Christian Petzold
Kein anderer Regisseur hat das deutsche Kino der letzten Jahre so geprägt wie er. 1960 in Hilden geboren, besuchte Petzold die Film- und Fernsehakademie in Berlin und schaffte mit seinem Kino-Debut »Die innere Sicherheit« (2001) den Durchbruch. Mit »Wolfsburg« (2003), »Gespenster« (2005) und »Yella« (2007) etablierte er sich auch im Ausland als einer der maßgeblichen deutschen Filmemacher und Kopf einer »Nouvelle Vague Allemande«. Er arbeitet mit einem festen Team um den Kameramann Hans Fromm und die Cutterin Bettina Böhler. Auch die Schauspieler Nina Hoss und Benno Fürmann gehören dazu; sie spielen in Petzolds neuem Film »Jerichow« die Hauptrollen, der bereits im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig lief und jetzt ins Kino kommt. »Jerichow« erzählt die Geschichte des Afghanistan-Heimkehrers Thomas (Fürmann), der in die Ehe des türkischen Imbissbuden-Tycoons Ali (Hilmi Sözer) mit dessen Frau Laura (Hoss) einbricht. Vor dem Hintergrund der weiten, leeren Landschaft der Prignitz entspinnt sich das Drama einer obsessiven Liebe, gefilmt in drängendem Rhythmus und mit klaren, lichten Bildern. Christian Petzold variiert James M. Cains Roman »Wenn der Postmann zweimal klingelt« über die Zeit der Großen Depression. Er macht daraus eine mitreißende Parabel über die Ökonomisierung aller Gefühle in den Zeiten des Krisenkapitalismus.
- Datum 08.01.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
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