Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Rezession. Das Bruttosozialprodukt wird 2009 um zwei bis drei Prozent sinken. Das ist ein Problem. Das größere Problem sind die Katastrophenstimmungen, die dazu in keinem Verhältnis stehen. Man wird sehen, dass auch 2009 Steaks gegessen werden und Rotwein getrunken wird. Die Menschen werden auch Hosen kaufen, Straßen bauen, telefonieren, Ikea-Regale zusammenschrauben, nach Paris oder Mallorca fahren (vielleicht weniger), googeln, Benzin tanken und Yogakurse, Fußballstadien und Bob-Dylan-Konzerte besuchen. Sie werden auch Halbleiter bauen und Solarzellen. Und da es der menschlichen Natur entspricht, sich Geschichten erzählen zu lassen (zum Beispiel über Krisen), nachzudenken (zum Beispiel über Ursachen und Wirkungen von Krisen) und sich durch Unterhaltung vom (Krisen-)Stress zu erholen, wird man 2009 auch ins Kino, ins Theater gehen und – Bücher kaufen und lesen. Es müssen nur die richtigen sein. Vielleicht schärft die Krise die Sinne. Ich zum Beispiel empfehle gleich für den Januar: John Kenneth Galbraith: Der große Crash 1929, Harald Schumann/Christiane Grefe: Der globale Countdown und Terry Eagleton: Der Sinn des Lebens. Dazu Kierkegaard und Helge Schneider. Das Leben geht weiter. Die Welt geht nicht unter. Wir haben nur eine Rezession.
Foto: Hermann Josef Wöstmann/dpa
- Datum 09.01.2009 - 14:50 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
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