Gefragt Grenzenlose Bildung

Deutsche, tschechische und polnische Schüler lernen zusammen

DIE ZEIT: An Ihren freien Schulen namens Schkola in Sachsen wird das Fach »Nachbarschaft und Sprache« unterrichtet. Was hat es damit auf sich?

Ute Wunderlich: Wir sind ein Schulverbund aus insgesamt neun Schulen im Dreiländereck Deutschland, Tschechien und Polen. Ab der ersten Klasse erhalten die Schüler mehrsprachigen Unterricht. In Tschechien und Polen Deutsch, in Deutschland haben drei Schulen Tschechisch, eine hat Polnisch.

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ZEIT: Beschränkt sich das Fach auf den Unterricht der Sprachen?

Wunderlich: Nein, wir haben verschiedene Inhalte aus Lehrplänen von tschechischer und deutscher Seite zusammengefasst, sodass die Schüler in den höheren Klassen etwa auch in Geografie und Geschichte fremdsprachlich unterrichtet werden.

ZEIT: Lernen die Nachbarn auch zusammen?

Wunderlich: Ja, wir organisieren einen regelmäßigen Austausch mit Partnerklassen. In der Grundschule gibt es einmal wöchentlich einen Begegnungstag, da machen die Kinder Kunst, Musik. Ab Klasse vier gibt es einmal im Monat eine Projektwoche.

ZEIT: Nun wollen Sie eine europäische Modellschule realisieren.

Wunderlich: Wir planen eine Modellschule mit einem durchgängigen Konzept, nach dem unsere Schulen im In- und Ausland ein gegenseitig anerkanntes Abitur, aber auch die Realschüler einen einheitlichen Abschluss erreichen können.

ZEIT: Welchen Vorteil hat das für die Schüler?

Wunderlich: Die Schüler haben nach dem Abschluss bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt – auch in den Nachbarstaaten, unsere Schüler absolvieren bereits grenzübergreifende Praktika.

Interview: Gudrun Lund

Ute Wunderlich ist Leiterin der Freien Schulen Schkola

 
Leser-Kommentare
  1. Es muss ja noch gar nicht ZUSAMMEN gelernt sein, ZUEINANDER ist doch auch schon was! Und dabei geschieht LERNEN wieder wie in der Ich-kann-Schule als EINE FÄHRTE VERFOLGEN, ERFAHRUNGEN MACHEN, eben das, was es ursprünglich bedeutet. Und bei diesem ORIGINALEN Lernen hat man auch Bewegung und sitzt sich nicht nur Aggressionen an. Da kann man doch nur guten Weg wünschen und mitrießenden Erfolg!
    Franz Josef Neffe

  2. Ich finde das eine wunderbare Idee, sowas gibt es in Sachsen auch...warum gibt es sowas nicht in anderen Grenzgebieten D /Dk oder D/F ? Oder ist das Aufbauen von grenzüberschreitenden Freundschaften und Bewegungen im großen Maßstab vielleicht doch zu suspekt für manche Leute ? Auf jeden Fall erklärt mir das den Vorsprung der Sachsen und Brandenburger in der Pisa-Studie...frischer Wind in der Bildung ist aber nicht jedermanns Sache. Aber nur so wächst Europa auch von unten zusammen, und das ist gut so.

    • naej
    • 11.01.2009 um 16:31 Uhr

    1. Seit einem Abkommen von 1994 zwischen den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich wird das AbiBac angeboten, das in beiden Ländern als Hochschulreife vollwertig anerkannt wird. (http://de.wikipedia.org/w...)

    2. Das Scheitern des Fremdsprachenunterrichts in den Grundschulen ("No Murks, please. Stoppt den Fremdsprachenunterricht an Grundschulen! " Von Thomas Kerstan DIE ZEIT, Ausgabe 52, 2008) ist wahrscheinlich auf den fehlenden praktischen Bezug zurückzuführen, der bei der "grenzenlosen Bildung" eben gegeben ist...

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