Soul Frag Mama um Rat

Anthony Hamiltons Soul liefert ein Gegenprogramm zu Hip-Hop-Hedonismus und Stretchlimo-Gangstern

Mit dem frisch gewählten US-Präsidenten Barack Obama scheint auch im afroamerikanischen Pop ein neues Männlichkeitsideal Auftrieb zu erhalten. Die alten muskelbepackten Gangster-Poseure wirken plötzlich wie Fossile, während Versöhnungsprediger den Typ der Stunde verkörpern.

Anthony Hamilton kann davon nur profitieren. Wie lautet noch mal das Attribut, das dem Soulsänger aus North Carolina am häufigsten angehängt wird? Erwachsen! Mag der Mann auch von Rapstars regelmäßig für ein paar steinerweichende Refrains ins Studio gebeten werden – in seinen eigenen Songs verkörpert er doch eher die Antithese zum jugendlichen Hip-Hop-Hedonismus.

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»Sollte es nicht fürs Kino reichen / können wir auch einfach daheimbleiben…«, gospelt er im erdigen Bariton auf seinem neuen Album The Point Of It All. Das Video zu seiner ersten Single-Auskopplung Cool liefert ein entsprechendes Szenario: Der Sänger fährt eine Schrottschüssel, muss unter einem lecken Hausdach leben, kann seine Rechnungen nicht begleichen und zelebriert trotzdem die Liebe zu seinem Mädchen. Ein Klischee – das aber gerade durch den Kontrast zur Stretchlimousinen-Ikonograpfie des zeitgenössischen Rhythm ’n’ Blues seinen Witz gewinnt. An anderer Stelle fragt Hamilton seine Mutter um Beziehungsrat, oder er verkündet in Prayin’ For You, dass er für seine Geliebte »beten würde«.

Man kennt solche Zeilen noch am ehesten aus dem Soul der sechziger und siebziger Jahre, von den mitfühlenden Hymnen eines Curtis Mayfield, Bobby Womack oder Bill Withers. Anthony Hamilton modernisiert deren Botschaft: Seine Songs verbinden akustische Gitarren mit programmierten Beats und bleiben dabei dennoch stets der bluesgetränkten Wärme des Southern Soul verpflichtet.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 09.01.2009 um 13:40 Uhr

    der Link funktioniert (bei mir) nicht?! Es erscheint der Hinweis "Seite nicht gefunden"

    Gruss
    Knüppel

  1. Sehr geehrter Knüppel,
    der Text wurde ins Tonträgerblog verschoben, Sie finden ihn dort.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    • Anonym
    • 09.01.2009 um 15:42 Uhr

    Ihr Artikel war "Wasser auf meine Mühlen" ... Kompliment!

    Seit dem Tod von Marvin Gaye, gab es (für mich) immer eine Lücke in diesem Bereich, die auch Leute wie Al Green, Alexander O'Neil, Omar u.v.a. nicht wirklich ausfüllen konnten. Seit 1964 höre ich leidenschaftlich gern "schwarze" Musik und habe mir wohl so ziemlich jede/n Newcomer zumindest mal angehört ... meist war ich aber enttäuscht. Ausnahmetalente, wie Erykah Badu oder auch im Jazz-Pop-Bereich Liz Wright bestätigten für mich eigentlich nur "die Regel."

    Die Hoffnung auf ein Gegengewicht zum Hip-Hop habe ich aber nie ganz aufgegeben. Anthony Hamilton hört sich für mich schon mal sehr interessant an.

    Gruss
    Knüppel

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