Bildungspolitik Der Segen der Krise

In Bildung muss immer investiert werden. Nicht nur wenn die Konjunktur es braucht

Wer im Studium Erleuchtung sucht, ist an der Uni Köln falsch. Im vergangenen Sommersemester krachte eine schlampig montierte Lampe von der Decke und baumelte in fünf Metern Höhe wie am seidenen Faden - in zwölf Hörsälen mussten fortan Netze die Studenten vor ihrer Lehranstalt schützen. Es ist nur ein Beispiel für den Zustand deutscher Bildungsinstitutionen: notdürftige Abhilfe hier, marode Sanitäranlagen da, Schimmel und klaffende Löcher im Dach überall. Über diese Missstände geredet haben die Verbände, die Wirtschaft, die Politik – und es oft dabei belassen. Bis zur Finanzkrise. Denn auf einmal soll etwas geschehen, was der mit viel Aufwand inszenierte Bildungsgipfel vor gut zwei Monaten nicht zustande brachte: Mit dem Konjunkturpaket II soll Geld in Bildung und ihre Infrastruktur fließen und vor allem die Finanzierung geklärt werden.

Im Gegensatz zu den Beschlüssen vom Oktober geht es dabei aber nicht um die Verringerung der Schulabbrecherquoten oder um Sprachförderung noch vor der Grundschule. Kurz: Es geht nicht um pädagogische Konzepte. Was mit dem Konjunkturpaket II beschlossen werden dürfte, sind Investitionen in Mauern, Dächer, Ausstattung. Sinnvolle Maßnahmen, und doch bleibt die Frage: Warum erst jetzt? Dass es in mancher Schule von der Decke tropft, ist schließlich keine neue Erkenntnis. Eigentlich gewollt, das ist die Lehre aus der Finanzkrise, sind kurzfristige Effekte: gefüllte Auftragsbücher für die Bauwirtschaft und der Erhalt von Arbeitsplätzen während des Abschwungs.

Wenn im Rahmen eines Konjunkturpakets Milliarden in die Infrastruktur fließen, zeigt sich daran auch die Machtlosigkeit der Bildungspolitiker. Denn werden auf einem Bildungsgipfel Beschlüsse gefasst, bleibt die Finanzierung ungeklärt. Steckt Deutschland aber in der Rezession, überbieten sich die Parteien mit Milliardenforderungen für Schule und Hochschule. Dahinter aber stehen dann auch Interessen von Bauwirtschaft und Handwerk. Wirtschaftslobbyisten sind mächtiger als die Anwälte der Bildung. Geld für Schulen scheint es vor allem auf Umwegen zu geben: Da muss erst eine Finanzkrise kommen. Es ist gut, dass endlich investiert wird. Doch eigentlich wichtig wäre die Einsicht, dass mehr Investitionen in die Bildung auf Dauer dringend nötig sind. Und nicht nur wenn es gerade der Wirtschaft nützt.

 
Leser-Kommentare
  1. Ein wahrer und richtiger Artikel. Aber wird ihn auch nur ein Politiker lesen? Werden Lobbyisten der Wirtschaft deswegen ihre Einstellung aendern?

    Es koennen noch so viele wahre Dinge geschrieben werden, wenn kein Leser den Eindruck hat, dass er politisch etwas aendern kann.

    Ich nehme an, das, der Zynismus der Politik, der hier im Artikel dargestellt wird, frustriert schon lange Lehrer und Professoren, Eltern, Schueler und Studenten.

    Aber warum aendert sich nichts, wenn doch die Mehrheit sich andere Verhaeltnisse wuenscht? Wundervolle Demokratie.

    • gauss
    • 08.01.2009 um 15:51 Uhr

    Es gibt bei Politik und Volk einfach kein Einsehen, dass Bildung Geld kostet, und gute Bildung viel Geld. Egal wo man hinschaut, ob Uni, Fachhochschule, Gymnasium, Haupt- und Realschule oder Kita, überall fehlt Geld.

