Raucherfrust

Heute: Dezember 2008

Es ist nicht leicht, gute Vorsätze fürs neue Jahr zu fassen, wenn man im alten nur halbherzig gesündigt hat. Mit dem Rauchen aufzuhören, das war der klassische masochistische Silvesterwunsch des 20. Jahrhunderts, mit dem der insgeheim doch nicht ganz säkularisierte Mensch sich geißelte. Nachher konnte er ruhigen Gewissens weiterrauchen. Denn wer mit heroischer Geste fünf Minuten vor zwölf seine letzte Zigarette ausdrückte, wer auf der Schwelle zur Zukunft versuchte, besser zu sein, als er ist, durfte nach katholischer Ablassregel Vergebung für seine Genusssucht erhoffen. Doch was wird aus uns Sündern nach dem Genussverbot? Schlotternd stehen wir in der Münchner Dezemberkälte, während die Nichtraucher in der warmen Kneipe sitzen. Jetzt zu verzichten wäre ja kein Verzicht. Wir werden uns wohl neue Sünden zulegen müssen. EF

Foto: Stephan Rumpf/SZ Photo

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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