Richtig integriert

Die Sonderschulen sind viel besser als ihr Ruf Von Peter Schütterle

widerspruch

Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie »furchtbar« die Sonderschulen beziehungsweise Förderschulen sind und wie dringend sie abgeschafft werden müssten. Auch Frank Drieschner hat diese Forderung nun in seinem Artikel Am Ende des Sonderwegs (ZEIT Nr. 1/09) erhoben. Die weitaus unbequemere Frage stellt er nicht: Wie lassen sich die notwendigen Förderbedingungen für Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen an der sogenannten Regelschule realisieren? Teamunterricht, Gutachtenzeugnisse, individuelle Förderpläne, Klassenstärke von maximal zwölf Schülern, Therapie- und Pflegeräume, barrierefreies Schulgelände, Ganztagsunterricht – all das sind Voraussetzungen, um Kindern, die aus dem Normalschema herausfallen, auch eine Bildungsbiografie zu ermöglichen.

Den sympathischen Jungen mit dem Downsyndrom kann man sicherlich mehr oder minder leicht in eine Regelschule integrieren. Aber den schwer mehrfachbehinderten oder den verhaltensauffälligen ADHS-Schüler, der seine Eltern schlägt und Medikamente nehmen muss, will kein Regelschullehrer gern unterrichten. Inklusion ist eine feine Idee – aber nicht ohne die notwendige spezielle und aufwendige Förderung der einzelnen Schülerinnen und Schüler. Und es ist ein Zeichen für die Humanität unserer Gesellschaft, dass sich Deutschland diese Förderung bisher viel hat kosten lassen.

Meine Vision eines integrativen Bildungssystems sieht so aus: Eigentlich müsste man Kinder von der Regelschule in die Förderschule integrieren, natürlich im Team mit einem Kollegen einer Regelschule. Räumlichkeiten wie an der Förderschule und die kleine Klassenstärke sind für jeden Gymnasialkollegen ein Traum. Das, was die internationalen Leistungsstudien fordern, ist seit Langem Alltag an den Förderschulen. Die Sonderpädagogik zeigt den Weg für eine individuelle Förderung. Die Förderschule setzt in vielen Bereichen den Maßstab für gerechte Bildungschancen. Sie sollte bei der Umgestaltung unseres Bildungswesens den Ton angeben.

Peter Schütterle ist Lehrer für Sonderpädagogik an einer Förderschule in Leverkusen

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    • Quelle DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
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