Boot Europa
Navid Kermani: »An Bord sind Maria und Josef«
Danke, für diesen Beitrag. Endlich jemand, der in Flüchtlingen kein »menschliches Strandgut«, keine »Wirtschaftsmigranten« oder »Asylbetrüger« sieht, sondern Menschen mit Gefühlen, Sehnsüchten, Hoffnungen.
Der Autor beschreibt in seinem Artikel mit dem Kapitän des französischen Schiffes einen großen Europäer: einen Menschen, der verstanden hat, dass er den Werten, für die Europa steht, nur dienen kann, wenn er sie allen Menschen zubilligt. Ich habe dieses Jahr selbst erlebt, was es heißt, hier in Deutschland auf einen der Flüchtlinge zu warten, die über das Mittelmeer nach Europa kommen wollen: die Anrufe beim Seewetterdienst, wie das Wetter in dem Seegebiet zwischen Libyen und Italien sein wird, der bange Blick auf den unteren Rand der Wetterkarte im Fernsehen – wird das Tief über den Balearen nach Osten ziehen? Wird es Sturm geben?
Ich habe dann das Flüchtlingslager in Süditalien gesehen, wo über 200 Flüchtlinge, die auf einem Boot, das mit 70 Menschen gut besetzt gewesen wäre, in Kalabrien angekommen waren, untergebracht wurden. Ich habe dem Bootsführer applaudiert. Ich habe mich bei dem Mann bedankt, der ins Meer gesprungen ist, um die Schiffsschraube zu befreien, die durch Tang blockiert worden war, und so allen Bootsinsassen das Leben gerettet hat. Und ich habe große Europäer kennengelernt, die unabhängig von aller offiziellen Politik versuchten, diesen Flüchtlingen ein Mindestmaß an Menschlichkeit zukommen zu lassen. Die sie Dankbarkeit dafür spüren ließen, dass sie noch am Leben sind – trotz aller Überforderung, die so eine Flüchtlingsankunft in einer kleinen süditalienischen Gemeinde auslösen musste.
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- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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