In dieser Stadt kommt man ungeheuer schnell nach oben. Einfach auf den Knopf mit der Fünfzig drücken, und schon katapultiert der Turbolift den Besucher in luftige Höhen. Auf dem Panoramadach steht Rajeev Devi* und zeigt seinen Besitz. Da drüben gehört ihm eine Zweizimmerwohnung, dort in dem Turm ein Studio, da hinten ein Ladenlokal. Woher der 25-jährige Inder das Geld dafür hat? Er bekam einen billigen Kredit von der Bank.

Nur läuft es diesmal nicht nach Plan. Denn seit Wochen will keiner seine Wohnungen kaufen. Und er sitzt auf den Schulden. Vom Panoramadach kehrt Devi zum Aufzug zurück. Und in dem geht es verdammt schnell nach unten.

Vor zwei Monaten noch feierte sich Dubai mit dem größten Feuerwerk der Geschichte. Eingeflogene Promis aus Beverly Hills und Kensington eröffneten das Atlantis, das teuerste Hotel der Welt. Mancher Gast zahlte 25.000 Dollar die Nacht, um einfach nur da zu sein oder den großen Hai im haushohen Hotelaquarium zu bestaunen. Dubai, das zeigte sich auch in dieser Nacht, will immer ganz vorn mit dabei sein: zweistellige Wachstumsraten, das höchste Turmhaus, die größte künstliche Insel, die längste überdachte Skipiste auf dem Globus. Keine Stadt schmückt sich so gern mit Superlativen und der internationalen Schnickschnackklasse; keine ist vernetzter mit der Weltwirtschaft als diese.

Nun aber geht es fast überall abwärts. Und Dubai schliddert mit in die Krise. Dabei steht das Wüstenemirat nicht auf Sand allein. Vier Säulen tragen seine Wirtschaft: Immobiliengeschäfte, Handel, Tourismus, Banken. Brechen diese nun zusammen?

Rajeev Devi hatte ein einfaches Geschäftsmodell. Seine erste kleine Wohnung kaufte er mit wenig Barem und viel Kredit, den die Bank ihm ohne langes Zögern gab. »Kaum zehn Prozent der Wohnung hatte ich selbst bezahlt«, sagt er, »sie war auch noch im Bau.« Bereits vor der Fertigstellung verkaufte er das Apartment mit sattem Gewinn weiter. Beim nächsten Mal konnte er sich eine größere Wohnung leisten, danach schon zwei. »Flipping« nennt man das in Dubai. So haben viele private Immobilienhändler ein kleines Vermögen gemacht.

Rajeev Devi überwies den Mehrwert bislang nach Hause. Seine Familie lebt in einem kleinen Vorort der indischen Millionenstadt Chennai. Im teuren Dubai lebt er sparsam, teilt sich eine Zweizimmerwohnung mit zwei anderen Indern, fährt einen koreanischen Kleinwagen. »Selbst den kann ich mir nicht mehr lange leisten«, sagt er. Die Krise hat die kleinen Händler kalt erwischt. »Meine Wohnungen haben mindestens ein Drittel ihres Wertes verloren.«

Aber der Abschwung trifft nicht nur die Kleinen. Mahesh Tourani residiert in den glänzenden Jumeirah Lake Towers am Rande der ausgedehnten Stadt. »Die Welt hat Fieber, Dubai auch«, sagt der Chef der Immobilienfirma Indigo Properties. Im Sommer noch standen russische, indische, chinesische und amerikanische Kunden bei ihm Schlange. »Inzwischen verlieren sich nur noch wenige zu uns«, klagt er. Weil die Nachfrage fehle, schnitten die großen Projektentwickler in Dubai ihre ausschweifenden Pläne gewaltig zurück. »Jeder will jetzt verkaufen«, sagt Tourani. Die Preise gingen dramatisch zurück; für den in den vergangenen Jahren aufgeblähten Markt berge das große Gefahren. Rund achtzig Prozent aller Bauprojekte gehörten Händlern, die sie weiterverkaufen wollten. Panikverkäufe zu historischen Tiefstpreisen seien keine Ausnahme mehr. »Das werden viele Firmen nicht überleben.«