Spielen Lebensgeschichte
Mit zwölf Jahren war sie »eine elegante kleine Dame, die genau um ihre Schönheit wusste«. Mit diesen Worten beschrieb sie – Jahre nach ihrem Unfalltod – eine Tante, die ihr in Kindertagen wie eine zweite Mutter gewesen war. Den Vater hatte es nie gegeben, der war im Krieg gefallen oder auch nicht; seine Spur hatte sich verloren, bevor sein Töchterchen anfing zu laufen. Später stilisierte sie ihn zu ihrem Helden, der ermordet worden war – wahrscheinlicher ist allerdings, dass er zu den Tätern und nicht zu den Opfern zählte.
Vielleicht war der frühe Weggang des Vaters die Ursache dafür, dass sie sich als Erwachsene nie wirklich binden wollte. Doch von dieser inneren Einsamkeit ahnte man noch nichts, als sie mit gerade 16 Jahren entdeckt wurde und bald darauf nach Paris kam, in die Stadt des Glamours und der Mode. Denn zunächst schien sie für ein Leben voll Zuneigung und Erfolg geboren, eine Prinzessin, für die sich alle Wünsche wie von selbst erfüllen würden. Sie war jung, blond, schön – und sie verfügte über diese spezielle Aura, die Erotik und Unnahbarkeit vereint.
Aber nur das brave Mädchen wollte sie auf Dauer nicht sein. Eines Tages fing sie an, statt Kleidern ausschließlich Hosenanzüge zu tragen, mal schwarz, mal weiß – eine geheimnisvolle, ein wenig androgyne Stilikone. So verbarg sie ihr wahres Ich geschickt hinter den unzähligen Bildern, die von ihr gemacht wurden. Was sie dachte, was sie wollte, wie sie sich sah – das alles blieb dabei ihr Geheimnis.
Es heißt, dass sie von sich aus nie mit anderen Menschen ins Plaudern kam. »Sie sprach nur, wenn sie angesprochen wurde, es interessierte sie nicht, keiner wurde aus ihr schlau«, erzählte posthum einer ihrer Weggefährten, der eine Zeit lang auch ein Lover gewesen war. Denn die große Schweigerin zog die Männer magisch an, allein durch die Art ihrer Blicke. Doch von Dauer waren ihre Abenteuer nie – vielleicht weil sie nicht lieben konnte, nicht einmal sich selber?
Das, was sie der Welt zu geben hatte, gab sie auf der Bühne. Da war sie mehr oder weniger zufällig gelandet, nachdem sie genug hatte vom Blitzlicht der Modefotografen. Und so wurde sie zur Sängerin, und ihre Präsenz und ihre Stimme ließen das Publikum vergessen, dass sie im Grunde keinen Ton richtig traf. Aber nun war sie kein Abziehbild mehr, sondern eine Musikerin, die dem Tod letztlich wohl näherstand als dem Leben. Und die ebendaraus ihre künstlerische Inspiration bezog.
Freilich trat nun auch immer mehr zutage, wie viel selbstzerstörerisches Potenzial sie in sich trug. Sie hatte früh das Scheinwerferlicht gesucht und lebte später fast nur noch in der Finsternis. Ihre einstige Schönheit hatte sie selber Stück für Stück verfallen lassen, mutwillig, wie es schien. Ganz zum Schluss hat sie einmal gesagt, sie bereue nichts in ihrem Leben – »außer kein Mann zu sein«. Wer war's?
Frauke Döhring
Lösung aus Nr. 1:
Publius Ovidius Naso wurde 43 v. Chr. in Sulmona geboren. Bekannt machten ihn seine Liebeslyrik, das »Lehrbuch« der »Ars amatoria« und die »Metamorphosen«. Kaiser Augustus relegierte ihn durch »Hausrecht« 8 n. Chr. nach Tolmis (heute Constanta in Rumänien). Dort lernte Ovid die Landessprache Getisch und starb 17/18 n. Chr.
- Datum 31.12.2008 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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