    Ende der 70er Jahren sind die letzten öffentlichen Schulen gebaut worden, viele müssen aufgrund baulicher Mängel geschlossen werden. Ich denke ein Zustand, den man in Afrika oder in Südosteuropa erwarten würde, aber nicht in Deutschland, immer noch eines der führen Industrieländer dieser Welt. Es fehlt die Lobby.

    Es gibt einfach kein Einsehen, das Bildung ein Investment ist, ein Investment für eine solide Finanzierung eines Sozialstaats, denn gut Ausgebildete zahlen mehr Steuern, als schlecht Ausgebildete. Die Investitionen in die Bildung sind doch nur eine Unterstützung der Bauwirtschaft, neben den baulichen Maßnahmen bedarf es anderer Investitionen, die werden aber auch in Zukunft ausbleiben. 480 Mrd. € (potentielle) Hilfen für die Banken wurden quasi vor dem Frühstück beschlossen, aber jede Million für die Bildung wird hart errungen. Daran kann man ermessen wie Bildung eben auch von der Politik gesehen wird, eben alls optionale Sache, und nicht als obligatorisch! So ist kein Staat zu finanzieren, denn die ökonomische Basis reduziert sich von Generation zu Generation. Viele möchten gerne Einheitsschulen, Gemeinschaftsschulen, Gesamtschulen, vergessen aber immer gerne, das noch nicht einmal das Geld dafür locker gemacht wird, das die bestehenden Schulen in Schuss gehalten werden. Es ist hoffnungslos!

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    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

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    Es gibt einfach kein Einsehen, das Bildung ein Investment ist, ein Investment für eine solide Finanzierung eines Sozialstaats, denn gut Ausgebildete zahlen mehr Steuern, als schlecht Ausgebildete.

    Sehr richtig. Nicht zu vergessen, dass die Menschen die einzige Resource sind, die dieses Land noch hat. Andere Länder haben Rohstoffe oder Tourismus etc. Deutschland hat nur noch seine Bevölkerung. Investitionen in Bildung dienen also auch dazu, diese Resource zu heben.

    Die Welt steht vor einigen Herausforderungen, sei es im Bereich der Energieversorgung, der Nahrungsmittelversorgung oder auch in der Politik und Wirtschaft. Eine gute Ausbildung nachfolgender Generationen ist auch in Hinsicht auf diese Aufgaben eine Investition.

    Es gibt einfach kein Einsehen, das Bildung ein Investment ist, ein Investment für eine solide Finanzierung eines Sozialstaats, denn gut Ausgebildete zahlen mehr Steuern, als schlecht Ausgebildete.

    Sehr richtig. Nicht zu vergessen, dass die Menschen die einzige Resource sind, die dieses Land noch hat. Andere Länder haben Rohstoffe oder Tourismus etc. Deutschland hat nur noch seine Bevölkerung. Investitionen in Bildung dienen also auch dazu, diese Resource zu heben.

    Die Welt steht vor einigen Herausforderungen, sei es im Bereich der Energieversorgung, der Nahrungsmittelversorgung oder auch in der Politik und Wirtschaft. Eine gute Ausbildung nachfolgender Generationen ist auch in Hinsicht auf diese Aufgaben eine Investition.

  2. In der allgemeinen Diskussion wurde bisher eine bildungsferne Schicht immer ausgeklammert - unsere Politiker.

    [Anmerkung: Bitte tragen Sie zu einer sachlichen Diskussion bei. Vielen Dank. Die Redaktion as]

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    Ich habe soeben gelesen, dass fast hundert Bundestagsabgeordnete berufliche Hintergründe in Forschung und Lehre mitbringen...

    Da müsste im Bildungsbereich doch mehr passieren, als dass sich diese (ehemaligen?) Lehrkräfte zu Bütteln der Bauindustrie machen lassen, so wie es der Artikel andeutet. Schöne Schulgebäude sind ja prima, aber entscheidend ist doch, was drinnen veranstaltet wird :-)

    Guckst Du hier...

    Ich habe soeben gelesen, dass fast hundert Bundestagsabgeordnete berufliche Hintergründe in Forschung und Lehre mitbringen...

