Dresdner Bank Überzogen, übernommenDresdner

Viele Mitarbeiter der Dresdner Bank fürchten um ihre Gehälter. Wenn der Staat den Banken hilft, müssen auch sie verzichten

Wenn zwei Konzerne zu einem einzigen verschmolzen werden müssen, geht das nicht ohne Irritationen ab. Diese Erfahrung machen derzeit die Mitarbeiter von Dresdner Bank und Commerzbank. Man kann es den Bankangestellten und auch den Managern unter ihnen nicht verdenken, dass sie sich unwohl, verunsichert oder sogar bedroht fühlen. Aber es geht nicht anders.

Die beiden traditionsreichen Finanzhäuser – die Commerzbank entstand ein Jahr vor der Reichsgründung 1871, die Dresdner ein Jahr später – sollen jetzt zusammengelegt werden. Es ist das größte Vorhaben dieser Art, das es unter deutschen Banken jemals gegeben hat. Und das Ganze geschieht vor dem Hintergrund einer Banken- und Finanzkrise, wie die Welt sie noch nicht gesehen hat.

Die Fusion folgt einer Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank. Der Vollzug des im August 2008 ausgehandelten Deals soll in diesen Tagen offiziell bekannt gegeben werden, nachdem Dutzende Aufsichtsbehörden rund um den Globus dem Zusammenschluss der international operierenden Finanzkonzerne zugestimmt haben. Der Prozess der Verschmelzung hat aber informell schon längst begonnen.

Die Machtverhältnisse sind eindeutig. Die Herren der Commerzbank, die in früheren Jahrzehnten stets im Schatten der erfolgreicheren Dresdner Bank standen, sind am Drücker. Die neue Bank wird den Namen Commerzbank tragen. Und in ihrem Vorstand wird kein einziger Topmanager aus der Dresdner Bank sein.

Das war ursprünglich einmal anders geplant und verkündet worden. Einer von den »Grünen« sollte oben weiter mit dabei sein. Doch Dresdner-Vormann Herbert Walter hat im Dezember das Handtuch geworfen und erklärte seinen Verzicht auf einen Vorstandsposten in der vereinigten Großbank. Das war klug und richtig. Dass Walter in einem Abschiedsinterview im Intranet seiner Bank allerdings die Behauptung wagte, die Dresdner sei »solide aufgestellt«, zeugt von einer eingetrübten Wahrnehmung der Wirklichkeit.

Sie ist es nicht. Und weil sie es nicht ist, hat sich ihr früherer Eigentümer, die Allianz, am Ende zu einem Verkauf durchgerungen. Das war ein Schritt, der dem Versicherungskonzern schwerfiel, weil er besiegelte, dass die Übernahme der Bank im Jahr 2001 ein Fehler war. Ein Fehler übrigens, der die Aktionäre der Allianz viele Milliarden gekostet hat und die Manager nichts. Ein Rücktritt des damals Hauptverantwortlichen Henning Schulte-Noelle von seinem heutigen Amt als Aufsichtsratsvorsitzender wäre daher angebracht.

Für die neue Bank wird es sich wohl als ein Vorteil erweisen, dass sie von einer Mannschaft geführt wird, die in dieser Formation schon länger zusammenspielt. Das vermeidet Reibung an der Spitze eines an Friktionen überreichen Gebildes.

Ein einigermaßen spektakulärer Fall gegenläufig wirkender Kräfte ereignete sich gerade im Aufsichtsrat der noch unverschmolzenen Dresdner. Das Gremium sollte nach den Vorstellungen der Kapitalseite den Commerzbank-Chef Martin Blessing und zwei seiner Kollegen zusätzlich schon einmal zu Dresdner-Vorständen wählen, um die Fusion auf diese Weise zu beschleunigen. Aber die Arbeitnehmervertreter der Dresdner widersetzten sich dem Plan. Mit der Symbolhandlung – beim nächsten Mal können sie mithilfe der Doppelstimme des Aufsichtsratschefs überstimmt werden – äußerten sie ihren Ärger über die geplanten Modalitäten der Verschmelzung.

Schon lange ist bekannt, dass im Zuge der Fusion Tausende von Arbeitsplätzen wegfallen werden. Nach den bisherigen Angaben sollen es 9.000 von 67.000 Stellen weltweit sein, aber wahrscheinlich werden es erheblich mehr sein, weil sich die Bankenkrise seither drastisch verschärft hat.

Die Sorgen der Betriebsräte entzünden sich vor allem daran, dass die Mitarbeiter der Dresdner beim Übergang auf die neue Bank so behandelt werden sollen, als würden sie neu eingestellt. Sie fürchten, dass nicht wenige von ihnen außertarifliche Vorteile verlieren und auch bei der betrieblichen Altersvorsorge Abstriche machen müssen.

