Autotest Ein Wagen für Hasenfüße

Marc Brost, Wirtschaftspolitischer Korrespondent im Hauptstadtbüro, wünscht sich im Mercedes GLK die Zeiten der Jäger und Sammler zurück

Der Urvater aller deutschen Geländewagen ist das G-Modell von Mercedes. Seit fast dreißig Jahren gibt es diesen Kasten auf vier Rädern. Ein Auto ohne Schnickschnack. Ein eckiger Riese mit einem Luftwiderstand, so groß wie ein Scheunentor. Das G-Modell ist ein Wagen für Jäger und Sammler. Eine beliebte Farbe ist dunkles Grün. Da fällt man im Wald nicht allzu sehr auf.

Der Mercedes GLK ist der kleine Bruder des G-Modells. Er ist ähnlich kantig. Und dennoch ist er ein Wagen für eine ganz andere Zielgruppe. Der GLK ist ein Auto für Hasenfüße. Für Leute, die sich wegen des Designs unbedingt ein iPhone kaufen müssen und es dann in einer hässlichen Schutzhülle verstecken. Was soll ich mit einem Geländewagen, mit dem ich nicht ins Gelände kann? Mein Testwagen ist doch tatsächlich tiefergelegt. So kann man zwar durch die Großstadt fahren. In den Wald aber verirrt man sich besser nicht.

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Der eingebaute Sechszylinder hat unglaubliche 272 PS. Das sind die Werte eines kleinen Sportwagens – doch schnell sollte man mit dem GLK nicht fahren. Dafür ist er zu groß (und verbraucht deswegen viel zu viel Benzin); er ist zu laut (die Windgeräusche auf der Autobahn sind enorm); und seine Lenkung ist viel zu leichtgängig (das ist vielleicht angenehm beim Einparken, aber ziemlich unangenehm bei hoher Geschwindigkeit).

Ein bisschen Sportwagen. Ein bisschen Geländewagen. Und dann diese Farbe! Bonamitsilber heißt sie, eine grün schimmernde Metalliclackierung, die nur solchen Käufern gefallen wird, die ein bisschen Silber wollen und ein bisschen Grün und die sich nicht für eine der beiden Farben entscheiden wollen. Hasenfüße eben.

Dabei hätte Mercedes aus dem GLK viel mehr machen können. Wie, das haben amerikanische Tuner gezeigt, die den kleinen Benz zum Verkaufsstart in den USA ein bisschen aufmotzten. Die Legendary Motor Company etwa baute an den GLK abnehmbare Rampen an, sodass man mit dem Mountainbike direkt aufs Dach fahren konnte. Das Auto, das nicht fürs Gelände taugt, wurde selbst zum Gelände.

Doch Amerika ist weit, und die Straßen Berlins sind dreckig. So dreckig, dass ich mit dem Testwagen noch durch die Waschanlage fahren will, bevor ich ihn zurückgebe. An der Kasse sagt der Tankwart, ich wolle doch bestimmt noch die Seitenspiegel einklappen – der Wagen sei ja sehr breit. Ich ahne: Er hält mich für einen Hasenfuß.

Technische Daten:
Motorbauart: 6-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 200 kW (272 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 6,7 s
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
CO²-Emission: 250 g/km
Durchschnittsverbrauch: 10,7 Liter
Basispreis: 46.933 Euro

 
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