Fernmündlich
Verwaltungsbeamte lernen, verständlich zu schreiben
Die Zeit: Sie schreiben Behördenbriefe um. Warum?
Michaela Blaha: Beamte schreiben: »Ich bitte um Ihren fernmündlichen Rückruf.« Warum schreiben sie nicht: »Bitte rufen Sie mich zurück.« Oder: »Es besteht keine Aussagepflicht.« Einfacher wäre: »Sie brauchen nicht auszusagen.«
Zeit: Wie reagieren denn die Beamten?
Blaha: Einige beschweren sich: »Es geht in einem Behördenbrief doch nicht darum, dass es schön klingt, sondern dass alles juristisch korrekt ist!« Dann antworte ich: »Es nützt Ihnen nichts, wenn alles korrekt ist, aber der Laie Sie nicht versteht.« Denn viele Bürger haben keine Ahnung, was das Amt von ihnen will. Natürlich muss alles gerichtsfest sein. Aber in vielen Fällen kann man ohne Probleme umformulieren.
Zeit: Wissen die Behörden von ihrem Sprachproblem?
Blaha: Die Verwaltungen melden sich bei uns und reichen Briefe ein, die häufig verschickt werden oder zu denen oft Rückfragen von Bürgern kommen. Wir entwickeln eine Alternative und stimmen sie ab, bis wir eine für beide Seiten akzeptable Version haben. Derzeit arbeiten wir mit 14 Städten und der Bundesverwaltung zusammen.
Zeit: Sind Beamte lernfähig?
Blaha: Ja, nach und nach verbessert sich ihr Stil. Wenn wir mit jemandem zum dritten oder vierten Mal arbeiten, bringt er oft selbst Vorschläge.
Zeit: Und warum schaffen Beamte es nicht von allein, verständlich zu schreiben?
Blaha: Es wird ihnen nicht beigebracht! Sie lernen die Fachsprache – und zwischen Experten ist die auch effizient. Nach vielen Jahren fällt den Fachpersonen ihr eigener Sprachgebrauch gar nicht mehr auf.
Interview: Marike Frick
Foto: privat
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
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