Gedicht Nr.02 Tod
Ein Gedicht von Harold Pinter (1930-2008)
Wo fand man den Toten?
Wer fand den Toten?
War der Tote tot, als man ihn fand?
Wie fand man den Toten?
Wer war der Tote?
Wer war der Vater oder die Tochter oder der Bruder
Oder der Onkel oder die Schwester oder die Mutter oder der Sohn
Des toten und verlassenen Toten?
War er tot, als er verlassen wurde?
War er verlassen?
Wer hatte ihn verlassen?
War der Tote nackt oder gekleidet für eine Reise?
Warum haben Sie den Toten für tot erklärt?
Haben Sie den Toten für tot erklärt?
Wie gut haben Sie den Toten gekannt?
Woher wussten sie, dass der Tote tot war?
Haben Sie den Toten gewaschen
Haben Sie ihm beide Augen geschlossen
Haben Sie ihn begraben
Haben Sie ihn verlassen
Haben Sie den Toten geküsst
- Datum 31.12.2008 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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Wenn sich das Zeichen am Ende des Satzes krümmt,
wird der Satz zu einer Frage.
Was für ein Zeichen?
Was für ein Ende?
Hat dieser Tod über den Toten hinaus noch eine Bedeutung?
Ist der Tod der Liebhaber alter Menschen?
Ist der Jugendwahn am Ende das Todesurteil eitler Menschen?
Ist das Fragezeichen die typografische Umsetzung unseres Lebens?
Wann stirbt der Tod?
Und woran könnte er sterben?
An unserem Jugendwahn?
Könnte ich mich unsterblich in den Mann mit der großen Sichel verlieben?
Sind meine Fragen am Ende gar unberechtigt?
Wer gibt uns ein Zeichen?
Gibt es am Ende wieder einen Anfang?
Ist der Tod ein Kreisläufer unserer Existenz?
Ende?
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