    Da müsste im Bildungsbereich doch mehr passieren, als dass sich diese (ehemaligen?) Lehrkräfte zu Bütteln der Bauindustrie machen lassen, so wie es der Artikel andeutet. Schöne Schulgebäude sind ja prima, aber entscheidend ist doch, was drinnen veranstaltet wird :-)

    Guckst Du hier...

  3. Es gibt einfach kein Einsehen, das Bildung ein Investment ist, ein Investment für eine solide Finanzierung eines Sozialstaats, denn gut Ausgebildete zahlen mehr Steuern, als schlecht Ausgebildete.

    Sehr richtig. Nicht zu vergessen, dass die Menschen die einzige Resource sind, die dieses Land noch hat. Andere Länder haben Rohstoffe oder Tourismus etc. Deutschland hat nur noch seine Bevölkerung. Investitionen in Bildung dienen also auch dazu, diese Resource zu heben.

    Die Welt steht vor einigen Herausforderungen, sei es im Bereich der Energieversorgung, der Nahrungsmittelversorgung oder auch in der Politik und Wirtschaft. Eine gute Ausbildung nachfolgender Generationen ist auch in Hinsicht auf diese Aufgaben eine Investition.

    Antwort auf "Einfach kein Einsehen"
  4. Ich habe soeben gelesen, dass fast hundert Bundestagsabgeordnete berufliche Hintergründe in Forschung und Lehre mitbringen...

    Da müsste im Bildungsbereich doch mehr passieren, als dass sich diese (ehemaligen?) Lehrkräfte zu Bütteln der Bauindustrie machen lassen, so wie es der Artikel andeutet. Schöne Schulgebäude sind ja prima, aber entscheidend ist doch, was drinnen veranstaltet wird :-)

    Guckst Du hier...

    Antwort auf "Bildungsferne Schicht"
    • Anonym
    • 09.01.2009 um 11:21 Uhr

    Man kann aus dieser Sache zwei klipp und klare und furchtbare Erkenntnisse ziehen.

    Dies ist der erste Artikel + Kommentare, den ich lese, bei dem sich ALLE einig sind! Bisher ausnahmslos. Wenn sich alle im Volk einig sind, dann müsste in einer Demokratie etwas passieren; das ist nämlich das Wesen der Demokratie.
    Das heißt schlichtweg, dass
    1. die Menschen, die uns regieren, uns nicht vertreten
    und
    2. wir nicht in einer Demokratie leben.

    Salus Publica Suprema Lex

  5. Auch ich stimme mit dem Grundtenor des Artikels überein. Trotzdem erscheint mir die Schlussfolgerung, dass wir nicht in einer Demokratie leben, als zu hart. Ich sehe das Problem eher in der Kurzfristigkeit des politischen Denkens - und zwar sowohl bei den Politikern als auch bei den Wählern.
    Wenn Politiker ein Maßnahmenpaket für die Wirtschaft beschließen, dann wird sich der Erfolg (oder Misserfolg) in ein bis zwei Jahren zeigen. Ein Investitionsprogramm für die Bildung wird hingegen seine positive Wirkung in frühestens fünf Jahren (bei Hochschulen) oder gar erst in 20 Jahren (bei frühkindlicher Bildung) sichtbar werden lassen. Das wäre kein Problem, wenn die Wähler ein langes Gedächtnis hätten. Haben sie aber nicht. Kaum eine Regierung in diesem Land ist je für schlechte Bildungspolitik wirklich bestraft worden - aber viele für schlechte Steuerpolitik.
    Das ist in meinen Augen der Grund, warum in den Parteiprogrammen viel über das richtige Bildungssystem geschwafelt wird. Das ist alles Augenwischerei, denn internationale Studien legen nahe, dass das System zweitrangig ist, so lange gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte in ausreichender Zahl vorhanden sind. Es wäre also nur natürlich, jederzeit in das Bildungssystem zu investieren. Aber der Steuerzahler goutiert das häufig nicht, wenn er nicht über seine Kinder zu den Betroffenen zählt. Die Unternehmer hingegen werden erst aufwachen, wenn ihnen in ein paar Jahren die Fachkräfte ausgehen.

