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Licht und Schatten auf der Großen Mauer

Beim Anflug aus nordwestlicher Richtung ist kurz vor Peking die Große Mauer zu sehen, genauer gesagt: ein Teilstück aus der Zeit der Ming-Dynastie (1368 bis 1644). Dieser restaurierte Abschnitt bei Badaling zählt seit Langem zu den touristischen Attraktionen Chinas. Er prägt bei vielen Besuchern ein Bild, das wenig repräsentativ ist für das über 6000 Kilometer lange Bauwerk: Über die Hälfte der Mauer ist stark beschädigt oder ganz verschwunden. Ihren »mäandernden Weg durch die Landschaft« und den Alltag der dort lebenden Bauern und Hirten beschreibt der japanisch-amerikanische Fotojournalist Michael Yamashita in einem Bildband. Seine Farbaufnahmen spielen mit teils raffinierten Licht- und Schatteneffekten. Ergänzt wird Yamashitas eigensinnige Ästhetik durch einen Essay des britischen Geologen und China-Experten William Lindesay. WH

Michael Yamashita/William Lindesay: »Die chinesische Mauer«. Aus dem Englischen von Angelika Feilhauer; Knesebeck-Verlag, München 2008; 160 S., 29,95 €

Humboldts Traum

Der Journalist und Dokumentarfilmer Werner Biermann ist den Spuren Alexander von Humboldts gefolgt, der 1799 zu einer fünfjährigen Expedition durch die spanischen Kolonien Mittel- und Südamerikas aufbrach. Wie sein berühmter Vorgänger und dessen Begleiter, der Botaniker Aimé Bonpland, bereiste Biermann den Orinoco, das Hochland der Anden und Kuba. Das Ergebnis dieser Recherche und des akribischen Studiums von Tagebüchern und Briefen ist in Der Traum meines ganzen Lebens nachzulesen – einem vielschichtigen Porträt, das den Wissenschaftsstar des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt, den ehrgeizigen Abenteurer und eitlen Fantasten, aber auch den Menschen Humboldt mit seinen Selbstzweifeln und Ängsten. Fern von den romanesken Spekulationen eines Daniel Kehlmann rekonstruiert Biermann in seinem spannenden Bericht die Reisewege »des wahren Entdeckers Amerikas« – nah an der historischen Wirklichkeit, humorvoll und empathisch. P.K.

Werner Biermann: »Der Traum meines ganzen Lebens. Humboldts amerikanische Reise«. Rowohlt Verlag, Berlin 2008; 365 S., 19,90 €

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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