Tausende kleine Monde glitzern nachts auf dem Victoriasee. Auf kleinen Flößen schaukeln Petroleumleuchten über das schwarze Wasser, um Fische anzuziehen. Seit Jahrzehnten locken Männer wie Pottas Aboy auf diese Art den Fang in ihre Netze. Nun hat bei Aboy der Fortschritt Einzug gehalten.

Der Fischer aus dem Dorf Mbita hat seit ein paar Wochen eine neue Lampe. Ihre Glühbirne ist groß und spendet das typische kühle Licht von Energiesparlampen, ein Kabel verbindet sie mit einer kleinen Akkubox. Das sei nicht nur billiger, sondern auch zuverlässiger und umweltfreundlicher als die bisherigen Benzinlampen, sagt der Fischer. Dafür, dass er seine neue Lampe vorführt, wird Pottas Aboy von Osram bezahlt. Denn der deutsche Glühbirnenhersteller möchte elektrisches Licht in Gegenden bringen, in denen es kein Stromnetz gibt. Und bei den 175.000 Fischern am Victoriasee erhofft sich das Unternehmen beträchtlichen Gewinn. Eine Idee, die auf scheinbar ideale Weise Entwicklungshilfe mit Umweltschutz und Rendite verbindet.

Doch leider klafft zwischen Ideal und Wirklichkeit eine gewaltige Lücke. Obwohl es die solar betriebenen Lampen seit gut neun Monaten gibt, werden sie erst von zwei Fischern genutzt, einer davon ist Pottas Aboy. Die Gründe dafür sind vielfältig: Politische Instabilität, Bürokratie und kulturelle Unterschiede machen dem Osram-Projekt zu schaffen. Und man kann daran geradezu beispielhaft studieren, warum von der Idee her sinnvolle Entwicklungsprojekte in der Praxis immer wieder scheitern.

Osrams Abteilung für Nachhaltigkeit in München hatte alles gründlich geplant. Man hatte Tabellen gesichtet, Weltmarktpreise verglichen und Gewinnmargen ermittelt. 1,6 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu Elektrizität, die meisten von ihnen in Afrika und Indien . Je nach Ölpreis geben sie, laut Weltbank, etwa 38 Milliarden Dollar im Jahr für Benzin aus – nur um Lampen zu entzünden. Marktführer im Bereich Licht sind die Ölgiganten, nicht Elektrofirmen. Das sollte sich ändern.

Die Osram-Entwickler erarbeiteten ein Konzept für Solar-Tankstellen, die portionierten Strom verkaufen. Die Sonnenenergie sollte in tragbare Batterien gespeichert werden, damit auch abseits von Stromnetzen kleine Geräte wie Radios, Handys und vor allem Lampen betrieben werden könnten. Der Gedanke sei so simpel, dass sie sich gefragt hätten, warum zuvor noch keiner darauf gekommen sei, sagt Wolfgang Gregor, der Chef der Münchner Abteilung.

»Irgendwie läuft das hier alles etwas anders«, staunt der Schwabe in Afrika

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Ein Jahr dauerte die Vorbereitung. Sogar das Afrikainstitut der Universität Wien wurde zu Rate gezogen und eine lokale NGO zur Zusammenarbeit gewonnen. Auf dem Dach in München baute man das Modell der Station: Schaltschränke, Solarpaneele, Steuerungselektronik, bis hin zum Blitzschutz wurde die Umsetzung simuliert. Dann wurden Techniker geschickt, und nach vier Monaten stand die erste Solarstation am Victoriasee. Zwei Millionen Euro hat Osram bisher investiert, 200.000 Euro davon kommen von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, einem Unternehmen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).