Krieg in Nahost "Das ist Obamas erster Krieg"Seite 4/4

ZEIT: Gab es jemals schon eine solche Verhärtung wie heute?

Fischer: Ein revolutionärer Nationalismus, das wissen wir aus Europa, hat eine ungeheure Kraft. Denken Sie an die IRA, eine relativ kleine Gruppe, die dennoch jahrzehntelang die Geschicke der irischen Nation mitbestimmt hat. Auch hier hat die Religion eine große Rolle gespielt. Einen solchen Nationalismus aus einer destruktiven Kraft in einen Mitspieler zu verwandeln ist eine schwierige Führungsaufgabe. Es erfordert nicht nur militärische Zähigkeit, um ihn entscheidend zu schwächen, sondern auch wirtschaftliche Entwicklung und unendliche Geduld im politischen Prozess, der die legitimen Anliegen aufnimmt. Und wir hatten ein achtjähriges Vakuum durch die Regierung Bush.

ZEIT: Ist das noch der letzte Krieg von George W. Bush oder schon der erste von Barack Obama?

Fischer: In den Konsequenzen wird es auf jeden Fall der erste Krieg von Präsident Obama sein. Aber was die Ursachen angeht, muss man sagen, George Bush hat die Dinge viel zu lange treiben lassen. Amerika wurde nicht mehr als ehrlicher Makler in Nahost akzeptiert. Das ist besonders tragisch, weil sich die Konfliktparteien, objektiv gesehen, heute näher sind denn je. Alle wissen, was zu tun ist. Aber subjektiv entfernen sie sich immer mehr von einer gemeinsamen Basis für Frieden, und auch dafür steht dieser Krieg.

ZEIT: Was ist Obamas wichtigste Aufgabe?

Fischer: Er muss versuchen, Amerika wieder als ehrlichen Makler in Nahost zu etablieren und Syrien und Iran in einen regionalen Konsens einzubeziehen.

ZEIT: Was ist die größte Hürde, vor der er steht?

Fischer: Sein größtes Hindernis wird die Schwäche der Hauptakteure auf beiden Seiten sein. Und die Schwäche der arabischen Welt im Ganzen. Keines der arabischen Regime ist in der Lage, seinen Bürgern die Lebenschancen zu bieten, auf die sie hoffen, und auch nicht die Würde, die in der Region ein wichtiger Faktor ist. Das macht sie so verwundbar durch revolutionäre Fundamentalisten wie die Hamas.

ZEIT: Wird der Konflikt noch zu Ihren Lebzeiten gelöst?

Fischer: Als ich eines Tages hörte, dass Martin McGuiness von der IRA und Ian Paisley nach blutigen Jahrzehnten gemeinsam in einer Regierung sitzen, da dachte ich: Alles ist möglich.

Die Fragen stellten Jörg Lau und Patrik Schwarz

 
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