Wenn aus Michael Crichtons Roman Jurassic Park jemals so etwas wie Wirklichkeit werden sollte, dann steckt bestimmt David Haussler dahinter. Der 54-jährige US-Forscher hat mit seinen Kollegen, den Computerwissenschaftlern Mathieu Blanchette und Webb Miller, ein fantastisch anmutendes Projekt gestartet: Sie wollen die Auferstehung einer in der Kreidezeit ausgestorbenen Kreatur ins Werk setzen.

Damals herrschten Dinosaurier über die Erde, doch Gefahr für heutiges Leben wird Hausslers Team wohl nicht heraufbeschwören. Die Wissenschaftler haben ein eher unscheinbares Wesen zur Reanimation vorgesehen – ein mausähnliches Geschöpf, das vor 125 Millionen Jahren auf der Erde lebte: das erste Säugetier. Mithilfe der entschlüsselten Genome heute lebender Säuger sollen die längst verschollenen Erbanlagen des Ahnen aus der Kreidezeit rekonstruiert werden. Sein Genom ist der Prototyp auch des menschlichen Gencodes. »Ich will wissen, wie wir Menschen aus diesem nachtaktiven kleinen Pelztier entstanden sind«, sagt Haussler, »und zwar bis in jedes molekulare Detail.«

Ohne die Unterstützung mächtiger Rechner wäre das ein utopisches Unterfangen. Aber der 54-jährige Haussler dürfte wie kein anderer prädestiniert sein für diesen Job. Der Direktor des Center for Biomolecular Science and Engineering der University of California in Santa Cruz ist eigentlich gar kein Genetiker. Haussler studierte erst Malerei, begann eine Ausbildung in Gestalttherapie, wechselte zur Mathematik und promovierte in Informatik, bevor er sich der Biologie zuwandte. Schon mit seiner ersten wissenschaftlichen Veröffentlichung schaffte er es in das angesehene Fachblatt Science.

Zusammen mit Miller und Blanchette hat er inzwischen Algorithmen entworfen, die den Lauf der Evolution Schritt für Schritt im Computer nachvollziehen. Nachdem die Programme mit den Gendaten von heutigen Säugetieren gefüttert worden sind, spulen sie die evolutionären Veränderungen zurück, bis sie vor 125 Millionen Jahren angekommen sind – bei jenem Urgenom, mit dem die Evolution aller Säugetiere begann.

Insgesamt müssen die Forscher präzise Gendaten von mindestens 20 heute lebenden Säugerspezies in ihre Rechner einspeisen. Dann könnte sich die Genkomposition des Ursäugers theoretisch mit mehr als 99-prozentiger Genauigkeit ermitteln lassen. »Das ist noch kein Jurassic Park«, sagt Haussler, »aber es ist ein Anfang.«

Wie es dann weitergehen könnte mit der Realisierung von Crichtons Szenario, hat er sich auch schon überlegt. Sind die Gene des Vorzeitsäugers einmal bekannt, ließen sie sich Stück für Stück chemisch synthetisieren – und dann ins Erbgut von Mäusen einschleusen. Ulrich Bahnsen

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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