ihnen dies wieder mal gelingen wird, werden sie die Zukunftsfähigkeit ihres Geschäftsmodells nicht verbessern, sondern eher das ihm innewohnende Paradoxon weiter zuspitzen. Sie werden unseren Erdball unbewohnbar machen. Ihre hilflosen Parolen zur Steigerung des Konsums zeigen das vollständige Unverständnis der Lage.
Vermutlich ist es eine Illusion, ein vernunftgetriebenes besseres Geschäftsmodell zu erstellen. Soziale Revolten und Katastrophen unserer Umwelt gebären vielleicht ein neues Modell. Ein auf diese Weise entstandenes ist nicht selbstverständlich besser als das heutige Modell. In jedem Fall wird es aber nicht so existenzbedrohend sein wie das heutige. Es wird eher auf Gleichgewicht als auf Wachstum setzen.
Peter Fichtner, Nossen
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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