Nahost-Konflikt Der Krieg nach dem Krieg
Mit dem Angriff auf Gaza will Israel Hamas schwächen und seine eigene Schmach im Libanon überwinden

© MAHMUD HAMS/AFP/Getty Images
In Gaza-Stadt, 30. Dezember 2008
Seit dem Wochenende herrscht wieder Krieg in Nahost – ein Waffengang unter vielen in dieser geplagten Region? Doch der Krieg gegen Hamas ist der massivste Angriff der israelischen Armee auf Palästinensergebiet seit 1967. Die Zahl der Opfer in den ersten zwei Tagen sprengt die aus den Fernsehnachrichten bekannten Dimensionen des lange vor sich hin schwelenden Konflikts: rund 300 tote Palästinenser, Tausende Verletzte. Und das scheint erst der Anfang zu sein, das israelische Verteidigungsministerium hat Tausende Reservisten für einen möglichen Bodeneinsatz mobilisiert. Verteidigungsminister Ehud Barak sprach von einem Kampf »bis zum bitteren Ende«.
Israel ist in den Krieg gegen die im Gaza-Streifen regierende Hamas gezogen, um den anhaltenden Kassam-Beschuss auf Sderat und andere Ortschaften im Süden des Landes zu stoppen. Diese Entscheidung markiert eine Wende im Denken der Jerusalemer Führung, die lange für militärische Zurückhaltung plädiert hatte. Für Ehud Olmert ist es der zweite Krieg seiner kurzen Amtszeit als Regierungschef, die am 10. Februar mit vorgezogenen Neuwahlen zu Ende geht. Der erste Krieg, den er 2006 gegen die libanesische Hisbollah führte, sitzt ihm noch tief in den Knochen – und nicht nur ihm.
Wie gebrannte Kinder, die sich erneut ans Feuer wagen, wirkten Olmert und seine Außenministerin Zipi Liwni, als sie – gemeinsam mit Ehud Barak – vor die Kameras traten, um die bereits laufende Militäroperation in Gaza zu vermelden. Man wolle Sicherheit und Ruhe für die israelische Bevölkerung in der Nähe des Gaza-Streifens wiederherstellen, erklärte Olmert. Er bereitete seine Zuhörer auch auf einen längeren Zeitraum von Kämpfen vor, bei denen die Raketen von Hamas sogar noch tiefer ins Landesinnere dringen könnten. Kleinmütig klang das, verglichen mit der mächtigen Kriegsmaschinerie, die da kurz zuvor in Gang gesetzt worden war. Es schien, als hätte er ständig den Untersuchungsbericht vor Augen, der sich eingehend mit dem politischen und militärischen Missmanagement des Libanonkriegs vom Sommer 2006 auseinandergesetzt hat.
Scheich Hassan Nasrallah ist schon jetzt Kriegsgewinner
Damals war es genau umgekehrt gewesen. Da hatte die Regierung zu Beginn große Worte gespuckt, aber zugleich – zumindest aus israelischer Sicht – eine relativ geringe Militärmacht eingesetzt. Man war hastig und ohne klares Konzept in den Krieg gezogen. Eine Million Israelis musste wochenlang in Bunkern ausharren, während die libanesische Hisbollah ungestört weiterhin Katjuschas aus ihrem Waffenarsenal abfeuerte. Am Ende war von den Zielen nicht viel übrig geblieben. Israel hatte weder die Terror-Infrastruktur von Hisbollah zerstört noch die drei Soldaten, deren Entführung die Kämpfe ausgelöst hatte, zurückzubringen vermocht. Diese kamen erst zwei Jahre später im Rahmen eines Gefangenenaustauschs zurück – in Särgen. Vor allem aber: Der Libanonkrieg war der erste Krieg, bei dem Israels Gegner als Sieger nach Punkten hervorgegangen sind. Hamas hatte davon genau Notiz genommen. Die wichtigste Waffe Israels war im Libanon erheblich beschädigt worden: die Fähigkeit zur Abschreckung.
