Kultur Hat es Linz geschafft?
Alfred Dorfer sieht gespannt dem Kulturhauptstadtjahr in Linz entgegen
Kulturhauptstadt – was für ein schöner Titel. Das klingt nach großer Welt und verspricht ein Jahr voller Feste, Premieren, kultureller Großereignisse. Eine nicht enden wollende Party der Wunder. Es soll ein bunter Reigen werden, der allen etwas bieten will: Bodenständiges, Avantgarde, Liebliches und Provokantes. Das Programmbuch, ein Prunkband, knapp 300 Seiten dick, erzählt von einem Kaleidoskop, in dem nichts fehlen darf. Stilgerecht begann alles mit einer Raketensymphonie in der klirrend kalten Neujahrsnacht – einem Großfeuerwerk, begleitet von einem rhythmischen Chorgesang, der irgendwie so recht nicht zu den Funkenlilien am Nachthimmel passen wollte. Macht nichts, Hauptsache, es war originell. Und die lokalen Prominenzen waren sehr stolzgeschwellt. Linz will es jetzt schließlich allen zeigen, will auftrumpfen, will sich einen Fixpunkt auf der europäischen Landkarte erobern und endlich aus dem Mief der Provinz heraustreten. Deswegen lassen sich Stadt, Land und Staat auch nicht lumpen. Ausgerichtet wird das Ereignis von einem Schweizer Großunternehmer, der schon seit vielen Jahren in der Schweiz oder in Innsbruck segensreich gewirkt hat. Bloß eine Antwort kann auch er nicht überzeugend liefern: Was ist das überhaupt, eine sogenannte Kulturhauptstadt? Ein verzweifelter Versuch, aus dem Schatten herauszutreten, endlich das Image von Führerstadt, Stahlstadt, verpestetem Industriemoloch abzuschütteln? Oder doch nur die Anmaßung: Hoppla, jetzt kommen wir?
- Datum 08.01.2009 - 16:20 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
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