Den Job hat Bernd Buchholz gewollt. Am vergangenen Dienstag hat er ganz offen gesagt, wie gerne er zugreift, obwohl er nicht damit rechnen konnte, es so früh tun zu können. So ist es oft in Managerkarrieren. Der letzte Schritt an die Spitze lässt sich nicht planen. Und so ist auch Bernd Buchholz ein bisschen plötzlich zum Vorstandschef von Gruner+Jahr, dem größten Zeitschriftenverlag in Europa, geworden.

Buchholz profitiert vom Scheitern seines Vorgängers, mit dem er bisher eng und in gegenseitigem Vertrauen zusammengearbeitet hat: Bernd Kundrun. Dieser hatte sich in den Wochen vor Weihnachten mit dem Mehrheitsgesellschafter des Verlags, dem Medienkonzern Bertelsmann, und dessen Vorstandschef Hartmut Ostrowski überworfen. Die vorzeitige Ablösung Kundruns war nicht mehr aufzuhalten.

Die Aufgabe, die vor Buchholz liegt, ist keine leichte. Euromilliarden für Zukäufe sind bei Bertelsmann nicht in übermäßiger Zahl vorhanden, und das wenige Geld, das es zu verteilen gibt, soll helfen, vor allem die Geschäftsfelder um die Sendergruppe RTL und den Industriedienstleister Arvato auszubauen. Im Zeitschriftengeschäft hingegen sinken die Auflagen, in der Wirtschaftskrise auch die Anzeigenerlöse – und der Markt ist seit Jahren dicht besetzt.

Damit der Verlag wächst, wird Buchholz also in erster Linie wie ein Unternehmer handeln müssen: mit Ideen und wenig Mitteln.

Die Frage lautet also: Kann er das? Buchholz war jahrelang Verlagsleiter bei Zeitschriften wie stern und Geo. Er kennt das Geschäft bis ins Detail und kümmert sich bis heute im Kleinen um neue Geschäftsideen, diskutiert mit Chefredakteuren und Verlagsleitern deren Ideen. Nun wird er noch mehr Freiraum haben, publizistisches Neuland tatsächlich auch zu erkunden. Ob er dabei immer richtig liegen wird? Sicher nicht. Er kann leichter in die Welt des sterns abtauchen als in die Rezeptwelt von Essen & Trinken. Zugleich beschreiben ihn die, die ihn kennen, als extrem lernfähig, ohne ihn deswegen sofort als angenehmen Chef zu empfinden. Säuseln ist seine Sache nicht. Eine sanfte Anregung eher selten. Denn Buchholz mag es lieber geradeaus. Debatte ist für ihn Herausforderung. Wer ihn so zu nehmen weiß, beschreibt ihn dann als Gesprächspartner, dessen Ziel nicht der Sieg, sondern ein Fortschritt ist. Dem viel an einzelnen Zeitschriften liegt.

Und so war es letztlich mehr als pure Höflichkeit, dass Buchholz am vergangenen Dienstag von mehr als hundert Führungskräften minutenlangen Applaus erhielt. Er ist ihr Mann. Auch wenn er ihnen vor Kurzem noch vorgeworfen hat, sie hätten zu lange »auf dem Sonnendeck« gelegen. Götz Hamann