Parallel zu dieser Schwächung Israels entwickelte sich die Karriere von Scheich Hassan Nasrallah. Der Chef der libanesischen Hisbollah wird von vielen Arabern seit dem Krieg im Jahr 2006 als Held verehrt – als der Mann, der dem mächtigen Israel eine blutige Nase verpasst hat. Am Tag nach dem Angriff auf Gaza trat Nasrallah vor die Kamera – der Libanon und die arabische Welt, ob christlich, sunnitisch oder schiitisch, hörte zu. Nasrallah sagte mit seiner beinahe weichen, niemals schrillen Stimme, er habe seine »Widerstandskämpfer mobilisiert, damit sie jederzeit einsatzbereit« seien. Während israelische Kampfjets im Tiefflug über den Libanon hinwegdonnerten, warnte der Hisbollah-Chef ruhig, er werde »auf jede Aggression gegen unser Land und unsere Würde« antworten.
- Datum 11.08.2009 - 13:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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Die Kreuzfahrer waren 150 Jahre langs sehr erfolgreich im Abschrecken. Dann ist irgendwas schief gegangen.
Merke:
Wer wie Israel in der Gegend neu zugezogen ist, sollte schauen, sich bei den Alteingesessen beliebt zu machen.
Wenn die Alteingesessenen sauer sind, weil der neue Nachbar sich einfach Teile ihrer Gärten unter den Nagel reisst, ihnen das Wasser abstellt, die pubertierenden Söhne der Nachbarn im Keller einsperrt - dann kann man daraus nicht unbedingt das Recht ableiten, den Ortsansässigen auch noch die Haustür zuzunageln.
Vieleicht sollte man ein wenig Verständnis für sie haben ?
Und als neu Zugezogener vieleicht mal versuchen, die Alteingesessenen von den Vorteilen der neuen Nachbarn zu überzeugen ?
Vor den Christen waren die Juden in Palästina, nach den Christen durch erfolgreiche gewaltsame Landnahme die Muslime. Die Kreuzzüge waren nichts anderes als eine Antwort auf den Futuhat-Djihad. Den Christen war sogar der Zugang zu ihren heiligsten Stätten durch die Muslime verwehrt.
Lektüreempfehlung: Bassam Tibis Kreuzzug und Djihad, Link:
http://www.focus.de/D/DF/...
Vor den Christen waren die Juden in Palästina, nach den Christen durch erfolgreiche gewaltsame Landnahme die Muslime. Die Kreuzzüge waren nichts anderes als eine Antwort auf den Futuhat-Djihad. Den Christen war sogar der Zugang zu ihren heiligsten Stätten durch die Muslime verwehrt.
Lektüreempfehlung: Bassam Tibis Kreuzzug und Djihad, Link:
http://www.focus.de/D/DF/...
Ein sehr ausgewogener Artikel, der einen universellen Schnappschuss der Anliegen aller Beteiligten bietet - und die durchaus wahrscheinliche Vorhersage, daß Israel diesen Krieg als Sieger nach Punkten gewinnen und danach einen Waffenstillstand aushandeln wird.
Sehr angenehm, daß das gespaltene arabische Lager dargestellt wurde. Nicht nur die westliche Welt, sondern sogar gemäßigte arabische Länder sehen eindeutig Hamas als Kriegstreiber und deren Raketenterror als Ausgangspunkt des Konfliktes.
Es bleibt zu wünschen, daß Israel Hamas so schwächen kann, daß gemäßigte Palästinenser Wort- und Handlungsfreiheit bekommen.
Ohne Hamas ist ein Vorankommen in Richtung palästinensischer Staat und damit Frieden möglich.
Zu Kommentar 1 : "blurred" (nomen est omen) hat wie immer ein verzerrtes Weltbild und beschreibt Israel als landraubenden Neuankömmling in der Region, den die arabischen Nachbarn zu recht vertreiben wollen.
Geschichtsüberstunden sind angesagt. Stichworte : Bibel und archäologische Artefakte, Siedlungsverträge, 6-Tage Krieg, Demokratie, Wirtschaftwachstum, usw.
mit welcher Selbstgerechtigkeit die Nachfahren von Ghettoüberlebenden jetzt die Umkehrung des Ghettoprinzips praktizieren (Einpferchen, isolieren, aushungern, provozieren, auslöschen). Abscheulich, wie sich die Begründungen ähneln und beschämend, wie die politisch Verantwortlichen damals wie heute darauf reagieren!
Nur eine kleine Minderheit der Israelis sind Nachfahren des Holocaust.
Wollen sie ferner behaupten, daß Israel die Palästinenser auslöschen will ?
Wollen sie ernsthaft die Begründung der Nazis für den Holocaust mit den Gründen für den Krieg Israels gegen die Hamas gleichsetzen ?
