Die Vorgeschichte
Anders als in anderen Bundesländern ist der Religionsunterricht in Berlin kein ordentliches Schulfach, sondern ein freiwilliges Zusatzangebot. Es hat keine Relevanz für Noten und Versetzungen. Den Ausschlag für den Berliner Streit um die richtige Vermittlung von Werten an der Schule gab ein Mord in einer türkischstämmigen Familie im Februar 2005. Ein junger Mann hatte in Berlin-Tempelhof seine Schwester getötet, die in den Augen der Familie zu »unislamisch« gelebt hatte. Etliche muslimische Schüler hatten damals Verständnis für die Bluttat gezeigt. Daraufhin führte die Koalition aus SPD und Linken vor eineinhalb Jahren in den Klassen sieben bis zehn ein neues Fach ein: den verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler. Diese Regelung stieß auf erbitterten Protest der Kirchen, die das Fach Religion an den Rand der Schule gedrängt sahen. Die Bürgerinitiative Pro Reli möchte jetzt mit einem Volksbegehren erreichen, dass sowohl Religion als auch Ethik zu alternativen Pflichtfächern werden. Die Schüler müssten sich dann für eines der Fächer entscheiden. So soll der Religionsunterricht als ordentliches Schulfach aufgewertet werden. Für eine Volksabstimmung muss Pro Reli bis zum 21. Januar 170000 Unterschriften in Berlin sammeln. spi
- Datum 08.01.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
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