Das Kochsche Gesetz

Teil 7: Warum der Linkspartei die Mitglieder weglaufen

In der Hauptstadt Berlin, nicht nur Sozialdemokraten wissen das, gilt schon immer das »Strucksche Gesetz«. Es besagt, dass ein Gesetz nie so aus dem Bundestag herauskommt, wie es als Entwurf hineingegangen ist. In Wiesbaden, nicht nur Christdemokraten erfahren das, gilt hingegen seit etwa einem Jahr das »Kochsche Gesetz«. Es besagt, dass eine Partei stets kleiner aus ihren Kämpfen herauskommt, als sie hineingegangen ist.

Zuerst kämpfte die CDU gegen kriminelle ausländische Jugendliche, gegen Ypsilanti, Al Wazir und die Kommunisten – und war am Wahlabend um zwölf Prozentpunkte geschrumpft. Dann kämpfte die SPD für ein rot-grün-rotes Bündnis – und hatte plötzlich vier Landtagsabgeordnete und die Wählergunst verloren, Sinn und Verstand noch obendrein. Und jetzt kämpft die Linkspartei darum, sich von einer ostdeutschen Regionalpartei in hessische Normalität zu verwandeln – und schon laufen ihr die eigenen Mitglieder weg. In Baunatal, der Stadt mit dem Aqua-Park, dem größten Freizeitbad in Nordhessen mit den beiden 80-Meter-Rutschen, hat sie sich zum Jahreswechsel sogar praktisch aufgelöst. Als Grund nennen Vertreter der evolutionsgeschichtlich (Darwin-Jahr!) noch blutjungen Spezies der Ex-Linken fehlende Basisdemokratie, Mobbing von Mitgliedern, elitäre Kaderbildung.

Paradoxerweise hat die Linkspartei damit ihr Ziel bereits erreicht. Fehlende Basisdemokratie, Mobbing von Mitgliedern, elitäre Kaderbildung – da ist sie doch prompt mittendrin in der hessischen Normalität. Peter Dausend

Hessen Bühne

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
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    • Schlagworte Gesetz | CDU | Mobbing | Bundestag | SPD | Wiesbaden | Hessen | Berlin
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