Man kann es allerdings den Commerzbankern nicht verdenken, wenn sie im Zuge der Übernahme das höhere Gehaltsniveau bei vielen Mitarbeitern der Dresdner auf das bei der Commerzbank übliche absenken. Es wird nicht Kassierer und Sekretärinnen treffen, sondern gut bis hoch bezahlte Finanzspezialisten, von denen viele an Geschäften beteiligt waren, die zu heutigen Problemen geführt haben.

Blessing und seine Vorstandskollegen müssen alles auf den Prüfstand stellen. Schon jetzt besteht kein Zweifel: Die überzogenen Renditeansprüche der Banker gingen intern auch mit überzogenen Gehaltsansprüchen einher. Auch sie waren teilweise nur durch Geschäfte zu erfüllen, die auf Dauer nicht gut gehen konnten oder sogar Kettenbriefcharakter hatten.

Die fusionierte Großbank muss erheblich kleiner sein als die Summe der beiden Vorgängerinstitute, sie muss sich auf weniger risikoreiche Geschäfte konzentrieren, und sie muss eine neue Kultur entwickeln, die auch einen deutlichen Bruch mit der Vergangenheit bedeutet. Darin darf die Spekulation, die sich bei den Banken hinter dem unscheinbaren Begriff Eigenhandel verbirgt, nur noch eine marginale Bedeutung haben. Hier gilt der böse, aber zutreffende Satz des Würzburger Bankenprofessors Ekkehard Wenger: »Jeder Investmentbanker, der verschwindet, ist ein Gewinn für die Bank, die er verlässt.«

Es ist gut, dass an der Spitze der neuen Commerzbank ein Vorstandschef steht, dessen Gehalt inzwischen gedeckelt ist. Blessing bezieht nur die halbe Million, die Finanzminister Steinbrück den Chefs staatlich geschützter Institute zubilligt.

Beide Banken sind in einem weitaus größeren Ausmaß auf Staatshilfen angewiesen, als bislang gedacht. Da dürfen die Steuerzahler unter anderem auch erwarten, dass die Mitarbeiter dieser Institute ihren Tribut leisten. Jedenfalls die gut bezahlten.

 
Leser-Kommentare
    • kkr
    • 08.01.2009 um 9:43 Uhr

    schon seit sich die Deutsche Bank für die DreBa interessierte -und es glücklicherweise- sein ließ, ist jedem halbwegs mit der Materie vertrauten klar, dass die DreBa ein faules Ei ist.

    Und das jetzt die DreBa und deren Mitarbeiter auf das CoBa-Niveau gestutzt werden, ist klar. Das ist Marktwirtschaft und dient dem Erhalt der Bank. Die sollten froh sein, das die DreBa nicht geschlossen wird.

  1. Bei dem Untersatz "Viele Mitarbeiter der Dresdener Bank fürchten um ihre Gehälter" entsteht zunächst der Eindruck, dass die Übernahme nicht nur Personal abbaut , sondern auch Gehälter kürzt. Die Übernahme erfolgt aber doch nicht zur Rettung der Gehälter, sondern weil der Commerzbank seit vielen Jahren der Teil von Kunden fehlt, der solide spart und den offensichtlich die Dresdener Bank hat. Darüber hinaus wurde die Dresdener Bank wohl an "die Wand gefahren" und kann jetzt mit Hilfe des Staates saniert werden. Es ist dann erfreulich, dass die Aussage in dem Untersatz eingegrenzt wird auf "die gut bezahlten Mitarbeiter und die übertariflichen Zulagen". Es doch wohl diesem Teil der Mitarbeiter zu verdanken, dass die Dresdener Bank so schlecht aufgestellt ist. Es stünde auch dem Betriebsrat gut zu Gesicht, dies offen zu legen und entsprechend zu handeln.

    • wpev
    • 08.01.2009 um 17:23 Uhr

    Warum muß hier der Bürger "bluten"? Warum wird nicht kaufmännisch der Wert ermittelt und der Allianz bezahlt? Merken die Herrschaften endlich das diese Kolossalgebilde, ob Bank oder demnächst VW, sehr schwer zu manövrieren sind?

    Dann hat die Allianz eben eine Fehlinvestition getroffen... und ob sie diese Verluste über die Policen ausbügeln kann... das wird der Markt dann schon zeigen! Unter dem Mäntelchen der Finanzkrise kann man sich jedoch leichter kurieren. Andere zahlen ja.

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