Ich hoffe für Sie, daß ihre Aussagen nicht auf Nachdenken sondern blindwütige Emotionen beruhen. Sollten sie obiges nämlich auch nächste Woche noch verteidigen, halte ich sie für gemeingefährlich.
Hallo Octavian,
nehmen wir an, Israel würde einmal in diesem Konflikt nicht die Oberhand behalten. Das Ergebnis wäre das Ende von Israel. Spätestens dann müssten Sie feststellen, dass Israelkritiker wie Sie auf das falsche Pferd gesetzt haben. Die Agenda der Hamas hört nicht bei einem unabhängigen Palästinenserstaat auf und auch nicht bei der Beseitigung Israels. Deren Ziele sind viel globaler und machen auch nicht vor Europa halt.
http://video.google.com/v...
Nur eine kleine Minderheit der Israelis sind Nachfahren des Holocaust.
Wollen sie ferner behaupten, daß Israel die Palästinenser auslöschen will ?
Wollen sie ernsthaft die Begründung der Nazis für den Holocaust mit den Gründen für den Krieg Israels gegen die Hamas gleichsetzen ?
Ich hoffe für Sie, daß ihre Aussagen nicht auf Nachdenken sondern blindwütige Emotionen beruhen. Sollten sie obiges nämlich auch nächste Woche noch verteidigen, halte ich sie für gemeingefährlich.
Hallo Octavian,
nehmen wir an, Israel würde einmal in diesem Konflikt nicht die Oberhand behalten. Das Ergebnis wäre das Ende von Israel. Spätestens dann müssten Sie feststellen, dass Israelkritiker wie Sie auf das falsche Pferd gesetzt haben. Die Agenda der Hamas hört nicht bei einem unabhängigen Palästinenserstaat auf und auch nicht bei der Beseitigung Israels. Deren Ziele sind viel globaler und machen auch nicht vor Europa halt.
http://video.google.com/v...
Konkret sieht das, was von Frau Dachs und Herrn Thumann als "die Hamas schwächen" bezeichnet wird u.a. so aus:
So stellten sich - wie Fotos der israelischen Luftwaffe Sekunden vor dem Bombenabwurf belegen - hunderte neuer Hamas-Polizisten mitten in der Stadt Gaza zur Abschlusszeremonie ihres Ausbildungskurses auf.
Ein Kampfhubschrauber feuerte eine speziell gegen menschliche Ziele eingesetzte Rakete mit tausenden Metallpfeilen ab: 40 Uniformierte waren auf der Stelle tot, mehr als doppelt so viele zum Teil schwer verletzt.
http://www.main-netz.de/n...
Ähnelt das Konzept "möglichst viele Gegner umzubringen" nicht erschreckend dem des NS-Regimes?
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"Ich glaube, daß die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
(Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)
Nur eine kleine Minderheit der Israelis sind Nachfahren des Holocaust.
Wollen sie ferner behaupten, daß Israel die Palästinenser auslöschen will ?
Wollen sie ernsthaft die Begründung der Nazis für den Holocaust mit den Gründen für den Krieg Israels gegen die Hamas gleichsetzen ?
Ich hoffe für Sie, daß ihre Aussagen nicht auf Nachdenken sondern blindwütige Emotionen beruhen. Sollten sie obiges nämlich auch nächste Woche noch verteidigen, halte ich sie für gemeingefährlich.
Mit genau solchen Bewertungen begann es schon oft und beginnt es gerade wieder!
Mit genau solchen Bewertungen begann es schon oft und beginnt es gerade wieder!
