Niemand nervt
Titelei: »Die Grenzen des Mitgefühls«
Ich möchte hiermit mein Unbehagen über Ihren Untertitel im großen Foto auf Seite 1 zum Ausdruck bringen: Weihnachten stellt unsere Anteilnahme auf die Probe. Wann beginnen uns Bettler und Flüchtlinge zu nerven? Und wann ist Hilfe unbedingt nötig?
Mich entsetzt die Fragestellung: Wann beginnen uns Bettler und Flüchtlinge zu nerven? Ist diese Frage wirklich ernst gemeint? Dann möchte ich daraus ablesen, dass der Frager aus seinem Elfenbeinturm heraus ohne eine Spur von Mitgefühl zu dieser Fragestellung kommt. Sie klingt so, als wenn Sie fragen würden: Wann nerven die vielen Verletzten im Straßenverkehr? Besonders zu Weihnachten. Die verderben uns das Fest.
Vielleicht ist es ja auch so bei Ihnen: Der Geist zu dieser Fragestellung ist der Druck, dem Sie womöglich zurzeit oder immer ausgesetzt sind. Stress und Druck sind ja nicht sehr kompatibel mit Menschenwürde.
Hans-Günther Rehberg-Pawlowski per E-Mail
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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