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    • Isaidy
    • 09.01.2009 um 15:45 Uhr

    Chrerrypicker. Die Crux mit der Bildung ist deren mittel- bis langfristige Auswirkung. Investiert eine Regierung heute Steuergelder in sinnvolle Schulpolitik, so wird sich eine andere Regierung in 8 bis 10 Jahren die Lorbeeren dafür einsammeln. Erfolge innerhalb der Legislaturperioden haben Vorrang vor Nachhaltigkeit. Investitionen sollen möglichst noch innerhalb der vier Jahre ihre Wirksamkeit dokumentieren. Damit bleibt die Bildung immer auf der Strecke und verkommt zum Profilierungswunderland von Ministerpräsidenten, die zwar kein Geld investieren, dafür aber wer weiß wie innovativ auftreten wollen. Die Opfer sind immer, immer und immer wieder die Schüler und die Lehrkräfte, die notgedrungen an jenen Strängen mitziehen müssen, die sich Kultusministerien im Wolkenkuckucksheim ausdenken. Dass Bildung die einzige Ressource ist, die die Bundesrepublik zu bieten hat und ihre Gewinnung deswegen so effizient und nachhaltig wie nur möglich vonstatten zu gehen hat, wird dabei völlig aus dem Blick verloren. Die immer weniger werdenden Kinder werden aus Geldmangel immer schlechter ausgebildet und sollen in Zukunft die Last des Sozialstaates auf ihre Schultern heben, den jetzige Generationen bereits plündern. Es wäre schon ein Wunder, wenn es da nicht noch zu massiven Problemen kommt.

    • Isaidy
    • 09.01.2009 um 15:45 Uhr

    Chrerrypicker. Die Crux mit der Bildung ist deren mittel- bis langfristige Auswirkung. Investiert eine Regierung heute Steuergelder in sinnvolle Schulpolitik, so wird sich eine andere Regierung in 8 bis 10 Jahren die Lorbeeren dafür einsammeln. Erfolge innerhalb der Legislaturperioden haben Vorrang vor Nachhaltigkeit. Investitionen sollen möglichst noch innerhalb der vier Jahre ihre Wirksamkeit dokumentieren. Damit bleibt die Bildung immer auf der Strecke und verkommt zum Profilierungswunderland von Ministerpräsidenten, die zwar kein Geld investieren, dafür aber wer weiß wie innovativ auftreten wollen. Die Opfer sind immer, immer und immer wieder die Schüler und die Lehrkräfte, die notgedrungen an jenen Strängen mitziehen müssen, die sich Kultusministerien im Wolkenkuckucksheim ausdenken. Dass Bildung die einzige Ressource ist, die die Bundesrepublik zu bieten hat und ihre Gewinnung deswegen so effizient und nachhaltig wie nur möglich vonstatten zu gehen hat, wird dabei völlig aus dem Blick verloren. Die immer weniger werdenden Kinder werden aus Geldmangel immer schlechter ausgebildet und sollen in Zukunft die Last des Sozialstaates auf ihre Schultern heben, den jetzige Generationen bereits plündern. Es wäre schon ein Wunder, wenn es da nicht noch zu massiven Problemen kommt.

  6. Zum Einen sind es die Qualifizierten, die ein Land wie Deutschland reich machen (können). Zum Anderen macht Bildung die Menschen irgendwie unregierbar, sie fangen an Fragen zu stellen, unverschämte Fragen, wie die ParteienAristokratie findet, und die Plutokraten finden das auch. Ich behaupte, dass die Zustände im deutschen Bildungssystem so verheerend sind, weil sich die Zustände im Gemeinen sonst ändern könnten, zu Lasten derer, die hier noch was zu verlieren haben.
    Und bedenken sie immer eines: Laut einer Studie, die die CDU selbst initiiert hat, ist der durchschnittliche CDU-Wähler männlich, über 55, lebt auf dem Land und hat eine niedrige Schulbildung. Diese Ressource darf nicht schrumpfen, sonst ist's vorbei mit der christlichen Macht.

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    Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

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