Es gibt zahlreiche Theorien zur Konfliktbewältigung, allen ist gemeinsam: wenn die Beteiligten anfangen sich gegenseitig umzubringen ist die letzte Stufe der Eskalation erreicht und es ist sehr schwierig davon wieder herunter zu kommen und eine zivilgesellschaftliche Normalität zu erreichen. Allerdings gibt es Vorbilder! Wie hat sich Deutschland von einer für seine Nachbarn so gefährlichen Nation, die zwei Weltkriege begonnen hat, in den heute so trägen und gemütlichen Nachbarn verwandelt. Mit den klassisch römischen Strategien:
1 Teile und Herrsche
2 Brot und Spiele (Deutsche Variante: Arbeit, Brot und Spiele)
Auf Gaza angewendet bedeutet „Teile und Herrsche“ die normale Zivilbevölkerung, die kriegsmüde ist, von den religiösen Radikalen zu trennen. Dies geschieht am wirkungsvollsten durch Arbeit, Brot und Spiele. Wer 8-10 Stunden arbeitet will danach nur gut essen und etwas Zerstreuung (Spiele). Wer seinen Kredit für ein Haus oder Auto abzahlt (mit einer sicheren Arbeit) hat kein Interesse daran, dass irgendwelche religiösen/politischen Wirrköpfe sein Auto/Haus durch Kampfhandlungen zerstören. Somit wird die Unterstützung für die Hamas drastisch zurückgehen. Es bliebe somit nur eine kleine radikalisierte Gruppe übrig, die zwar weiterhin Straftaten verüben würde, diese wäre dann allerdings ohne Rückhalt isoliert und mit den üblichen Polizeimethoden zu neutralisieren. Die Einführung des dekadenten Kapitalismus in Gaza mit all seinen Gütern und Vergnügungen, würde schneller, preiswerter und dauerhafter zu einer trägen Ruhe und Gewaltfreiheit führen als jede Militäraktion.
Für mich liegt die Konfliktlösung nicht in einem infantilen Brot und Spiele Zirkus sonderm in einer Beendigung dieses menschenverachtenden Besatzungs- und Apartheidsregimes (bevor sich wieder einige über meine Wortwahl aufregen: diese Bewertung stammt von Nelson Mandela, und der sollte ja wohl wissen wovon er spricht).
Die Frage ist nur wielange es noch dauert, bis den USA, dem einzigen Unterstützer dieses failed state das Geld ausgeht (ich hoffe schon nächstes Jahr) oder einfach die Lust diesen mittlerweile strategisch sinnlosen outpost zu halten.
Was mit den 3 Millionen Juden passiert ist mir übrigens egal. Die europäischen Juden und ihre Nachfolger sollten sich arragieren, die Nachzügler aus der Bronx oder Osteuropa haben hier wirklich nichts zu suchen.
Für mich liegt die Konfliktlösung nicht in einem infantilen Brot und Spiele Zirkus sonderm in einer Beendigung dieses menschenverachtenden Besatzungs- und Apartheidsregimes (bevor sich wieder einige über meine Wortwahl aufregen: diese Bewertung stammt von Nelson Mandela, und der sollte ja wohl wissen wovon er spricht).
Die Frage ist nur wielange es noch dauert, bis den USA, dem einzigen Unterstützer dieses failed state das Geld ausgeht (ich hoffe schon nächstes Jahr) oder einfach die Lust diesen mittlerweile strategisch sinnlosen outpost zu halten.
Was mit den 3 Millionen Juden passiert ist mir übrigens egal. Die europäischen Juden und ihre Nachfolger sollten sich arragieren, die Nachzügler aus der Bronx oder Osteuropa haben hier wirklich nichts zu suchen.
Hallo Octavian,
nehmen wir an, Israel würde einmal in diesem Konflikt nicht die Oberhand behalten. Das Ergebnis wäre das Ende von Israel. Spätestens dann müssten Sie feststellen, dass Israelkritiker wie Sie auf das falsche Pferd gesetzt haben. Die Agenda der Hamas hört nicht bei einem unabhängigen Palästinenserstaat auf und auch nicht bei der Beseitigung Israels. Deren Ziele sind viel globaler und machen auch nicht vor Europa halt.
http://video.google.com/v...
Für mich liegt die Konfliktlösung nicht in einem infantilen Brot und Spiele Zirkus sonderm in einer Beendigung dieses menschenverachtenden Besatzungs- und Apartheidsregimes (bevor sich wieder einige über meine Wortwahl aufregen: diese Bewertung stammt von Nelson Mandela, und der sollte ja wohl wissen wovon er spricht).
Die Frage ist nur wielange es noch dauert, bis den USA, dem einzigen Unterstützer dieses failed state das Geld ausgeht (ich hoffe schon nächstes Jahr) oder einfach die Lust diesen mittlerweile strategisch sinnlosen outpost zu halten.
Was mit den 3 Millionen Juden passiert ist mir übrigens egal. Die europäischen Juden und ihre Nachfolger sollten sich arragieren, die Nachzügler aus der Bronx oder Osteuropa haben hier wirklich nichts zu suchen.
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